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Neuer Glanz für einen alten Kelch

Kemnitz/Peenemünde Neuer Glanz für einen alten Kelch

In Peenemünde lässt die Kirchengemeinde Kemnitz ein ihr wertvolles Gefäß restaurieren

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Vorsichtig entfernt Restauratorin Cora Zimmermann einen Film aus Bakterien und Pilzen vom vergoldeten Silberstück.

Quelle: Foto: Peter Machule

Kemnitz/Peenemünde. Eine Jahreszahl fehlt. Auch sonst weist das prunkvolle Trinkgefäß keinerlei Markierung auf. Wolfgang Hofmann, Metallrestaurator im Historisch Technischen Museum in Peenemünde auf Usedom, schätzt, dass der Abendmahlskelch, mit dem die Kirchengemeinde Kemnitz-Hanshagen seine Werkstatt beauftragte, Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts gefertigt wurde. „Dafür spricht seine Form und die Art seines Aufbaus. Und auch das Fehlen jeglicher Kennzeichnung.“

Ein Vierteljahrhundert schon ist Hofmann (69) als Metallrestaurator tätig. Kelche wie diesen hier hatte er in dieser Zeit oft in der Hand. Jeder für sich sei etwas Besonderes, unschätzbar in seinem individuellen Wert. „Abendmahlskelche sind für gewöhnlich Einzelanfertigungen. Ganz selten nur gleicht einer dem anderen.“ Der Kemnitzer war vor wenigen Jahren von einer Greifswalder Kunststudentin unter die Lupe genommen worden. Sie entdeckte eine Inschrift an ihm, die darauf schließen lässt, dass das Gefäß im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts in Norditalien entstand. Seinerzeit unternahm der damalige Herrscher des Herzogtums Pommern, Bogislaw X. (1454 - 1523), eine Pilgerreise nach Rom und Jerusalem.

Möglicherweise, heißt es seitens der Kirchengemeinde, habe er den Kelch mitgebracht. Über das später errichtete Pommernschloss in Ludwigsburg, so die Spekulation, könnte er in den Besitz der Kirchengemeinde Kemnitz gelangt sein. Ganz genau weiß man es freilich nicht. Einig jedoch war sich die Gemeinde darin, das vom Zahn der Zeit angenagte Gefäß in Ordnung bringen zu lassen. Die Werkstatt von Wolfgang Hofmann schien dafür prädestiniert. Keine andere im Land versteht sich auf so vielfältige Weise auf die Restauration metallener Gegenstände und Anlagen. Hofmann restaurierte jahrhundertealte Sarkophage ebenso wie erhalten gebliebene technische Anlagen der unter den Nazis errichteten Heeresversuchsanstalt in Peenemünde. In Cora Zimmermann (42) fand er 2016 seine Meisterschülerin. Die gelernte Goldschmiedin und Diplomingenieurin für Maschinenbau absolviert gerade eine Ausbildung als „Restaurator im Handwerk“. „Sie ist handwerklich gut und hat ingenieurtechnisches Verständnis“, lobt Hofmann. Den Abendmahlskehlch aus Kemnitz wieder in Ordnung zu bringen, sei nunmehr ihre Sache.

„Der Kelch besteht aus vergoldetem Silber. Seine ursprünglichen Befestigungen sind lose. Er weist Verformungen auf und jahrhundertealte Schmutzablagerungen“, schildert Zimmermann. Ein so genannter Biofilm, bestehend aus Bakterien und Pilzen, habe sich auf das Metall gelegt. Mit Sachverstand und speziellen mechanischen und chemischen Reinigungsmethoden rückt Zimmermann ihm zu Leibe. Im Anschluss will sie das aus drei Teilen bestehende Gefäß in seiner Gesamtheit richten und festigen. „Damit es weiterhin von der Kemnitzer Kirchengemeinde genutzt werden kann.“ Denn das sei generell das Ziel solcher Restaurierungen, stellt Wolfgang Hofmann klar. Die Restaurierung des Kelchs kostet die Kemnitzer Kirchengemeinde weniger als 500 Euro. Ein Entgegenkommen, gibt Hofmann zu verstehen.

Der tatsächliche Aufwand sei höher zu bemessen.

Sven Jeske und Peter Machule

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