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Odysseus schwimmt sich frei

Greifswald Odysseus schwimmt sich frei

Montessori-Schüler spielen das nächste Stück von Christian Holm im Theater - Bühne frei für Witz und Tiefgang!

Greifswald. Wie bitte, 35 Schüler auf der Bühne? So viele? Und jeder soll einen echten Auftritt haben, jeder soll im wörtlichen wie übertragenen Sinn eine Rolle spielen?

Das ist verrückt. Das ist zu viel verlangt. „Das geht eigentlich gar nicht!“, stöhnt Christian Holm.

Und doch, wenn man den Greifswalder Theaterpädagogen bei Endproben für sein neustes Schultheaterstück in der Montessorischule beobachtet, gewinnt man den Eindruck: Der Mann hat es wieder mal geschafft, ein Stück zu schreiben, das Witz und Tiefgang hat, das Horden von Schülern raffiniert einbindet und das den Jugendlichen auch noch Spaß macht. „Mensch, Odysseus“, heißt es. Sein Parzival-Stück und „Konfetti ist alle“ hatte in den Vorjahren schon mit Humboldtgymnasiasten Erfolge gefeiert, zum Teil sogar beim „Theatertreffen der Jugend“ in Berlin (die OZ berichtete).

Ganz leicht war der Start aber nicht, sagen die Acht- und Neuntklässler, die diesmal mitmachen. Den Mythos vom Helden Odysseus, der es sich mit Wassergott Poseidon verscherzt hat und eine Irrfahrt übers Mittelmeer bestehen muss, kannten sie aus der 4. Klasse. Eben deshalb, sagt die 14-jährige Irina Kovar Bodasiuk, hatten sie anfangs das Gefühl: „Das ist doch eine Geschichte für Kinder!“

Der Odysseus, der ab Montag im Theater zu sehen ist, erinnert allerdings eher an einen Jungspund in der Pubertät. Von den Göttern, die alles besser wissen und bestimmen wollen, will er sich befreien, gegen alle Warnungen will er seinen Weg gehen, mit Leichtsinn, Mut und Handy... ob und wie er das schafft: Am besten selbst sehen!

Schulleiter Nils Kleemann hatte solche Theaterprojekte schon in den reformpädagogischen Klassen des Humboldtgymnasiums angeschoben, nun an seiner eigenen Schule. „Das ist ein super Mittel, um Gemeinschaft wachsen zu lassen“, meint er. Und in der 8., 9. Klasse seien Schüler auf Bewährung aus, wollten sie sich beweisen.

Seit Oktober stand also einmal pro Woche eine Doppelstunde Theater auf dem Stundenplan. Eine Probenwoche auf dem Wasserschloss Turow folgte. Christian Holm bekam den Theaterpädagogen Jan Holten als Co-Regisseur und -Spielleiter an die Seite gestellt. In Improvisations- und anderen Übungen ging es dann erstmal darum, Lockerheit und Spiellust zu entwickeln, sich mit den Themen des Stücks auseinanderzusetzen.

Die Talente jedes Einzelnen zu erkennen und die passende Rolle zu finden – „auch dafür hat Christian Holm echt eine Gabe“, sagt Nils Kleemann. Viele Schüler hätten nun eine tolle Entwicklung durchgemacht. Trotzdem: „Irgendwann kam der Durchhänger“, erzählt Holm selbst. Wie so oft im Probenprozess: „Nach einer Weile ist die anfängliche Euphorie verflogen und man sieht noch nicht, wohin das Stück geht.“ Inzwischen seien aber alle Schüler voll dabei. Und sie müssen es auch sein: In der Woche bis zur Premiere wird nun jeden Tag geprobt.

An diesem Mittwochabend ist Durchlauf: Immer neue Schüler schlüpfen in die Rolle des Odysseus, während andere als Erzähler ironisch das Geschehen kommentieren, männermordende Sirenen, verliebte Halbgöttinnen oder gefährliche Kyklopen spielen, das Volk verkörpern, ein Schiff oder auch das Mittelmeer. Nur selten muss Holm unterbrechen, „Ruhe!“ oder „Konzentration!“ fordern.

Über Stunden an dem Stück zu arbeiten, „ist echt anstrengend, aber auch richtig lustig“ erzählt Irina nachher. Und jetzt,da endlich alle Szenen zusammengesetzt würden, hätten sie auch das Gefühl:

„Das wird echt cool.“ Ob das Projekt allerdings auch das Gemeinschaftsgefühl stärkte, wie die Lehrer immer behaupten... Neuntklässler Julius Bandt guckt gespielt genervt in die Runde: „Ich mag die anderen alle nicht“, sagt er. Und erntet Lacher.

Sybille Marx

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