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Polly Faber hat Geburtstag — und keine Zeit zu feiern

Greifswald Polly Faber hat Geburtstag — und keine Zeit zu feiern

Seit drei Jahren existiert nahe der Bahnhofstraße ein Freiraum für Kunst und Kultur.

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Vorhang auf für Kunst und Kultur: Charlie Bernsdorf engagiert sich seit Anfang an bei Polly Faber.

Quelle: Fotos: kl

Greifswald. Drops, Dahlien und Daim standen am Donnerstag auf dem Plenumstisch. Zu jedem der wöchentlichen Treffen bringen sich die Mitglieder des Kunst- und Kulturvereins Polly Faber kleine Nettigkeiten mit, die immer dem Alphabet folgend mit einem anderen Buchstaben beginnen. In der nächsten Woche versüßen sie sich das Treffen vielleicht mit Eiscreme, Eierpfannkuchen und Eukalyptusbonbons.

Dabei besprechen sie, was für kommende Veranstaltungen zu tun ist, wie die Vermietung der Atelierräume vorangeht und ob die Anfragen von außen mit der Philosophie des Vereins im Einklang stehen. „Wir sind prinzipiell für alle Leute offen, würden die Räume aber nicht für ein reines Partybesäufnis zur Verfügung stellen“, sagt Sprecher Charlie Bernsdorf vom Vorstand des Vereins. „Die Veranstaltungen sollten künstlerisch oder kulturell geprägt sein.“

Seit drei Jahren schon engagieren sich er und rund zehn weitere Mitstreiter auf dem Gelände der alten Eisenbahnhauptwerkstatt am Ende der Stichstraße, die von der Bahnhofstraße abgeht und ebenso heißt. Alles fing damit an, dass die studentische Kunstschau Insomnale die leerstehenden Gebäude für ihre Ausstellung nutzte. Dem Besitzer gefiel das, den Organisatoren auch. So verständigten sie sich, dass an diesem Ort Kunst und Kultur ein Zuhause finden sollten. Der Verein wurde gegründet.

Eine richtige Party wird es zum dritten Geburtstag aber nicht geben. „Wir engagieren uns hier alle ehrenamtlich und haben zurzeit zu viel zu tun“, sagt Bernsdorf, der in Greifswald auf Lehramt studiert und noch einen Nebenjob hat. Vielleicht gebe es aber zum fünften eine richtige Feier.

Stattdessen wird heute Abend die Performance „Dusk/Dawn“ mit anschließender Lesung der Novelle „Moloch“ von Jörn Neumann über die Bühne gehen. Neumann ist Gründungsmitglied von Polly Faber, hat in Greifswald Bildende Kunst und Kunstgeschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut studiert und zeigt derzeit seine Werke im großen Ausstellungsraum. Diese sind in ihrem Ausdruck mit Worten schwer zu fassen. Viele kleinteilige Zeichnungen hängen an den Wänden. Sie strotzen vor Detailarbeit und driften ins Surreale ab. Abseitig, phantasievoll, spannend.

Zahlreiche Künstler haben in der Polly bereits ihre Arbeiten gezeigt. Doch auch für Poetry Slams, Konzerte, kulturelle Performances und Projekte unterschiedlichster Art bietet die Einrichtung Platz.

Vor allem aber bietet sie Räume. 14 Ateliers befinden sich in den Gebäuden, 13 davon sind derzeit an Maler, Bildhauer, Fotografen, Musiker und eine Yoga-Gruppe vermietet. Dazu kommen zwei Galerien mit der großen Halle, ein Seminarraum und ein Fotolabor. Eine Druckwerkstatt ist in Planung. Auch das Ballhaus Goldfisch ist hier zu finden. Polly Faber hat sich als ein Anlaufpunkt für zahlreiche Projekte und Initiativen etabliert.

Zudem sind zwei Gärten auf dem Gelände. „Gartenfee“ Julia Meyhuber kümmert sich um einen der beiden, jätet Unkraut, erntet Tomaten. Auf der Rückseite des Geländes befindet sich der „Urban Garden“.

Teilnehmer des internationalen Studentenfestivals Gristuf legten Hochbeete an. Greifswalder Paten haben in der Folge die Pflege übernommen. „Das wollen wir ausbauen“, sagt Bernsdorf. Einer von vielen Plänen für die Zukunft.

Performance und Lesung: heute ab 20 Uhr, Ausstellung „Artæfex“ von Jörn Neumann noch bis zum 31. August, täglich 16 bis 20 Uhr

Kontakt: www.facebook.com/

pollyfabergreifswald; pollyfaber.greifswald@googlemail.com;

☎ 0178 / 35 86 180. Plenum: donnerstags, 17 Uhr, Ausstellungsraum

 



Kai Lachmann

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