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Polnisch von der Kita bis zur Berufsschule

Greifswald Polnisch von der Kita bis zur Berufsschule

Kreis will Sprachbarrieren zum Nachbarn abbauen / Pomerania fördert deutsch-polnisches Projekt

Greifswald. In Heringsdorf auf Usedom gehört es fast schon zum guten Ton: 150 der 277 Kinder lernen in der Grundschule Polnisch. Auch in Löcknitz und anderen grenznahen Orten gibt es bereits gute Erfahrungen mit dem Erwerb der Nachbarsprache. Dieser Weg soll jetzt mit Hilfe eines von der Kommunalgemeinschaft Pomerania geförderten Pilotprojektes in der deutsch-polnischen Grenzregion ausgebaut werden.

„Ziel ist es, in Kitas, Schulen und Berufsschulen ein durchgängiges Sprachangebot zu unterbreiten“, sagt Dietger Wille, Vizelandrat von Vorpommern-Greifswald. Derzeit stünden Sprachbarrieren leider noch allzu oft einem regen Austausch mit den Nachbarn entgegen. „Dabei haben wir eine sehr enge räumliche Beziehung zu Polen. Diese Nähe wird wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen“, ist Wille überzeugt.

Der Landkreis Vorpommern- Greifswald hatte deshalb gemeinsam mit der Stadt Stettin, der Universität Greifswald, der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) sowie dem brandenburgischen Landkreis Uckermark die Sprachförderung bei der Kommunalgemeinschaft beantragt. Mit Erfolg. „Das Projekt, das mit 2,2 Millionen Euro Efre-Mitteln gefördert wird, ist unter den beantragten eines der hochwertigsten, weil es in die gesamte Euroregion ausstrahlt“, würdigt Diana Buche, stellvertretende Geschäftsführerin der Pomerania, die Bemühungen der Akteure. Sie hoffe deshalb, dass sich bald weitere Mitstreiter finden.

Vorerst bauen die Initiatoren in Vorpommern-Greifswald auf die Teilnahme von sechs Schulen. Sie sollen als Modellstandorte fungieren. Neben Heringsdorf und Löcknitz sind das Penkun, Pasewalk, Ducherow und Neuenkirchen. Dort, in der „Schule am Bodden“, wird Polnisch seit 2011 unterrichtet. „Allerdings hatten wir voriges Jahr einen Bruch, sodass aktuell nur 15 der 150 Grundschulkinder die Sprache erlernen“, berichtet Schulleiter Bernd Leu. Das Problem: „Wir müssen dieses Angebot aus unserem Stundenkontingent für die Ganztagsschule finanzieren“, erklärt er. Damit konkurriere es mit vielen anderen Offerten. Leu fügt hinzu: „Schöner wäre es, vom Bildungsministerium dafür zusätzliches Geld zu erhalten.“ Das kann Vizelandrat Wille nur unterstreichen: „Wir sind auf die Unterstützung des Landes angewiesen. Bislang läuft in den Einrichtungen alles nur auf freiwilliger Basis.“

Ganz anders auf polnischer Seite: „Die Schulen in Stettin befinden sich in Trägerschaft der Stadt. Wir können alles selbst entscheiden, bei Bedarf auch zusätzliche finanzielle Mittel einsetzen“, verdeutlicht Krzysztof Soska, Vizepräsident der Stadt. Deshalb habe Stettin bereits vor Bewilligung der EU-Mittel begonnen, den Erwerb der deutschen Sprache zu fördern. „1900 Schüler begannen im März mit der Ausbildung“, sagt Soska. Grundsätzlich ist der Nachbar bei diesem Thema viel weiter als Deutschland. „Deutsch ist bei uns in den Schulen nach Englisch die zweite Fremdsprache. Schon heute lernen 75 Prozent der Stettiner Schüler Deutsch“, sagt Soska. Von der Teilnahme am grenzüberschreitenden Projekt verspreche er sich einen Qualitätssprung. „Und mit dem Erlernen der Sprache erfolgt die Begegnung“, so Soska.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Uni Greifswald. Das Institut für Slawistik wolle „in enger Kooperation mit polnischen Partnern Materialien erarbeiten“, sagt Institutsmitarbeiter Marek Fialek. Dabei gehe es nicht um klassische Lehrbücher, sondern um eine moderne Plattform, die stetig weiterentwickelt werden könne. „In der Region und insbesondere bei den Lehrkräften gibt es einen sehr großen Beratungsbedarf“, sagt Julia Bartels, Koordinatorin für die deutsch-polnische Bildungszusammenarbeit in Vorpommern-Greifswald. Deshalb werde nicht nur die Uni unterstützend wirken, sondern auch die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie. „Wir sind Träger der Fortbildung von Lehrkräften und bringen große Kompetenzen mit“, versichert RAA-Geschäftsführer Christian Utpatel.

Petra Hase

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