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Statistiken, Grafiken und die Brüste von Beate Zschäpe

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Greifswald. „Skandal: Beate Zschäpe zeigt Brüste im Gerichtssaal“ — und alle wollen sie sehen. Wirklich alle?

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Die Katapultredaktion des ersten Jahres (v.l.): Tim Ehlers, Sarah Podszuck, Benjamin Fredrich und Sebastian Blatzheim.

Quelle: Annemarie Bierstedt

Greifswald. „Skandal: Beate Zschäpe zeigt Brüste im Gerichtssaal“ — und alle wollen sie sehen. Wirklich alle? Nein, das Team der Greifswalder Katapult-Redaktion hat mit dieser bewusst falschen Schlagzeile und einem Hinweis auf ein angeblich dazugehöriges Video unterscheiden wollen, wer genau an der Oberweite der Angeklagten im NSU-Prozess interessiert ist. „Niedere Instinkte wirken bei allen Menschen“, meint Benjamin Fredrich, Gründer des Online-Magazins. Ergebnis: Katapult bekam fünfmal so viele Klicks wie sonst mit ihren Statistiken, Studien und grafischen Aufbereitungen. Am meisten von Internetnutzern, die auf Facebook angegeben haben, dass ihnen die Bild-Zeitung gefällt. Auf Platz zwei: NPD-Anhänger.

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Greifswald. „Skandal: Beate Zschäpe zeigt Brüste im Gerichtssaal“ — und alle wollen sie sehen. Wirklich alle?

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Wir dürfen nur genauso viel erwirtschaften, dass jeder davon leben kann. Das erscheint uns möglich.“Benjamin Fredrich, Katapult-Gründer

Dieses „Clickbaiting“-Experiment (Klickschinderei) vom November 2015 war der bislang größte Coup der Greifswalder. Zu den Klicks kam jede Menge mediale Aufmerksamkeit hinzu. Etwa die Süddeutsche Zeitung und der Blog „Schlecky Silberstein“ berichteten, Marketingexperten lobten.

Startauflage: 7500 Exemplare

Seit ziemlich genau einem Jahr ist das Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft mit monatlich 250 000 Aufrufen der Internetseite (page impressions) im Netz. Jetzt ist es Zeit für einen Kurswechsel: Am 30. März erscheint die erste Print-Ausgabe. „Eigentlich wollte ich schon immer eine Zeitschrift rausbringen. Anfangs ist es aber online einfacher“, erklärt Fredrich. 7500 Exemplare des sozialwissenschaftlichen Journals können ab Ende März in allen Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen im deutschsprachigen Raum erworben werden. „Die Zeitschrift wird etwa 100 Seiten haben, optisch wie Cicero aussehen und vierteljährlich erscheinen“, verrät der Urheber. Das Printheft wird unter anderem etwa 20 Beiträge zu den Themen Migration, Korruption und Autokratieforschung beleuchten.

Mit ihrer Idee, sozialwissenschaftliche Forschung einem breiten Publikum mit Hilfe von Grafiken und Korrelationen verständlich zu machen, holten Benjamin Fredrich und Sarah Podszuck, beides studierte Politikwissenschaftler, 2014 im Unique-Wettbewerb der Greifswalder Universität den 2. Platz. Bisher veröffentlichte Katapult Artikel von Wissenschaftlern unter anderem aus Deutschland, Israel, Ägypten und den USA in Englisch und Deutsch zu aktuellen Themen aus Politik, Geschichte, Wirtschaft, Recht und Sprache.

Grafiken eignen sich für faule Leser

Mit ihrer Art und Weise, trockene, statistische Daten in ästhetischen Grafiken aufzubereiten, besitzt Katapult Alleinstellungsmerkmal im Print-Dschungel. „Wir wollten keine Fotos verwenden, sondern nur Karten und Grafiken. Das eignet sich auch für faule Leser“, verdeutlicht Podszuck. Die Karten, auf denen etwa die Zahl der Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte im deutschlandweiten Vergleich oder die Abfallerzeugung pro Einwohner und Jahr innerhalb der EU dargestellt sind, werden sogar von Wissenschaftlern angefragt, um sie als Visualisierung in Büchern oder Vorlesungen zu verwenden.

Sogar die Social Media-Abteilung der Europäischen Kommission hat schon eine Grafik zur Flüchtlingsverteilung in Auftrag gegeben.

Momentan steckt Katapult in den letzten Vorbereitungen der Print-Ausgabe: „Wir führen Interviews, schreiben Texte und layouten“, beschreibt Redakteur Tim Ehlers. Kurzweilig besteht das Team nur aus Fredrich und Ehlers sowie ein paar freien Mitarbeitern wie Layoutern und einem Lektor: Sarah Podszuck und Sebastian Blatzheim sind seit Kurzem nicht mehr dabei. „Bald bekommen wir Verstärkung von Ella Daum als Redakteurin, aber wir brauchen noch zwei bis drei Leute mehr, die schreiben. Wir wollen schneller und aktueller berichten“, erklärt Fredrich.

100 Abonnenten hat Katapult schon jetzt. Das ist gar nicht schlecht, existiert die Printversion ja noch nicht mal. Um auf lange Sicht bestehen zu können, brauche es etwa 1000, rechnet Fredrich vor.

Daneben will sich Katapult von Anzeigen und verkauften Karten finanzieren. „Gewinn machen dürfen wir als gemeinnützige Unternehmergesellschaft nicht, sondern nur genauso viel erwirtschaften, dass jeder davon leben kann. Das erscheint uns möglich“, sieht der Gründer es optimistisch.

Von Annemarie Bierstedt

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