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Tanzzeit: Experimente und Greifswalder Geräusche

Greifswald Tanzzeit: Experimente und Greifswalder Geräusche

Gastchoreographen erarbeiten mit dem Ballett Vorpommern ungewöhnliche Stücke

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Zur Tanzzeit 2016 wurde dem Publikum unter anderem eine Choreographie von Brigel Gjoka mit dem Titel „Delegatet“ geboten. In diesem Jahr ist der Probenplan sehr eng, sodass noch keine aktuellen Bilder vorliegen.

Quelle: Foto: Mutphoto

Greifswald. Die Tanzzeit gehört für das Ballett Vorpommern zu den spannendsten, sicherlich aber auch zu den anstrengendsten Projekten im Jahr. Spannend, weil Gastchoreographen mit den klassisch ausgebildeten Tänzern zeitgenössische Stücke entwickeln, die ihr Bewegungsvokabular – so nennt man es am Theater – erweitern oder ihnen gar ein ganz neues beibringen. Anstrengend ist es, weil die neuen Aufführungen von Grund auf erarbeitet werden müssen – und zwar zusätzlich zu den alltäglichen Aufgaben: Im selben Zeitraum stehen noch drei weitere Produktionen auf dem Spielplan, die an drei Standorten gezeigt werden. Keine leichte Aufgabe.

OZ-Bild

Gastchoreographen erarbeiten mit dem Ballett Vorpommern ungewöhnliche Stücke

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Termine der Tanzzeit

Premiere in Greifswald:

22. April, 19.30 Uhr, Hinterbühne (ausverkauft). Weitere Termine:

28. April um 11 Uhr, 29. April um 19.30 Uhr, 23. Mai um 19.30 Uhr,

1. Juni um 19,30 Uhr.

Tickets an der Theaterkasse oder auf

www.theater-vorpommern.de

Aber das schmälert offenbar die Motivation der Tänzer keinesfalls. „Die Kompanie ist absolut motiviert“, sagt Musiker Michio. „Sie brennen dafür“, fügt Choreographin Maura Morales an. Die beiden Künstler, die sonst in Düsseldorf tätig sind, studieren mit den Tänzern ein Stück namens „Blinzeln, Zwinkern und Drehen“ ein.

„Das Paradoxon einer Theatervorstellung, in der der Künstler sein Innenleben nach außen kehrt, während die Blicke des Publikums auf ihm ruhen, das ist der Ausgangspunkt einer Reise, die weniger nach außen gerichtet ist, sondern vielmehr das Publikum zum tiefsten Inneren der Tänzerinnen und Tänzer führt“, umschreibt es Franziska Lüdtke, die am Theater als Dramaturgin und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig ist. „Es geht für die Tänzer um die Frage: Wie bringe ich Persönliches auf die Bühne, das nicht Privates ist“, sagt Michio, der für seine Musik allerlei digitale Technik, aber auch mitunter seltsam anmutende analoge Klangkörper nutzt, etwa Schläuche, Dichtungsringe oder eine Höhensonne.

Ähnlich experimentell geht auch Dirk Specht ans Werk, der die Musik – oder Klangwelten? – zum Stück „I don’t know what the body is“ von Choreographin Vera Sander beisteuert. Die verwendeten Sounds habe er teilweise in Greifswald aufgenommen, erzählt Sander, die sonst in Köln arbeitet. Mit ihrer Aufführung geht sie zunächst den Fragen nach, was der Körper eigentlich ist und ob es den

Körper überhaupt gibt. „Das Stück arbeitet sehr stark mit Gesten“, sagt Sander. „Wann mache ich Dinge automatisch, wann sind es bewusste Bewegungen?“ lautet eine weitere Frage. Zudem steht neben dem üblichen Anspruch der Tänzer, zur Perfektion zu streben, auch der offensive Umgang mit Fehlern im Fokus. In Zeiten, in denen Komplexität vermieden oder brachial vereinfacht wird, in denen Schwarz-Weiß-Denken befördert und vielschichtige Fragestellungen auf ein „Ja oder Nein“ reduziert werden, will Vera Sander einen bewussten Gegenpol setzen – pro Differenzierung und pro Komplexität.

„Da ist Tanz einfach eine Kommunikationsform, die das feiert.“

Kai Lachmann

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