Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Lubmins Theater am Scheideweg?

Lubmin Lubmins Theater am Scheideweg?

Die Laiengruppe braucht einen neuen Stückeschreiber. Die langjährige Autorin Regina Dorn hört auf.

Voriger Artikel
Keine Einigung zu Haustarifen am Theater
Nächster Artikel
Märkte, Musik und zwischendurch ein Glühwein

Aktualisiert und wieder aufgeführt: „De Fischer un siene Fru“, zu sehen auch am Sonnabend und am Sonntag. FOTOS: HELGA LEIBLING

Lubmin. Regina Dorn mag nicht mehr. Zehn Jahre in Folge ersann und schrieb sie ein Stück nach dem anderen: Futter für das Lubminer Generationentheater. Das musste in diesem Jahr erstmals in die Mottenkiste greifen, um seine zur Tradition gewordenen Weihnachtsaufführungen zu bestreiten. „Weil es keine neuen Stücke für uns gab, haben wir zwei aktualisiert, die wir schon 2010 zeigten“, schildert Darstellerin Elfriede Mähl (79). Dass die Autorin der Laienspielgruppe ihren Dienst quittierte, nimmt Mähl ihr nicht übel. „Frau Dorn“, gibt sie zu bedenken, „ist gerade 80 geworden!“

OZ-Bild

Die Laiengruppe braucht einen neuen Stückeschreiber. Die langjährige Autorin Regina Dorn hört auf.

Zur Bildergalerie

„Wir hoffen sehr, dass sie wieder mitmacht“, sagt Irene Franz (73). Schließlich lebe das Generationentheater von seinen Stücken, die bislang fast ausschließlich aus Dorns Feder stammten. Rosi Schacht (73), wie Mähl seit Gründung des Theaters vor nunmehr zehn Jahren dabei, dämpft solche Erwartungen. „Wir brauchen jemand anderen, der uns wie Regina Dorn unentgeltlich kleine, niedliche Geschichten schreibt“, macht sie unumwunden klar. Als ob das nicht schon Anspruch genug wäre, formuliert Elfriede Mähl sogleich einen weiteren: „Derjenige muss sich auch aufs Plattdeutsche verstehen.“ Denn ohne ein plattdeutsches Stück sei bis dato keine Weihnachtsvorstellung des Lubminer Generationentheaters über die Bühne gegangen. „Das Plattdeutsche ist ein großes Zugpferd“, räumt Rosi Schacht ein. Die Leute hörten es zu gern.

Dass „De Fischer un siene Fru“ vor sechs Jahren schon einmal aufgeführt wurde, hat das Publikum 2016 nicht vom Besuch der vorweihnachtlichen Theatervorstellungen abgehalten. Seit dem 16. November traten Lubmins Laiendarsteller viermal auf. Weitere zwei Aufführungen gibt es am Wochenende. „Am Ende werden uns wieder Hunderte zugeschaut haben“, sagt Rosi Schacht. Aus Greifswald und Wolgast kämen Leute inzwischen nach Lubmin, um das Generationentheater spielen zu sehen. „Das lassen wir nicht untergehen!“ sagt Elfriede Mähl. Sollte sich kein schneller Ersatz für Stückeschreiberin Regina Dorn finden, könne man ja vorerst auf die immerhin 24 Geschichten zurückgreifen, die sich mit den Jahren angesammelt haben. „Vielleicht gibt es andernorts eine Laienspielgruppe wie unsere, mit der wir Stücke tauschen können“, sinniert Rosi Schacht.

Die Stücke sind nicht das einzige Problem, vor dem das Lubminer Theater gerade steht. Immer mehr seiner Schauspieler kommen ins Alter. Jüngere rücken kaum nach. Man brauche die 15- bis 50-Jährigen, heißt es. Doch die seien nicht so leicht zu begeistern.

Renate Döring will nicht einfach so abtreten. Trotz ihrer 82 Jahre. „Dabei zu sein“, bekennt die aufgeweckte Frau, „macht mich richtig glücklich!“ Dörings erste Rolle war die einer Französin. In späteren Stücken gab sie die Hexe, eine Trollfrau, des Teufels Großmutter. „Das Theaterspielen“, sagt sie, „war schon immer mein Ding.“ Schauspielerin habe sie werden wollen, damals, als sie noch jung war. Dann aber fehlte ihr die Traute, schlug sie den Aufnahmetest aus.

Bretter, die die Welt bedeuten – im fortgeschrittenen Alter hat Renate Döring sie doch noch betreten. Beherzt und leidenschaftlich geht sie ihre Rollen an. „Hemmungen“, sagt sie, „habe ich keine.“

Auch Irene Franz würde etwas fehlen, käme die Theatergruppe zum Erliegen. Seit nunmehr neun Jahren gibt Franz auf der Lubminer Bühne die Fru Fleddermann. „Die weiß immer, was in ihrer Gegend so passiert. Manche Leute kennen mich nur in dieser Rolle und wissen gar nicht, wie ich richtig heiße. Im Supermarkt wurde ich schon als Fru Fleddermann angesprochen.“

Zehn Jahre agiert das Lubminer Generationentheater mittlerweile. Von der Seebad-Gemeinde gab es dieser Tage deshalb Rosen und eine kleine Zuwendung für jeden Darsteller. Natürlich hoffe man, dass es weitergeht, erklärte Lubmins Bürgermeister Axel Vogt gestern. Als man seinerzeit mit dem Theater begann, dachte man im Seebad über mehr Gemeinschaftliches nach. Projekte sollten helfen, Vorurteile zwischen Alt und Jung abzubauen . Friedel Gentes stand damals einer Arbeitsgruppe vor, die sich sozialen Themen widmete. In Lubmin sah man zeitgleich einem Jubiläum entgegen - 120 Jahre Seebad.

Gentes schlug vor, dafür drei Sketche aufzuführen. Allein, es fehlte jemand, der sie schrieb. Aus dem Lubminer Künstlerstammtisch kam damals der Hinweis auf Regina Dorn. Sie hatte sich schon zur DDR-Zeit in einem Zirkel Schreibender Arbeiter an Theaterstücken versucht.

Ein Projekt von vielen

Gut 30 Lubminer spielen in diesem Jahr Theater. Sie geben insgesamt sechs Vorstellungen in der Vorweihnachtszeit. Die beiden letzten sind am Sonnabend und am Sonntag, jeweils ab 18 Uhr im Lubminer Seebadzentrum zu sehen.

Das Lubminer Generationentheater erfährt viel Unterstützung von Einheimischen. Thomas und Ute Panzig etwa, Betreiber eines Druckhauses in Greifswald, sponsern seit Jahren Flyer und Plakate für die Vorstellungen. Der Lubminer Malerbetrieb Benter stellt kostenlos Farbe für die Bühnenbilder.

Sven Jeske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Theater
Jens Harzer (l) als Hauke Haien und Barbara Nüsse als Trin Jans.

Kaum eine literarische Figur ist so in das Bewusstsein der Norddeutschen eingegangen wie Theodor Storms „Schimmelreiter“. Eher verhaltenen Beifall gibt es aber am Hamburger Thalia Theater für Johan Simons' Bühnenversion.

mehr
Mehr aus Theater Vorpommern
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.