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Theaterführung für Blinde: Ich höre was, was Du sonst siehst

Greifswald Theaterführung für Blinde: Ich höre was, was Du sonst siehst

Erstmals führte das Theater eine Gruppe von Sehbehinderten durchs Haus

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Zuallererst ging es für die Sehbehinderten und ihre Angehörigen in den Vorstellungsraum des Theaters.

Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswald. „Möpse“, ruft der blinde Ralf Sperling lachend und erheitert damit die ganze Gruppe. Mit Sonnenbrille steht der 56-Jährige vor einem „Fat Suite“, einem Anzug, den Schauspielerinnen nutzen, um sich dicker zu machen. Zusammen mit 20 weiteren Mitgliedern des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins MV nimmt Sperling an einer Führung für Sehbehinderte im Theater Vorpommern in Greifswald teil.

Angebot für Blinde

Für Blinde und Sehbehinderte gibt es im Theater Vorpommern ermäßigte Karten. Ist eine Begleitperson erforderlich, erhält sie eine Freikarte. Außerdem können Blinde und Sehbehinderte gern mitteilen, dass ein Theatermitarbeiter sie bis zum Platz begleiten möge. Wer mag, kann auch eine detaillierte Beschreibung des Bühnenbildes bekommen.

Frederike Steinbrückner war an der Planung dieses neuen Angebots beteiligt. „Wenn man überlegt, was für einen Blinden erfahrbar ist, entdeckt man viel Neues im Haus“, erzählt die 19-Jährige, die zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater absolviert.

Zunächst ging es für die Gruppe in den Vorstellungsraum. „Bitte einmal klatschen“, rief Frederike Steinbrückner hier. Durch den Widerhall konnten sich die Blinden und Sehbehinderten eine Vorstellung von der Größe des Raumes machen. Im Anschluss wurden sie hinter die Kulissen des Theaters geführt. „Wir haben versucht, so viel wie möglich haptisch begreifbar zu machen“, erklärt Frederike Steinbrückner: egal, ob in der Hutmacherei, der Maske oder bei den Kostümbildnern.

Für Spannung sorgte unter anderem eine Wolfsmaske. „Wir wollten unbedingt erraten, um welches Tier es sich handelt, auch wenn es ganz schön gedauert hat“, erzählt Klaus Flader. Der sehbehinderte 75-Jährige nahm zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Frau an der Führung teil. Trotz seiner Behinderung ist Flader begeisterter Theatergänger. Er geht vor allem in Musicals oder Konzerte, hin und wieder sogar ins Schauspiel. „Als Begleitung kann man auch mal etwas ins Ohr flüstern“, erklärt seine nicht blinde Frau Ursula Flader.

Die verschiedenen Stoffe und Materialien, die bildlichen Erklärungen der Theatermitglieder und immer wieder besondere Gegenstände wie die Wolfsmaske oder der „Fat Suit“ machten den Rundgang für die Gruppe zu einem Erlebnis. „Wir fanden es wunderbar“, erzählt Norbert Witte. Der sehbehinderte 68-Jährige war zusammen mit seiner Frau Edith gekommen. „Ich denke, dass das heute eine gegenseitige Bereicherung war. Wichtig ist, dass man ohne Angst an so etwas heran geht“, sagt er. Als Blinder mache man einfach mehr über das Gehör und den Tastsinn. „Auf diese Weise nimmt man die Welt allerdings auch sehr intensiv wahr“, erklärt er.

Auch der Initiator und Vorsitzende des Blindenvereins, Bernd Uhlig, war begeistert:„Es war wirklich toll. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so detailliert auf uns vorbereitet.“ Sehr schnell habe das Theater auf seine Anfrage reagiert. „Das hat mich überrascht und sehr gefreut“, sagt er.

Dass es so schnell ging, ist auch das Verdienst von Hans Heuer. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit hat es sich zum Ziel gemacht, Theater für jeden erlebbar zu machen. „Ich bin sehr froh, dass das heute geklappt hat. Wir hatten schon länger Sehbehindertenvereine angeschrieben“, sagt er und hofft, dass sich nun weitere Vereine melden. „Wir bieten auch an, Sehbehinderte vor einer Aufführung in den Saal zu lassen und ihnen detailliert das Bühnenbild zu beschreiben.“

Besonders überrascht zeigte sich der 59-Jährige über das Tempo der Führung:„Wir hatten damit gerechnet, dass alles etwa doppelt solange dauert wie bei einer regulären Führung. Die Damen und Herren haben aber so ein gutes Tempo vorgelegt, dass wir fast in Regulärzeit fertig wurden.“

Max Hübner

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