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Verliert Greifswald das Landesarchiv?

Greifswald Verliert Greifswald das Landesarchiv?

Stralsund bietet an, das „Pommersche Gedächtnis“ zu übernehmen / OB Fassbinder sperrt sich gegen Weggang

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Das Landesarchiv-Gebäude in Greifswald: Das hier verwahrte Pommersche Archivgut könnte künftig in Stralsund gelagert werden.

Quelle: Stefan Sauer

Greifswald. Die historischen Akten zur Pommerngeschichte sollen im östlichen Landesteil bleiben. Allerdings plant das Kultusministerium dafür eigenen Angaben zufolge keinen Neubau des Landesarchivs Greifswald. Eher steht dem Pommerschen Archivgut ein Umzug nach Stralsund bevor.

Wie das Kultusministerium mitteilte, gibt es ein entsprechendes Angebot der nördlichen Nachbarstadt. Demnach würde Stralsund im Zusammenhang mit dem gegenwärtig betriebenen Neubau für das Stadtarchiv Stralsund zusätzlich 400 Quadratmeter Magazinfläche schaffen und dem Land zur Nutzung gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Diese Fläche würde nach Angaben des Ministeriums für die Unterbringung der nach Stralsund zu verlagernden Greifswalder Archivalien benötigt.

Von der Stadt Greifswald – dem aktuellen Standort des Landesarchivs – sei ein der Stadt Stralsund vergleichbares Angebot kaum noch zu erwarten, hieß es weiter aus Schwerin. Als Begründung nannte das Ministerium die inzwischen in Greifswald weit fortgeschrittenen Planungen für sein neues Stadtarchiv. Greifswald will Ende 2017 mit den Bauarbeiten des sechs Millionen Euro teuren Neubaus beginnen.

Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) reagierte fassungslos. „Ich erwarte, dass die Quellen zur regionalen Geschichte weiterhin in Greifwald bleiben“, sagte Fassbinder. Stralsund bestätigte, auf Anfrage des Ministeriums ein positives Votum abgegeben zu haben, das Pommernarchiv von Greifswald zu übernehmen.

Allerdings: „Die Unterbringung des Landesarchivs wäre nur durch einen zusätzlichen Bau zu realisieren, dessen Finanzierung das Land übernimmt“, sagte ein Sprecher des Stralsunder Rathauses. Stralsund plant derzeit ein Zentraldepot für das neue Stadtarchiv. Dieser Neubau sei bereits mit den Stralsunder Beständen einschließlich einer Zuwachsreserve für die nächsten Jahre ausgelastet. Das vom Land favorisierte Mietmodell wäre damit inakzeptabel.

Die Unterbringungsmöglichkeiten im derzeitigen Landesarchiv-Gebäude in Greifswald sind schlecht. Das als Kaserne gebaute Haus sei von vornherein – also bereits beginnend mit der Erstnutzung vor etwa 70 Jahren – als Archiv nicht geeignet gewesen, hieß es aus dem Ministerium. Nach Protest aus Vorpommern hatte Schwerin Pläne, die Pommern-Akten in das Landesarchiv nach Mecklenburg zu verlagern, fallen gelassen.

Spekuliert wird nun, ob das bis gestern vom SPD-Politiker Mathias Brodkorb geführte Ministerium beide Städte mit den neuen Planungen gegeneinander ausspielen will. Greifswald will den Weggang nicht hinnehmen, zumal die Stadt ebenfalls eine Anfrage des Ministeriums positiv beantwortet habe, wie Fassbinder betonte. „Wir haben aber seit etwa zwei Jahren nichts mehr aus dem Ministerium gehört.“

Nach der Verlagerung des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte von der Greifswalder Uni nach Rostock und dem Aus für den Lehrstuhl für pommersche Landesgeschichte wäre eine Aufgabe des Archivstandortes Greifswald durch das Land ein weiterer Verlust, sagte Fassbinder.

Was lagert in dem Archiv?

40 000 Karten, Pläne und Risse , mehr als 10000 historische Urkunden und 8500 Meter Akten und Handschriften sind im Landesarchiv aufbewahrt. Aus konservatorischen Gründen sind zwei Bestände, rund 105 laufenden Meter, für die Benutzung gesperrt, davon seien rund 20 Prozent geschädigt. Betroffen davon sind die Akten der Schwedischen Regierung und der hinterpommerschen Staatskanzlei.

Martina Rathke

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