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Von Eldena bis nach Sanssouci

Greifswald Von Eldena bis nach Sanssouci

Ferdinand Jühlke war einer der bedeutendsten Gärtner des 19. Jahrhunderts

Greifswald. Ferdinand Jühlke wirkte 27 Jahre als Königlicher Hofgärtner in Sanssouci und hat unter anderem den Schlosspark Oranienburg entworfen. Der gebürtige Barther war der erste Gartenbaulehrer an der Staats- und Landwirtschaftlichen Akademie in Eldena. „Dem ersten gärtnerischen Lehrstuhl in Deutschland“, sagt der Direktor des Barther Vineta-Museums, Gerd Albrecht.

 

OZ-Bild

Bericht über die Eldenaer Fruchtausstellung1845. Repro: Museum Barth

Quelle:

Jühlke hat sich für alte Sorten engagiert.“Gerd-Helge Vogel, Autor

Er ist Herausgeber des Buches von Gerd-Helge Vogel „Vom Pommerschen Krummstiel bis Sanssouci. Ferdinand Jühlke (1815 bis 1893). Ein Leben für den Garten(bau)“. Es ist im Ludwig-Verlag erschienen.

Jühlke hat den im Titel genannten Pommerschen Krummstiel als Erster beschrieben und als bevorzugte Apfelsorte für den Anbau in unserer Region empfohlen, denn er passe ideal zu den hiesigen Anbaubedingungen.

Das informative und ausgezeichnet bebilderte Buch wurde für eine Ausstellung in Barth erarbeitet. Jühlke kam als 15-Jähriger 1830 als Lehrling zum Botanischen Garten der Uni. Der befand sich zwischen südlicher Stadtmauer und dem Standort des heutigen Hauptgebäudes. 1829 war diese Fläche um die wegen mangelnder Rentabilität aufgegebene Obstbaumschule im Wallgraben erweitert worden.

1834 wurde Ferdinand Jühlke akademischer Gärtner und Gartenbaulehrer an der Akademie in Eldena. Vier Jahre später kam Otto von Bismarck zur Ableistung seines Militärdienstes beim hiesigen Jägerbataillon nach Greifswald und hat in dieser Zeit die Akademie in Eldena einige Male besucht. Jühlkes Enkel Wilhelm Haberecht schreibt in seinen Erinnerungen über die damals entstandene Männerfreundschaft: „In jener Zeit ist Bismarck als angehender praktischer Landwirt dort wohl studienhalber selbst ein Semester gewesen. Später hat Großpapa den Fürsten bei der Schaffung gärtnerischer Anlagen in seinen Besitzungen beraten.“

1843/44 wurde Jühlke mit der Errichtung eines Lehrstuhls für Gartenbaulehre in Eldena beauftragt. Vogel weist darauf hin, dass Jühlke sich sehr für die Verbreitung neuester gartenbaulicher Erkenntnisse engagierte, unter anderem in dem von ihm mitbegründeten Gartenbauverein für Neuvorpommern und Rügen. Beispielsweise wurden Fruchtausstellungen organisiert, die erste 1845 in Eldena. Fünf Jahre später konnten die Teilnehmer der 27. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in den Ruinen des Klosters Eldena eine Frucht- und Blumenausstellung bewundern. In Zelten wurden beispielsweise „die schönen Obstsortimente von Boltenhagen, Carlsburg, Eldena, Ludwigsburg auf Moosterassen arrangiert und die von Herrn Plath in Wampen mit viel Mühe aus Georginen, Rosen, Pensee etc. gewundene Blumenkrone aufgestellt“, hieß es in der „Illustrirten Zeitung“. Auch Kakteen konnten bewundert werden. Zur 400-Jahr-Feier der Greifswalder Universität 1856 gab es eine große Blumen- und Fruchtausstellung, die sich auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. anschaute.

Sein Anspruch war eine „nach ästhetisch-künstlerischen Kriterien und mit hedonistischen Absichten verbundene Agrikultur“. Jühlke führte in Eldena umfangreiche Versuche zur Bestimmung optimaler Wachstumsbedingungen durch. 1858 empfahl er neben dem erwähnten Pommerschen Krummstiel 24 weitere Apfelsorten und 20 Birnensorten für den Anbau.

Jühlke engagierte sich ferner für die Pflanzung von Obstbäumen in Landschaftsgärten. Auch sie ließen sich wunderbar in die Gestaltung solcher Anlagen einbeziehen, meinte er.

1858 ging Jühlke als Handelsgärtner nach Erfurt. Acht Jahre später wurde er Hofgartendirektor in Potsdam.

Gerd-Helge Vogel, Gerd Albrecht (Herausgeber): „Vom Pommerschen Krummstiel nach Sanssouci. Ferdinand Jühlke (1815 bis 1893). Ein Leben für den Gartenbau“, ISBN 978-3-86935-266-4, 29,80 Euro.

Eckhard Oberdörfer

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