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Weltstar kommt zum Nordischen Klang

Greifswald Weltstar kommt zum Nordischen Klang

Der Finne Kimmo Pohjonen liefert spektakuläre Show / Ticketverkauf für Festival beginnt

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Gut 80 Prozent unserer Veranstaltungen sind immer ausverkauft.Prof. Joachim Schiedermair, Festivalleiter

Greifswald. Künstler aus Nordeuropa geben sich in Greifswald seit mittlerweile 26 Jahren ein Stelldichein. Vom 4. bis 14. Mai ist es wieder soweit: Mit über 40 Veranstaltungen, darunter Konzerte, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Filme, ist das Spektrum des Kulturfestivals „Nordischer Klang“ traditionell sehr breit gefächert. Die Akteure kommen aus Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Norwegen, Schweden und von den Färöer-Inseln.

 

OZ-Bild

Der Finne Kimmo Pohjonen wird am 11. Mai im Theater gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Inka (Gitarre) und Saana (Schlagzeug) zum Festival „Nordischer Klang“ eine spektakuläre Licht- und Soundshow aufführen.

Quelle: Foto: Agentur

„Obwohl uns im vorigen Jahr wegen der Jubiläumsveranstaltung ein weitaus größeres Budget zur Verfügung stand, ist es uns trotzdem wieder gelungen, ein großartiges Line-up auf die Beine zu stellen“, sagt Festivalleiter Professor Joachim Schiedermair. Das Programm steht so früh wie noch nie. Deshalb können passionierte Festivalfreunde ab sofort Tickets erwerben – erstmals auch online. Die Macher sind sich sicher, dass diese Neuerung gut ankommt, denn das Programm findet alljährlich mit etwa 8000 Besuchern seine Fans: „Gut 80 Prozent unserer Veranstaltungen sind immer ausverkauft, weitere 15 Prozent sehr gut besucht“, verdeutlicht Schiedermair.

Auch der künstlerische Leiter Frithjof Strauß ist glücklich: „Nach vierjährigem Versuch haben wir es endlich geschafft, Kimmo Pohjonen zu gewinnen.“ Der exzentrische Multimusiker, der das Akkordeonspielen durch das Beimischen von Elektroniksounds revolutionierte, werde gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Inka (Gitarre) und Saana (Schlagzeug) eine spektakuläre Licht- und Soundshow aufführen. Aus den europäischen „World Music Charts“ sei der Finne nicht mehr wegzudenken, berichten Hanna Herrmann und Julia Pierau vom Festivalteam. Damit schwimme er auf einer Erfolgswelle, die auch seine Landsleute im Vokalquartett „Tuuletar“ erfasst habe. Die vier schrillen Sängerinnen haben mit ihrem „Folk Beat Boxing“ in der Kategorie Folk- und Weltmusik gerade den Emma- Preis gewonnen, die höchste musikalische Auszeichnung Finnlands.

Schweden hat übrigens in diesem Jahr die Schirmherrschaft des Festivals übernommen. Das spiegeln zwei Konzerte wider: Das Philharmonische Orchester Vorpommern unter der Leitung von Golo Berg gibt am ersten Eröffnungstag einen schwedischen Konzertabend. Hugo Alfvéns beliebte „Schwedische Rhapsodie“, Benjamin Staerns „Worried Souls“ für Klarinette mit Karin Dornbusch als Solistin und die Deutschlandpremiere von Cennet Jönssons „Scanian Suite“, eine Hommage an die Schönheit Südschwedens, stehen auf dem Programm. „Alle Beteiligten sind Garanten für eine Spitzenqualität und die Mischung aus Klassik und Jazz bietet Assoziationen in alle Richtungen“, schwärmt Joachim Schiedermair.

Sein absoluter Favorit ist allerdings die „Monday Night Big Band“mit Mimi Terris. „Die von ihr geschriebenen Songs sind so eingängig – manche schwungvoll, manche anrührend – dass sie bereits jetzt wie Standards klingen. Und eine Big Band liefert einen Sound, den man nur lieben kann“, schwärmt der Festivalleiter.

Mit einer „musikhistorischen Sensation“ ende der „Nordische Klang“ schließlich: die deutsche Erstaufführung von Fredrik Pacius‘ in Finnland geschriebenem Violinkonzert in fis-Moll, aufgeführt vom Unisinfonieorchester unter Leitung von Harald Braun mit dem Solisten Mika Seifert. Daneben erklingen Werke von Kuhlau und Kraus.

Für das Abschlussfest im St. Spiritus sollten sich Liebhaber des Festivals unbedingt rechtzeitig Tickets besorgen. Der Abend gehört ebenfalls zu den persönlichen Höhepunkten von Joachim Schiedermair:

Zum einen, weil immer eine super Stimmung herrscht, zum anderen, weil wir mit Curly Strings aus Estland und Miss Tati aus Norwegen zwei Pop-Acts liefern, die in die Beine gehen. „Still sitzen ist unmöglich“, versichert er.

www.nordischerklang.de  

Förderung eines Projekts löst Kritik aus

Das Festival „Nordischer Klang“ beteiligt sich im Mai mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Rechtspopulismus in Nordeuropa“ an der Europawoche. Für dieses Projekt erhält der Kulturverein 1000 Euro aus Mitteln zur „Förderung des Europagedankens und der europäischen Integration“, teilt das Innenministerium MV mit.

Das stößt bei der Alternative für Deutschland (AfD) auf Kritik. „Die Landesregierung verplempert das hart erarbeitete Geld der Bürger für den Kampf gegen angeblich rechtspopulistische Parteien. Es ist völlig klar, dass hier Steuermittel zum Kampf gegen die AfD und andere europäische Parteien ausgegeben werden sollen“, sagt Vizefraktionschef Holger Arppe. Damit betreibe Innenminister Lorenz Caffier (CDU) indirekt Wahlkampf mit öffentlichen Geldern. Die AfD fordere die Landesregierung auf, „die Zusage unverzüglich zurückzunehmen“.

Das Ministerium indes steht dazu. „Das Thema ist sehr aktuell, da rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch sind. Sie versuchen der Bevölkerung einzureden, dass komplexe politische Fragen mit einfachen Antworten zu lösen sind“, so Caffier. Das Ministerium begrüße die Veranstaltung, „die sich mit der Frage auseinandersetzt, wie sehr sich das politische Europa in Richtung rechter Rand entwickelt, ausdrücklich“, heißt es. Offenbar könne oder wolle die AfD Sinn und Zweck der von der Uni Greifswald mitorganisierten Diskussionsrunde nicht verstehen.

Wie Festivalleiter Joachim Schiedermair erklärt, werde auf der Podiumsdiskussion unter Leitung der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller und Hubertus Buchstein diskutiert, „welche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen Rechtspopulismus befördern“. Anders als Arppe unterstelle, habe die Veranstaltung kein parteipolitisches Ziel. „Diskutiert werden gesellschaftliche Stimmungslagen, ihre Gründe und Auswirkungen auf den politischen Wettbewerb, in dem alle Parteien stehen“, so Schiedermair. Da in den nordischen Ländern der Rechtspopulismus beachtliche Erfolge feiere, plane das Festival seit langem, der Öffentlichkeit einen Einblick in die aktuelle politikwissenschaftliche Forschung zu diesem Thema zu bieten. Die Förderung mache dies nun möglich.

ph

Petra Hase

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