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Wertvolles Schloss wird wieder aufgebaut

Quilow Wertvolles Schloss wird wieder aufgebaut

Für das Ensemble in Quilow bei Anklam will das Land 3,7 Millionen Euro bereitstellen

Quilow. Eines der wertvollsten Schlösser Vorpommerns hat nach über zwei Jahrzehnten Leerstand, großteils verfehlter Sanierungsbemühungen und Verfall eine gute Zukunft. Im August 2019 soll der Renaissancebau als ein zentraler Anlaufpunkt des Tourismus nördlich der Peene sein neues Leben beginnen, informiert Uwe Eichler (42), Vorsitzender des Fördervereins der „Stiftung Kulturerbe“. Die Stiftung hatte Schloss und Verwalterhaus 2007 für einen symbolischen Preis von der Gemeinde Groß Polzin erworben. Ihr gehörte das Gebäude seit der Bodenreform 1945. „Unsere Planungen sind sehr weit fortgeschritten“, ist Eichler optimistisch. Das Haus ist dem im Nordischen Krieg zerstörten Wolgaster Schloss der Pommernherzöge sehr ähnlich. Man könne schon von einer kleineren Kopie sprechen, sagt Eichlers Lebensgefährte Dirk Lagall (42). Beide engagieren sich ehrenamtlich für die Sanierung und die spätere Betreibung. Lagall arbeitet als Sonderpädagoge in Anklam.

 

OZ-Bild

Dirk Lagall (links) und Uwe Eichler vor dem Quilower Schloss auf der in der DDR nicht gerade sachgerecht sanierten Rückseite.

Quelle: Foto: Eckhard Oberdörfer

Die denkmalgerechte Wiederherstellung soll 4,2 Millionen Euro kosten. Den größten Teil stellt das Land zur Verfügung (3,7 Millionen). Auch der Bund und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligen sich. Vorgesehen ist eine gemischte Nutzung für Tourismus, Bildung und Kultur. „Das Haus wird die Basisstation für den Tourismus auf der Nordseite des Naturparks Peenetal“, sagt Eichler. Der frühere Festsaal im zweiten Obergeschoss wird wiederhergestellt.

Eichler und Lagall wohnen im Verwaltungshaus. 2012 zogen der Schauspieler Eichler und der Lehrer Lagall aus Berlin aufs Dorf in das ebenfalls sanierungsbedürftige Verwalterhaus. „Wir haben 2011 ein Haus im Grünen gesucht“, erzählen sie. Durch Vermittlung des Kreises kamen sie nach Quilow und arbeiteten an einem Exposé für die künftige Nutzung.

Mit dem Aufbau einer freien Bühne haben die aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland stammenden Männer in der Hauptstadt Erfahrungen im Kulturbetrieb gesammelt. „Die Quilower haben uns sehr gut aufgenommen und von Anfang an geholfen“, erzählt Eichler.

Das Haus ist nach dem Urteil aller Experten die Mühe wert. Bauherr des spätestens 1578 fertig gestellten Schlosses war Roleff von Owstin. Die Familie stand dem herzoglich-pommerschen Hof nahe.

Roleffs 1559 geborener Sohn Christoph von Owstin war Landrat. 1606 wurde er Vormund des noch minderjährigen Wolgaster Herzogs Philipp Julius.

Zur Erbauungszeit war das Quilower Schloss von einem Wassergraben umgeben. Die Anfang des 17. Jahrhunderts aufgestockten Zwerchhäuser über der Südfassade waren seinerzeit auf herrschaftlichen Gebäuden weit verbreitet. „Es sind die letzten erhaltenen Zwerchhäuser dieser Zeit in Vorpommern“, sagt Lagall. Sogar originaler Putz ist noch vorhanden. Auch im Innern gibt es interessante Details.

Dazu gehören Reste der Ausmalung des Speisesaals mit italienischen Landschaften aus dem Jahre 1803. Durch Heirat ging das Schloss 1858 in den Besitz der Familie von Ploetz aus Hinterpommern über, deren Wappen im Obergeschoss der Greifswalder Gaststätte Marimar bewundert werden kann. Als Besitzer von Quilow und Vitense saß die Familie im Greifswalder Kreistag. Auf die Familie von Ploetz gehen die vielen Backsteinbauten des 19. Jahrhunderts im Dorf wie Kirche, Schule, Ställe, Schrotmühle, Feuerwache, Verwalterhaus und Landarbeiterhäuser zurück. Der letzte von Ploetz, Claus, ließ 1920 das Innere umgestalten. Auch daran erinnern erhaltene Reste.

In DDR-Zeiten wurden im Schloss Wohnungen, ein Sportraum für die örtliche Grundschule, eine Gaststätte und ein Kindergarten eingerichtet. Im Verwalterhaus befanden sich ebenfalls Wohnungen und das Gemeindebüro. In der DDR liefen ebenfalls Restaurierungsmaßnahmen. „Das kann man auf der Rückseite sehen“, erzählt Lagall. In den 1960er Jahren wurde der Westgiebel heruntergenommen und nach dem Vorbild des Ostgiebels verändert.

Stiftung Kulturerbe

Dem Schutz ländlicher Kulturgüter in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die im Juni 2005 in Dahmen (Kreis Güstrow) gegründete Stiftung „Kulturerbe im ländlichen Raum“ zum Ziel gesetzt. Zu den Schwerpunkten werde die Rettung der vom Verfall bedrohten Gutsanlagen gehören. Die Projekte werden durch Spenden und Zinsen des Stiftungskapitals finanziert. Ein wissenschaftlicher Beirat empfiehlt der Stiftung vorrangige Projekte. Auch die Beratung von privaten und öffentlichen Eigentümern zu Fragen der Nutzung, der Pflege und des Erhalts gehört zu den Zielen der Stiftung.

Schon bei der Gründung 2005 kündigte die Stiftung an, das Wasserschloss Quilow zu erwerben und schrittweise zu sanieren. Sitz der Stiftung ist seit 2016 Quilow.

Eckhard Oberdörfer

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