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Greifswald Länger zusammen als manches Ehepaar
Vorpommern Greifswald Länger zusammen als manches Ehepaar
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00:00 25.09.2018
Greifswald

Ende nächsten Monats ist Feierabend für die Landrätin von der Linkspartei und ihren Fahrer aus Wrangelsburg. Damit gehen 17 gemeinsame Arbeitsjahre zu Ende. Eine solche Trennung darf durchaus mit etwas Sentimentalität daherkommen. Und das, obwohl der Stress mitunter groß war. Ein wirklich böses Wort sei zwischen ihnen aber nie gefallen, versichern Barbara Syrbe und Roland Juds im OZ-Interview.

Waren fast täglich zusammen unterwegs: Landrätin Barbara Syrbe (63) und ihr Chauffeur Roland Juds (54). Quelle: Foto: Steffen Adler

Herr Juds, wie viele Kilometer Dienstfahrten kommen denn auf den Tachos Ihrer Dienstwagen zwischen 2001 und 2018 zusammen?

Juds: Pro Jahr rund 40 000 Kilometer. Wenn Sie so wollen, sind wir damit jetzt von der Fahrt zum Mond wieder zurück zur Erde. In etwa jedenfalls.

Sie waren gewissermaßen 17 Jahre lang beinahe täglich ein „Paar“ auf engstem Raum. Wie lief das so ab?

Syrbe: Absolut harmonisch. Wir haben es ja viel länger miteinander ohne Streit und gleich gar nicht Trennung ausgehalten als manches Ehepaar. Das sagt doch alles, oder?

Juds: Tatsächlich waren wir, wenn man kurze Krankheiten und den Urlaub abzieht, fast täglich zusammen, viele Jahre auch an den Wochenenden, an Feiertagen und in den späten Abendstunden, um an Terminen teilzunehmen. Eine lange Zeit, die wie im Fluge vergangen ist.

Was war Herr Juds denn für ein Kraftfahrer?

Syrbe: Ein sehr guter. Ich habe mich in keinem Moment unsicher gefühlt, nicht im Dunkeln und nicht bei Glatteis. Er war immer zuverlässig, absolut pünktlich und stand stets bereit, mich auf die Minute wieder abzuholen.

Und was war Barbara Syrbe für eine Beifahrerin?

Juds: Eine sehr angenehme, unkomplizierte. Klar musste sie sich zunächst erst an meine vielleicht etwas rasante Fahrweise gewöhnen, hat anfangs auf dem Beifahrersitz „mitgebremst“, aber das ging schnell vorüber. Dann konnte sie entspannt mitfahren und auch gern mal einen Kurzschlaf zwischen anstrengenden Beratungen einlegen.

Man hört, dass Sie als einer von wenigen Männern sagen dürfen: Die Landrätin hat neben mir geschlafen. . .

Juds (lachend): Das stimmt wohl.

Syrbe: Wahr ist auch, dass wir beide wunderbar stundenlang im Wagen schweigen konnten. Das kann auch mal sehr gut tun und fürs Nachdenken vorteilhaft sein.

Wenn Sie nicht geschwiegen haben, worum drehten sich dann die Vier-Augen-Gespräche?

Syrbe: Um nahezu alle Themen, die einen Menschen heutzutage so bewegen, auch ein bisschen Privates natürlich, Sorgen und Freuden zu Hause, aber auch Weltanschauung, Wirtschaft und Politik.

Juds: Das heißt aber nicht, dass wir gerade im Politischen immer zu 100 Prozent auf einer Wellenlänge lagen.

Wie oft haben Sie sich trotz Navi, Kartenstudium und Fahrvorbereitung verfahren?

Juds: Eigentlich nur einmal in Brüssel, da waren Straßennamen in verschiedenen Stadtteilen doppelt vergeben, Kann passieren. Wir kamen etwas zu spät, aber alles lag im Limit.

Man hört gelegentlich, dass zwischen Kraftfahrern von Amtspersonen gestritten wird, ob BMW, Mercedes-Benz oder Audi die bessere Marke ist. Was meinen Sie?

Juds: Da kann ich nicht mitreden. Wir sind immer nur Audi gefahren wegen der vorteilhaften Leasingbedingungen für die Behörde und waren immer sehr zufrieden. Eigentlich stets das neueste Modell eines A 6, seit kurzem nun einen A 7. Der ist noch einen Tick sportlicher.

Ist er komfortabel genug für Sie, schließlich dürften sie fast zwei Meter groß sein?

Juds: 1,92 Meter korrekt. Mit Mütze passe ich ich nicht ins Auto. Aber ich trage ja auch keine. Einen Schlips hatte ich übrigens auch nur bei ganz speziellen Anlässen um. Und das war selten.

Erinnern Sie sich an eine ganz besonders rasante Tour?

Syrbe: Aber ja, Zum einen sind wir mal von Schwerin Innenstadt zu einem wichtigen Sparkassentermin in Vorpommern in 70 Minuten gefahren. Und dann durften wir mal einem Blaulichtkorso der Polizei durch den Stau bei Anklam und auf Usedom folgen. Das war abenteuerlich wegen der engen Gassen zwischen den bremsenden und ausweichenden Fahrzeugen. Wir brauchten trotz üblichem Sommerchaos auf den Insel- und Umlandstraßen von Anklam bis Trassenheide gut 20 Minuten.

Wie haben Sie sich die Zeit auf langen Strecken versüßt?

Syrbe: Lesen kann ich im Wagen nicht, da wird mir übel. Aber am Telefon kann man viele dienstliche Aufgaben vom Auto aus erledigen. Auch Hörbücher mag ich, aber mehr bei Privatfahrten.

Juds: ich habe am liebsten Radio gehört, vor allem auch wegen der Wetterangaben und des Verkehrsfunks.

Was taten Sie, wenn ausnahmsweise mal keine Fahrt auf der Agenda stand?

Juds: Man findet immer Beschäftigung: Wagenpflege, Fahrvorbereitung, Navi-Einstellung. Zwischen den Fahrten und um das Warten abzukürzen, durfte ich übrigens auch mal Fernsehen schauen im Wagen. Technisch ist ja heute nahezu alles möglich.

Haben Sie irgendwann auch mal die Plätze getauscht?

Syrbe: Tatsächlich, einmal. Wir kamen von einer Feier im Privaten, in Belgien. Da durfte Roland Juds mal ein Bier zischen und ich bin gefahren. Aber nur eine kurze Strecke.

Unfallfrei!

Welche Vorlieben haben Sie privat in Sachen Auto fahren?

Syrbe: Ich mag es gern groß, zügig und vor allem komfortabel, das gebe ich zu, fahre jetzt einen Renault Talisman, eine schöne Limousine, ähnlich einem VW Passat,

Juds: Ich stehe privat eher auf SUV, fahre Range Rover.

Wie sehen Ihre privaten Pläne ab November aus, fällt Ihnen die Trennung voneinander und vor allem das dienstliche Aus schwer?

Syrbe: Mir ja, sogar sehr. Ich weiß noch nicht so genau, wie es weitergehen wird, bin noch auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung.

Juds: Mir nicht, ich habe eine Menge vor. Vor allem will ich mich ganz der Pflege meines schwer behinderten Sohnes widmen.

Interview: Steffen Adler

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