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Greifswald Kleine Häfen haben’s schwer
Vorpommern Greifswald Kleine Häfen haben’s schwer
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11:46 14.02.2019
Der Wolgaster Hafen verzeichnete ein gutes Jahr, konnte seinen Umschlag wieder steigern. Quelle: Tilo Wallrodt
Vorpommern

Die neun vorpommerschen Häfen gelten in unserer Region als Kernelement der maritimen Wirtschaft. Mit dem Seeverkehr und der Hafenwirtschaft stellen sie laut Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern (WFG), eine wichtige Schnittstelle zwischen Produktion, Logistik und Vertrieb dar. „Deshalb möchten wir auch in Zukunft möglichst alle Hafenstandorte erhalten“, sagt er. Wenngleich die Umschlagzahlen im Vergleich mit anderen eher gering ausfallen und „eine deutliche Dynamik in den vergangenen Jahren nicht zu erkennen ist. Das Geschäft“, so Kammann, „schwankt von Jahr zu Jahr.“

Allein der Port Rostock im Mecklenburg sei den Vorpommern mit rund 27,5 Millionen Tonnen (Quelle: Infrastrukturministerium) im vorigen Jahr um Längen voraus. Dagegen nehme Greifswald-Ladebow mit 144700 Tonnen eine bescheidene Position ein. Selbst der Mukran-Port sei mit 2,27 Millionen Tonnen noch keine Größe im weltweiten Geschäft, blicke man einmal über den Tellerrand: „Hamburg etwa verzeichnet im Jahr 136 Millionen Tonnen Umschlag“, verdeutlicht Kammann. Alle Häfen in MV zusammen verzeichneten 2018 laut Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung knapp 35 Millionen Tonnen seeseitigen Umschlag und damit eine Million Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Minister Christian Pegel (SPD) wertet das Ergebnis dennoch als positiv, zumal die Häfen in Vorpommern Zuwächse verbuchten.

Hafen Wolgast verbucht ein gutes Jahr

Der Hafen Wolgast etwa verzeichnete ein gutes Jahr, überschritt nach zwei eher schlechten Perioden die 200000-Tonnen-Marke. Insgesamt stünden 212000 Tonnen auf der Haben-Seite, „etwa 28 Prozent mehr als im Vorjahr“, heißt es aus Schwerin. Offenbar zahlt sich auch die vor gut einem Jahr geschlossene Kooperation mit Vierow aus.

Ein Frachter wird im Stralsunder Hafen mit Gütern beladen. Quelle: OZ

Der Seehafen Stralsund konnte mit 1,15 Millionen Tonnen seeseitigem Umschlag sogar sein bestes Ergebnis seit sechs Jahren einfahren. Ursachen dafür waren vor allem eine gestiegene Nachfrage beim Umschlag von Baustoffen, Gips sowie Blechen und Profilstäben. „Positiv wirkt sich auch die Gleisanbindung des Frankenhafens aus, die Ende September 2018 in Betrieb genommen wurde. Mit der Anbindung des Hafenareals an das überregionale Bahnnetz und weiterer geplanter Modernisierungen wird die Bedeutung des Hafens als attraktives maritimes Gewerbegebiet weiter zunehmen“, ist Minister Pegel überzeugt. Stralsunds Hafenchef Sören Jurrat indes legt Wert darauf, dass die Zahl der bewegten Tonnagen viel höher ausfalle als der seeseitige Umschlag: „Für uns ist genau so wichtig, was logistisch an Land passiert. Deshalb wird 2018 mit 2,15 Millionen Tonnen umgeschlagener Güter in die Geschichte des Hafens eingehen“, betont er.

Regionale und internationale Konkurrenz

Was für Wirtschaftsförderer Kammann nichts daran ändere, dass die Situation der Häfen in Vorpommern nicht leichter werde. Während sich der Minister mit Blick auf die Zukunft optimistisch gibt, benennt er die Probleme: „Die Ostsee ist kein geschlossener Raum, wir haben es neben der internationalen Konkurrenz auch mit einem innerregionalen Wettbewerb zu tun. In der freien Marktwirtschaft gewinnt nun einmal der Bessere“, stellt Kammann klar. Der steigende Kostendruck bei Hafenbetreibergesellschaften und Kommunen als Zuschussgeber, der Trend zu großen Schiffseinheiten, das Problem der Versandung von Häfen und mangelnder Liegekapazitäten seien Faktoren, die Umschlagszahlen maßgeblich beeinflussten.

Ein Blick auf den Port Mukran in Sassnitz. Über zwei Millionen Tonnen wurden hier 2018 umgeschlagen. Quelle: OZ

Deshalb plädiere die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern seit langem für eine Kooperation von Häfen. In einer Studie habe sie bereits 2014 eine Reihe von Optionen aufgezeigt. Das könne bei der Ausbildung von Fachkräften beginnen, gehe über die Außenwerbung, die Fortbildung von Personal, eine gemeinsame Nutzung oder Wartung von Technik bis hin zum Vertrieb und der Arbeitsteilung. „Doch der Kooperationswille war damals noch nicht ausgeprägt. Uns ist es nicht gelungen, die Betreiber zu mobilisieren“, räumt Kammann ein. Mittlerweile sei das etwas anders, gebe es zumindest bei einigen Gesellschaften die Erkenntnis, dass eine Zusammenarbeit Vorteile bringen könne. „Not macht erfinderisch“, sagt er und nennt beispielhaft den Hafen Sassnitz, der mit Vierow kooperiere. Doch das ist nur ein Baustein der Erfolgsgeschichte des Mukran Port. Nachdem der Fährverkehr zunehmend an Bedeutung verlor, seien mit Projektgeschäften neue Quellen erschlossen worden. Der Hafen nehme heute einen wichtigen Part als Logistik- und Industriestandort wahr, der auch von Großprojekten wie Nord Stream profitiere. Und: Seit Jahresbeginn übernimmt Sassnitz als Leadpartner eine wichtige Rolle im EU-Projekt „South Baltic Transport Loops“, kooperiert mit Häfen in Polen, Dänemark und Schweden. „Mit diesem Schritt und unseren Erfahrungen als Partner in zwei vorherigen EU-Projekten möchten wir die aktuelle Entwicklung des Mukran Port hin zu einem modernen Universalhafen vorantreiben“, sagt Geschäftsführer Harm Sievers.

Kooperationen als Schlüssel zum Erfolg

Vierow indes – erst nach der Wende gebaut und somit jüngster Hafen Vorpommerns, habe über Jahre durchaus erfolgreich gewirtschaftet. Dennoch sank der Umschlag von 761000 Tonnen in 2014 auf 413000 Tonnen in 2018. Neue Wege zu suchen, bezeichnet Kammann deshalb als Gebot der Zeit. Vierow nutze beim Getreidehandel mittlerweile die Kooperation mit dem Mukran-Port, da dort größere Schiffe mit mehr Tiefgang anlegen können.

Einen Hafen anders zu entwickeln als ursprünglich gedacht, sei durchaus machbar, ist Kammann überzeugt – sei es aus städtebaulichen Gründen oder aus der Not heraus. Dafür stehe beispielhaft Lubmin, wo von Anfang an neben dem Industriehafen eine Marina geplant war. Und es funktioniere. „Tourismus und Industrie schließen sich nicht aus“, urteilt der Wirtschaftsförderer. Dennoch gehört Lubmin mit 57000 Tonnen Umschlag eher zu den kleinen Playern.

Aber: Dem Lubminer Hafen gehe es wirtschaftlich gut, versichert Bürgermeister Axel Vogt. Damit es auch perspektivisch gut laufe, wurde ein externes Unternehmen mit dem Standortmarketing beauftragt. „Unser Ziel soll langfristig sein, rund 90 Prozent unseres Umsatzes über den Umschlag zu erwirtschaften und zehn Prozent über die Serviceleistungen der Energieversorger“, so Vogt vom Zweckverband Energie- und Technologiestandort Freesendorf als Betreiber. Dafür habe sich der Verband einen ambitionierten Zeitplan gesetzt: Bis 2021 sollen sich neue Firmen im Hafen ansiedeln und die rund 40 Hektar freie Fläche nutzen.

Hafengesellschaft Anklam wird liquidiert

Auf der Rangliste der vorpommerschen Häfen ganz unten steht mit 17400 Tonnen der Hafen in der Lilienthalstadt. Nach Angaben der Binnenhafen Anklam GmbH sei der Standort aufgrund seiner geografischen Lage prädestiniert für den Umschlag vom Schiff auf die Straße oder Schiene. Dennoch seien die Zahlen rückläufig, räumt Aufsichtsratschef Andreas Brüsch ein und begründet dies mit der zu geringen Fahrtiefe. Das städtische Unternehmen sei defizitär. Konkrete Angaben wollte er nicht machen. Nur so viel: „Es sieht nicht rosig aus. Trotzdem soll es den Hafenbetrieb auch in Zukunft geben. Wir wollen die Gesellschaft in ein anderes Fahrwasser bringen“, sagt Brüsch. Die Stadtvertretung habe Ende 2018 die Liquidation des Unternehmens beschlossen. „In einem zweiten Schritt wird die Verwaltung beauftragt, ein neues Konzept zu erarbeiten“, sagt er.

Freie Flächen in Ladebow sehr begrenzt

Problembehaftet ist auch der Hafen in Ladebow, seit Jahren debattiert die Bürgerschaft über Wohl und Wehe des Industriestandorts. Und zwar nicht nur wegen der Wassertiefe und Kosten für Ausbaggerungen – die nächste steht in diesem Jahr bevor. „Für Neuansiedlungen gibt es nur noch begrenzte Flächen. Braucht ein Unternehmen fünf Hektar, kann Greifswald damit nicht dienen“, so Kammann. Deshalb sei es schwer, für das Areal zu werben. „Ladebow ist kein Top-Gewerbestandort“, urteilt er und hofft, dass sich die Stadtvertreter bald zu einem eindeutigen Votum hinsichtlich der Zukunft des Hafens durchringen. Für ihn sei eine maritim-touristische Nutzung denkbar. Die Debatte darüber wäre nicht neu. Doch das Damoklesschwert eventueller Rückzahlungen von Fördermitteln verhinderte bislang einen neuen Kurs. Michael Ott, Chef der Hafen- und Lagergesellschaft Greifswald, blickt indes optimistisch in die Zukunft. Mit der geplanten Ausbaggerung „erwarten wir eine Belebung der Umschlagmenge“, sagt er.

Petra Hase

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