Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Land will das Barockschloss Karlsburg verkaufen
Vorpommern Greifswald Land will das Barockschloss Karlsburg verkaufen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 03.01.2018
Das Tor zum Schlosspark besticht mit vielen kunstvoll gearbeiteten Details.
Karlsburg

Das Barockschloss Karlsburg könnte schon bald Privatbesitz werden. Noch gehört es inklusive Park dem Land Mecklenburg-Vorpommern. „Das Land hat keine Verwendung für das Gebäude, wir werden versuchen, die gesamte Liegenschaft zu veräußern“, sagt Stefan Bruhn, Sprecher des Schweriner Finanzministers Mathias Brodkorb (SPD).

Wertvolle Gemälde sollen in Schweriner Depot zwischengelagert werden

Zentralinstitut

Das Land erhielt Schloss Karlsburg infolge der Bodenreform 1945. Dank dem Diabetologen Gerhardt Katsch wurde es Diabtetikerheim. Das spätere Zentralinstitut für Diabetes war mit über 600 Mitarbeitern und rund 40000 Patienten im Jahr vor der Wende die weltweit größte Einrichtung zur Erforschung und Behandlung dieser Krankheit.

Bisher verwaltete die Unimedizin Greifswald das Schloss und nutzte Teile davon. Im wunderschönen Barocksaal mit seinen wertvollen Gemälden fanden öffentliche Vorträge und Konzerte statt. Die Unimedizin benötigt aber das Schloss und die benachbarten Forschungshäuser nicht mehr. Die Institute für Physiologie und Pathophysiologie ziehen voraussichtlich in freiwerdende Räume in Greifswald.

Nur eines der beiden noch in Karlsburg genutzten Gebäude werde so lange gemietet, bis der Umzug in trockenen Tüchern sei, informiert der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin, Prof. Max Baur.

Konkrete Auflagen für die künftige Nutzung des sanierungsbedürftigen Schlosses und der Forschungsbauten hat Schwerin noch nicht. Es gibt aber schon einen Bewerber. Das Institut für Diabetes „Gerhardt Katsch“ Karlsburg (IDK) hat eine Konzeptskizze für das „Gesundheitswirtschaftliche Infrastrukturprojekt Karlsburg“ erarbeitet. Es bezieht sich auf das Schloss und das jetzt von den Physiologen und Pathophysiologen genutzte Gebäude Haus C. Eine kommerziell tätige Betreibergesellschaft soll in Zusammenarbeit mit den hier schon ansässigen Unternehmen und durch Ansiedlung gewerblich tätiger Unternehmen Karlsburg „zu einem weithin strahlenden Leuchtturm MVs im Bereich Diabetes und Gesundheitswirtschaft entwickeln“, heißt es in dem Papier. Man sei mit dem Wirtschaftsministerium wegen einer Förderung im Gespräch. Die Konzeptskizze nennt eine ganze Reihe interessierter Firmen. Allerdings gebe es noch keine Rückantwort aus Schwerin auf den eingebrachten Vorschlag, sagt Dr. Eckhard Salzsieder, Geschäftsführer des Institutes für Diabetes „Gerhardt Katsch“.

Dass das Land Eigentümer der Immobilie bleibt und diese nur an eine Gesellschaft verpachtet, schließt Stefan Bruhn aus. „Nach Landeshaushaltsordnung sind Grundstücke, für die das Land keine Verwendungsmöglichkeit hat, zu veräußern“, sagt er. Geld aus Schwerin für die Entwicklung des Standortes könnte aber fließen. Wenn sich neue Unternehmen ansiedeln, sei das möglich, sagt Gunnar Bauer, Sprecher von Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU).

Gemeinde in Sorge

Die Nachkommen der einstigen Schlossbesitzer aus der Familie Bismarck-Bohlen um Heidi Freifrau von Rosenberg sorgen sich indes genau wie Karlsburgs Bürgermeister Rolf Warkus sehr um die Zukunft des Schlosses. Beide verstehen nicht, dass das Land einerseits das Pommernschloss Ludwigsburg kauft und andererseits ihr Eigentum wie das geschichtsträchtige Schloss Karlsburg loswerden will. „Wir wollen auch deshalb wissen, was wird, weil hier ja regelmäßig der Chor Karlsburg probt und auftritt“, so Warkus. Er hat deshalb vor Weihnachten auch Landrätin Barbara Syrbe (Linke) um Unterstützung ersucht.

Sie sicherte zu, ebenfalls noch einmal in Schwerin vorsprechen zu wollen. Wie der Bürgermeister gestern gegenüber der OZ sagte, habe die Gemeinde vom Land nun die Nachricht erhalten, dass der Chor bis zum Verkauf erst einmal weiter proben könne.

Allerdings würden die wertvollen Bilder aus dem Barocksaal und Jagdzimmer nach Schwerin ins Depot der Staatlichen Museen ausgelagert. Die Nachkommen der Erben hätten dem zugestimmt. Später sollen die Bilder wieder in Karlsburg hängen. Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU) aus dem Gesundheitsministerium hatte das veranlasst, nachdem er vom Ärztlichen Direktor des Klinikums Karlsburg, Prof. Wolfgang Motz, um Hilfe gebeten worden war.

Denkmal mit langer Geschichte

Bürgermeister Warkus verweist darauf, dass Schloss und Park Karlsburg nicht nur eine Immobilie , sondern auch ein Denkmal mit langer Geschichte seien. 1731 bis 1733 wurden das Schloss und das Dorf Gnatzkow auf barockem Grundriss neu errichtet. Carlsburg heißt es seit 1771, als der Schwedenkönig Gustav III. im Schloss übernachtete. Er erlaubte Besitzer Carl von Bohlen die Umbenennung des Ortes in Carlsburg. Erster Träger des Namens Bismarck-Bohlen war der preußische General Theodor von Bismarck-Bohlen (1790 bis 1878), ein Vetter Otto von Bismarcks, der Karlsburg während seiner Militärzeit als Einjährigfreiwilliger 1838/39, die er großteils in Greifswald verbrachte, besuchte.

In Vorpommern besitzt das Land neben Karlsburg derzeit noch das Jagdschloss Granitz auf Rügen. Ferner ist der Erwerb des Pommernschlosses Ludwigsburg geplant (die OZ berichtete). Dass auch die Karlsburger Anlage seit 1990 zu den Landesschlössern gehört, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Auf der Internetseite www.mv-schloesser.de taucht sie nicht einmal auf.

Cornelia Meerkatz und Eckhard Oberdörfer

Mehr zum Thema

Das aktuelle Kalenderblatt für den 29. Dezember 2017

01.01.2018

Das aktuelle Kalenderblatt für den 30. Dezember 2017

30.12.2017

Das aktuelle Kalenderblatt für den 31. Dezember 2017

31.12.2017

Schüler aller Schularten aus Mecklenburg Vorpommern, die an der Medien- und Informatikwelt interessiert sind, können sich für die Winterakademie anmelden.

03.01.2018
Greifswald GUTEN TAG LIEBE LESER - Sauber ins neue Jahr

Greifswalds gute Stube sah gestern Morgen gut aufgeräumt aus. Auch der Fischmarkt und der Museumshafen hinterließen nicht den Eindruck einer wilden Party.

03.01.2018

Zwölf Geburten wurden seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag in Greifswald betreut. Am 27. Dezember war um 3.40 Uhr die Zeit von Ella Braun gekommen.

03.01.2018