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Landeshilfe nach Sturmflut: Usedomer sehr skeptisch

Zinnowitz Landeshilfe nach Sturmflut: Usedomer sehr skeptisch

Koserows Bürgermeister René König befürchtet, dass es zu wenig Geld gibt und es bürokratisch verwaltet wird

Zinnowitz. Zempins Berufsfischer Gunther Baudisch steht auf dem Abhang und schaut auf die See. „Hier fehlen jetzt ungefähr zehn bis zwölf Meter Sand, um zum Strand zu kommen“, sagt der 48-Jährige, der seit 30 Jahren als Fischer arbeitet. Er wünscht sich, dass bis Ende Februar, Anfang März die Abgänge wieder so nutzbar sind, dass er mit seinem Fischerboot aufs Meer fahren und Hering fangen kann. „Viel Hoffnung hab ich jedoch nicht. Der Arbeitsaufwand ist riesig. Hier fehlen sehr viele Tonnen Sand“, erklärt er. Sollte der Sand nicht bis zum Beginn der Heringssaison so aufgeschüttet sein, sieht Baudisch seine Existenz in Gefahr. „Ein Plan B wäre, dass ich in Freest frage, ob dort meine Arbeitskraft gebraucht wird“ sagt er. Ans Aufgeben denkt er jedoch überhaupt nicht. „Der Strand ist durch die Flut flach wie ein Brett, die Aufschüttung fehlt“, sagt Baudisch. Das Land schickte eine Drohne in die Höhe, um die Schäden zu dokumentieren. „Die Auswertung dauert etwa zwei Wochen, wurde mir gesagt“, berichtet er.

Ortswechsel: Eine beschädigte und gesperrte Seebrücke, ein verunreinigter Strand und viel Geröll. Nach einer Woche sind die Schäden auch in Zinnowitz noch zu sehen. „Wir liegen bei etwa 50 000 Euro“, sagt Bürgermeister Peter Usemann. Und: „Ich hoffe, dass wir Geld aus dem Sofort-Programm der Landesregierung bekommen.“ Die Seebrücke ist im hinteren Teil bis auf Weiteres gesperrt. „Dort können wir noch nicht arbeiten, ist alles vereist. Wenn es milder wird, geht es aber sofort weiter.“ Auch die Tauchgondel bekam durch die Sturmflut einen „Treffer“ ab. „Es war wahrscheinlich eine Buhne, die dort gegen eine Scheibe gedrückt hat“, erklärt Geschäftsführer Andreas Wulff. Nun sammele sich in der Scheibe Wasser. „Wir werden uns den Schaden nochmal genau ansehen. Sollte die sechs Zentimeter dicke Scheibe ausgetauscht werden, kommen rund 5000 bis 6000 Euro zusammen“, erklärt Wulff.

Das für den Mittelteil der Insel zuständige Süd-Amt zieht eine schlimme Bilanz. Vor allem der Sandverlust sei gravierend, viele Strandauf- und -zugänge seien zerstört worden, informiert Karl-Heinz Schröder. Der Naturweg an der Zempiner Steilküste ist zerstört, die Unglücksstelle werde leider dennoch immer wieder von Schaulustigen belagert. Und das, obwohl sowohl der Weg als auch die Strandzugänge gesperrt sind.

Für die Wiederinbetriebnahme der Eisentreppe in Stubbenfelde, Höhe Campingplatz, haben die Verantwortlichen und der Planer bereits Kosten von 50 000 Euro veranschlagt. Nicht mehr zu nutzen ist auch der Strandzugang am Koserower Alten- und Pflegeheim. „Den haben wir verloren, müssen ihn aufgeben“, sagt Bürgermeister René König. Man habe ihn jetzt oben mit Holzplanken gesperrt, am Fuße lagere so viel Geröll, dass er nicht genutzt werden könne. Vielleicht biete die aktuelle Situation ja eine gute Chance, den Plan, in Verlängerung der Siemensstraße einen neuen Strandabgang zu errichten, endlich umzusetzen.

Allerdings ist König sehr skeptisch, 25 Millionen Euro seien viel zu wenig Geld, das das Land zur Verfügung stellen will. Er habe als THW-Mann drei Jahrhunderthochwasser miterlebt und habe dabei leidlich erfahren müssen, wie langwierig und bürokratisch die Hilfsverfahren dann tatsächlich ausschauen. Der Aufgang an der Förster-Schrödter-Straße werde mit eigenen Mitteln repariert. Den Dünenabtrag durch Neuaufspülungen zu ersetzen, sei zudem ein großer Wunsch der Koserower.

Auch im Süd-Amt schaut man kritisch auf die Landesregierung. Hier ist die Rede von mindestens 300000 Euro Hilfe für die Strandabgänge in der Inselmitte, weshalb bereits gestern ein Hilfeersuchen an das Backhaus-Ministerium gesandt wurde. René Bergmann: „Es geht um Soforthilfe zur Gefahrenabwendung.“ Die Äußerung des Ministers in der OZ, geschädigte Privatpersonen vom Land aus nicht zu unterstützen, sei „nicht nachvollziehbar.“ Im Gegenteil: Noch letzte Woche hatte Backhaus Familie Hofmann Hilfe zugesagt.

Gelassener wird die Situation in den Kaiserbädern bewertet. „Für das Aufräumen ist Manpower nötig. Wir haben bereits große Abschnitte beräumt, mussten aber wegen Schnee und Eis unterbrechen“, sagt Mike Golon vom Eigenbetrieb. Gegenwärtig ist Niedrigwasser, und die Strände der Kaiserbäder sind teilweise 30 Meter breit. Was vor Beginn der Urlaubssaison noch zu leisten ist, wie das Anschieben der Strandaufgänge, sei teilweise übliche Instandhaltung nach dem Winter, „nur aufwändiger als sonst“, so Golon. Einiges werde ohnehin üblicherweise verdeckt, wenn die Ostsee im Frühjahr einen Teil der jetzt abgetragenen Sandmassen zurückbringe.

Auch die Schäden an den kommunalen Seebrücken sind überschaubar. „Die Bansiner Seebrücke ist nicht betroffen, an der

Ahlbecker wurden ein paar Planken und das Geländer beschädigt. Das ist an einem Tag repariert, sobald das Eis es erlaubt“, so Golon.

Ganz anders sei die Situation am Langenberg, wo das Hochwasser Teile des Hanges ins Rutschen brachte. „Für den Hang ist die Forstverwaltung zuständig. Wir sorgen dafür, dass der Strand unseren Gästen rechtzeitig wieder zur Verfügung steht“, sagt Golon. Doch auch hier repariere die Natur üblicherweise in jedem Frühjahr.

Hannes Ewert, Steffen Adler und Angelika Gutsche

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