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Greifswald Lange Wartelisten beim Bambinisport

Das Eltern-Kind-Turnen ist total beliebt / Doch der SV Olympia und die HSG Uni müssen viele Anfragen ablehnen

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Doreen Schulz mit ihren Zwillingen Lara und Lisa. Lea, die im Juli vier Jahre wird, turnt nebenan bei den Großen mit Trainern. Foto (2): Petra Hase

Greifswald. Laufen, klettern, kriechen, springen. Der dreijährige Lias ist sportlich gut drauf und hat sichtlich Spaß, die Stationen zu meistern. Eligiusz Zittermann kommt jeden Montag mit seinem Sohn in die Mehrzweckhalle von Schönwalde II, um ihn an den Geräten zu begleiten. „Ich hoffe, dass er auf diese Weise spielerisch in den Sport ’reinwächst“, sagt der 33-Jährige, der selbst Leichtathletik und Kraftsport betreibt. Auch Lias Mutter Anne Wiegert ist von dem Kurs überzeugt: „Bewegung ist wichtig. Nach der Stunde ist er richtig ausgepowert“, erzählt die 29-Jährige.

 

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Anja Faßauer, im Bild mit Sohn Theo, suchte vor vier Jahren einen Platz für ihren Sohn Tim. Mangels Angeboten nahm sie selbst die Fäden in die Hand.

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So wie sie denken viele Eltern. Mit der Folge, dass die bestehenden Eltern-Kind-Kurse in Greifswald komplett ausgebucht sind. Neben der HSG Uni bietet nur noch der SV Olympia für die Minis das Turnen an. „Wir haben in den Kursen etwa 65 Kinder unter sieben Jahren“, berichtet dessen Vorsitzender Gamal Khalil. Gern würde er weiteren Interessenten einen Platz anbieten. Auf der Warteliste stünden momentan etwa 30 Kinder. Doch mit den begrenzten Hallenzeiten sei eine Erweiterung des Angebots derzeit nicht machbar.

„Die meisten Eltern fragen an, wenn das Kind etwa zwei Jahre alt ist“, erzählt Vereinsmitglied Anja Faßauer, die den Bambinisport koordiniert. Vor gut vier Jahren suchte sie selbst einen Platz für ihren damals zweijährigen Sohn Tim. Vergeblich. „Bestehende Kurse waren überlastet. Übungsleiter fehlten“, blickt die 33-Jährige zurück. Also bot sie sich kurzerhand selbst an, eine Gruppe zu leiten.

Mittlerweile krabbelt auch schon ihr zweiter Sohn munter über die Kletter- und Spielstationen. Für Anja Faßauer steht fest: „Lange bevor die Kinder einer Sportart nachgehen, lernen sie hier spielerisch Bewegungs- und Trainingsabläufe kennen. Sie sind ausgelasteter als andere, können besser Laufrad oder später Fahrrad fahren“, ist die zweifache Mutter und Kursleiterin überzeugt.

Doreen Schulz sieht das genau so. Deshalb freute sie sich vor knapp zwei Jahren auch, als sie für ihre Lea einen der begehrten Plätze ergatterte. Das Mädchen ist nun schon vier Jahre alt und in der großen Gruppe. Der Unterschied zur Pampersliga: Zwei junge Trainer leiten die Kinder an, während die Eltern zuschauen. „Die Gruppe der Ein- bis Dreijährigen bekommt man noch nicht geleitet, doch bei den Großen geht das schon“, so Khalil. Die Vier- bis Sechsjährigen würden schon kleine Bewegungsparcours durchlaufen und so nicht nur ihre Koordination und Geschicklichkeit, sondern ebenso die Teamfähigkeit schulen. Auch hier stehe der Spaß oben, kein Kind werde zu etwas gezwungen. Für Doreen Schulz war deshalb klar, dass auch ihre Zwillinge Lara und Lisa den Kurs besuchen sollten. „Die beiden sind jetzt elf Monate alt und seit zwei Wochen mit dabei“, freut sich die 36-Jährige riesig über die zwei Plätze.

Ähnlich das Bild bei der HSG Uni, die das Eltern-Kind-Turnen bereits seit 1993 anbietet: „Der Kurs ist voll ausgelastet. In der Gruppe sind jetzt 25 Kinder im Alter zwischen anderthalb bis dreieinhalb Jahren“, sagt Koordinator Nils Düpont. Da immer mehr Mütter oder Väter ihren Nachwuchs anmeldeten, „sahen wir uns im Winter zu einem radikalen Schritt veranlasst“, so der 33-Jährige: „Wir haben die Warteliste, auf der damals über 30 Familien standen, bis auf Weiteres geschlossen.“ Nach den Sommerferien werde in der Abteilung entschieden, wie man weiterverfahre. Die Idee, eine zweite Gruppe zu eröffnen, scheiterte bislang an der fehlenden Hallenzeit. „Außerdem ist es schwierig, Übungsleiter zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen“, sagt Düpont.

Dabei sei dieses Turnangebot für die Kleinen immens wertvoll, versichert Professor Henry Völzke vom Institut für Community Medicine an der Uni Greifswald: „Je früher man anfängt, desto besser“, sagt er. Das betreffe nicht nur die Bewegung, sondern auch die gesunde Ernährung. Immer mehr Kinder und Erwachsene würden an Übergewicht oder gar Fettleibigkeit leiden – mit schwerwiegenden Folgen.

„Diabetes etwa nimmt drastisch zu“, so Völzke. Die Zeche zahle am Ende die gesamte Gesellschaft.

Petra Hase

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