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Greifswald Lebenshilfe für die jüngsten Haitianer
Vorpommern Greifswald Lebenshilfe für die jüngsten Haitianer
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00:00 21.03.2013
Wolgast

Zurzeit ist Assistenzärztin Carolin Möhrke selbst etwas krank. Einen heftigen Schnupfen hat sie sich eingefangen. Kein Wunder, denn: „Mir ist kalt, seitdem ich wieder hier bin“, meint die junge Medizinerin, die auf der Kinderstation des Wolgaster Kreiskrankenhauses arbeitet. Am 1. Februar kehrte sie von einem besonderen Auslandseinsatz in der Karibik nach Deutschland zurück. Für ein gutes halbes Jahr tauschte sie ihren vertrauten Arbeitsplatz in Wolgast gegen einen viel stressigeren und herausfordernden Dienst im Inselstaat Haiti ein.

„Alles, was ich im Studium und während meiner Arbeit gelernt habe, wollte ich dort anwenden, wo es besonders hilft und nutzt“, erklärt die 33-Jährige. Auch Abenteuerlust habe eine Rolle gespielt.

„Ich wollte gucken: Was kann ich und was kann ich erleben?“ Heute ist Carolin Möhrke um viele wertvolle Erfahrungen reicher. Ab Juli vergangenen Jahres arbeitete sie unter dem Dach der Organisation Ärzte ohne Grenzen in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince in der Notfallgeburtenklinik CRUO im Stadtteil Delmas. Hier leitete sie die Neu- und Frühgeborenenstation, war zuständig für fünf haitianische Kinderärzte, bis zu 25 Krankenschwestern — und viele Hundert kleine Patienten. „Im Juli beginnt dort stets das geburtenreiche Halbjahr“, berichtet Carolin Möhrke. Ein großes Problem: In Haiti leiden verhältnismäßig viele schwangere Frauen unter Schwangerschaftsvergiftung. „Es handelt sich um eine Fehlregulation des Kreislaufes und der Nieren und kann durch Krampfanfälle bis zum Tod führen.“ Etwa 30 Prozent der von den betroffenen Müttern geborenen Kinder kämen zu früh oder mit Komplikationen auf die Welt oder aber litten unter anderen Krankheiten. Auf der Station von Carolin Möhrke trafen pro Monat 200 bis 250 kleine Patienten ein. „Manche blieben nur 24 Stunden, andere mehrere Monate“, schildert sie.

Das Leben vieler Babys stand auf Messers Schneide. „Etwa jeder fünfte Patient ist gestorben, die meisten sehr früh“, erzählt die Ärztin. „Frühgeburten bergen ein hohes Risiko, darauf ist man eingestellt. Aber besonders furchtbar ist es, wenn Kinder sterben, die schon länger in Behandlung sind, und wenn ich dann das Leid der Mütter sah.“ Aber es gab auch viele Lichtblicke: „Christopher, ein kleiner Junge, zum Beispiel. Er wurde schon nach der 28. Schwangerschaftswoche geboren. Eigentlich hatte er keine Chance. Aber er hat es doch geschafft. Er war fünfeinhalb Monate bei uns und wurde unser Liebling.“

„Ich arbeitete dort täglich 12 bis 13 Stunden und das sechs Tage die Woche“, sagt die ledige Greifswalderin. Die Freizeit war also eng bemessen. „Einmal aber hatte ich drei Tage frei und somit Zeit für eine Wanderung ins Gebirge von Kenscoff“ — für die reiselustige Zeitgenossin ein schöner Ausgleich. Die enge Zusammenarbeit mit den Haitianern habe ihr viel gegeben. Und: „Es gibt auf Haiti, anders als in Deutschland, kaum Sicherheit. Es gibt fast keine Familie, die durch das Erdbeben von 2010 oder die anschließende Cholera keine Angehörigen verloren hat.“ In ihrer Arbeit als Ärztin sei sie heute gelassener als früher: „Weil ich gemerkt habe, dass man so ziemlich alles schafft, wenn man muss.“

Hintergrund
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat Projekte in etwa 60 Ländern. Sie leistet medizinische Nothilfe in den Ländern, in denen die Strukturen des Gesundheitswesens zusammengebrochen sind oder Bevölkerungsgruppen unzureichend versorgt werden.


Einsätze finden statt in Kriegsgebieten und bei Naturkatastrophen, bei Hungersnöten oder Lebensmittelengpässen oder für Randgruppen, wie Straßenkinder oder Slumbewohner.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

Tom Schröter

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