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Greifswald Lehrer baut Nachhilfezentrum auf

30 Lehrer und Studenten für 40 Schüler / Sprach- und Musikschule sollen folgen

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Lehrer Jo Trettin (55) ist in seinem Element, wenn er Wissen vermittelt.

Quelle: Foto: Christopher Gottschalk

Greifswald. „Die Vier ist eine geile Zensur“, findet Lehrer Jo Trettin. Denn mit einer Vier kommt man in die nächste Klasse und vielleicht sogar aufs Gymnasium. Das sagt er den Schülern in seinem Nachhilfezentrum in Schönwalde I, das er in seiner Freizeit auf eigene Kosten aufgebaut hat. Der Name: „3D-Resonanz“. „Ich hatte mit 10000 Euro gerechnet. Aber ich habe das Projekt finanziell unterschätzt“, sagt der 55-jährige Sonderschullehrer der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“ für Mathematik, Sport, Musik und Deutsch. Doch die Schüler seien es ihm wert.

Rund 40 Schüler lernen in dem Nachhilfezentrum, auch solche, die nicht gerne in die Schule gehen oder soziale, familiäre oder psychische Probleme haben. Alle bekommen Einzelunterricht, angeboten werden alle Fächer, gelernt wird maximal 90 Minuten, damit die Belastung nicht zu groß werde, sagt Trettin. Den Unterricht gestalten 30 Lehrkräfte, darunter ausgebildete Lehrer und viele Lehramtsstudenten. Ein Sozialarbeiter und ein Theaterpädagoge unterstützen sie. Insgesamt sechs Eltern bezahlen die Nachhilfe selbst, der Rest wird aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Landkreises finanziert (siehe Infokasten).

Seit 2014 gibt Trettin privat Nachhilfe bei Kindern zu Hause, doch die Anfragen wurden mit der Zeit zu viel. Er brauchte Unterstützung und Platz. Also mietet er 2017 260 Quadratmeter in einem einstöckigen Haus in der Einsteinstraße.

Eine andere Umgebung soll die Schüler von den schlechten Leistungen und der Hoffnungslosigkeit in der Schule befreien: „Ein Schüler bekommt eine Fünf in Mathe und heult. Und nachmittags soll das Kind dann in demselben Raum Nachhilfe bekommen, in dem vorher die Demütigung stattfand?“, fragt Trettin. Nein, dachte er sich und richtete Lernräume ein, in denen Stifte, Schreibblöcke, Computer, Locher, Taschenrechner und Duden bereitstehen.

Die Anforderung, die Schulsachen dabei zu haben, klingt erstmal banal, aber für viele Kinder sei das nicht der Normalfall, weiß Trettin. „Der erste Schritt ist für uns der Beziehungsaufbau zwischen Schüler und Lehrer. Dazu gehört auch, Ordnung in die Materialien zu bringen.“ Oder den Kindern im Winter einen Tee in der Küche zu kochen, wenn sie aus der Kälte kommen.

Dass Trettins Ansatz gelingt, bestätigt Kerstin Graßhoff (44), deren Tochter (9.Klasse) und Sohn (5. Klasse) bei „3D-Resonanz“ lernen. „Die Noten der Kinder sind besser geworden“, sagt sie. „Die Lehrer finden individuelle Lösungen für die Kinder und die Kommunikation mit Herrn Trettin ist gut.“

Nach welcher Methode unterrichtet wird, entscheiden die Lehrer abhängig davon, was die Schüler brauchen, sagt Trettin. Ein Schüler, der nicht stillsitzen kann, sitzt zum Beispiel auf einem Fahrradergometer, tritt leicht in die Pedale und löst dabei Aufgaben. Die Methode habe in der Schweiz bereits Erfolg gehabt, so Trettin.

Auch der Ortsteilvertretung (OTV) Schönwalde I/Südstadt gefällt das Projekt. „Die OTV begrüßt das Vorhaben ausdrücklich und hat 500 Euro aus ihrem Budget bereitgestellt“, sagt der Vorsitzende Peter Multhauf (Linke). Davon wurden Kunststofftafeln, auf denen mit einem speziellen Filzstift geschrieben wird, angeschafft.

Für die Zukunft ist noch mehr geplant: Trettin will in dem Gebäude auch eine Musik- und eine Sprachschule aus der Taufe heben.

Der Staat unterstützt Bildung und Teilhabe

Das Bildungs- und Teilhabepaket garantiert staatliche Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die selbst oder deren Eltern Sozialleistungen brauchen. Gefördert werden u.a. Schulessen, Vereinskosten oder Nachhilfe. Nachhilfe wird gefördert, wenn die Schule bestätigt, dass alle schulischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Dann können Eltern Geld für Unterricht bei vom Sozialamt geprüften Bildungsanbietern oder Privatpersonen beantragen.

Christopher Gottschalk

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