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Lehrer fordern: Greifswald braucht ein Internat

Greifswald Lehrer fordern: Greifswald braucht ein Internat

Hochbegabte Schüler fahren bisher von Usedom, dem Darß und sogar Hiddensee bis nach Greifswald – oder suchen ungewöhnliche Lösungen

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Die neunjährige Teresa muss jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, um pünktlich zur ersten Stunde in Greifswald zu sein.

Quelle: Foto: Sybille Marx

Greifswald. Seit Jahren fordert das Humboldt-Gymnasium in Greifswald den Aufbau eines Internats, seit Jahren ist keines in Sicht. „Es muss endlich etwas passieren“, findet Schulleiter Ulf Burmeister nun. Die Stadt als Träger der Schule müsse handeln.

Burmeisters Gymnasium erfüllt eine Sonderaufgabe in der Region: Als einzige Einrichtung im Schulamtsbezirk Greifswald, der vom Darß im Nordwesten bis nach Penkun im Südosten reicht, bietet sie Klassen für Hochbegabte von Stufe fünf bis zwölf an, mit insgesamt rund 200 Schülern. „Darunter sind Schüler vom Darß, von Usedom, Rügen, aus Torgelow und sogar von Hiddensee“, beschreibt Lehrer und Koordinator Uwe Röser. Sie kämen, weil sie ein Anrecht auf besondere Förderung hätten, „und weil viele normale Schulen mit Hochbegabten nicht umgehen können.“

Doch die Anfahrt sei ein Problem. Die Kreise müssten hohe Kosten tragen, „die Schüler sitzen bis zu drei Stunden pro Tag im Bus.“ Gehe der Unterricht bis nachmittags, kämen sie erst abends zu Hause an. „Vieles, was andere noch machen können, fällt für sie flach.“

Für Teresa Datzer hört die Nacht an Schultagen um fünf Uhr morgens auf. In Prerow auf dem Darß wohnt die Neunjährige, mit dem Sammeltaxi wird sie nach Greifswald gebracht und nach Schulschluss wieder abgeholt. „Unsere Rekordzeit war eine Stunde acht Minuten“, erzählt sie. Meist dauere die Fahrt aber eineinhalb Stunden, im schlechtesten Fall eindreiviertel. Mit Lesen oder Schlafen vertreibt sie sich die Zeit.

Stadtverwaltung: Internat zu gründen, ist hoch kompliziert

Ein Internat zu besuchen, könnte sich Teresa noch nicht vorstellen – zu weit weg von Mama, sagt sie. Anders denkt Martin Schlosser, der bereits 15 ist, neben der Schule ein Juniorstudium in Greifswald angefangen hat und per Sammeltaxi aus Ahlbeck anreist. „Ich könnte mir ein Internat sehr gut vorstellen“, sagt er. So bliebe mehr Zeit vom Tag. Laut Uwe Röser hätten insgesamt etwa 20 Schüler Interesse, „und wenn das Internat erstmal da ist, vielleicht auch Schüler von Freien Schulen.“ Der Bedarf sei leider schwer zu ermitteln, weil eine konkrete Planung fehle, die Höhe des Elternbeitrags bisher nicht feststehe. „Und keiner sagt: Ich schicke mein Kind in jedem Fall aufs Internat“, sagt Uwe Röser.

In der Stadtverwaltung Greifswald ist das Problem bekannt. „Wir würden gerne ein Internat anbieten, weil die Wege wirklich ein Problem sind“, sagt Carola Felkl, Leiterin des Amts für Bildung, Sport und Wohngeld. „Aber man bräuchte geeignete Räume und pädagogische Fachkräfte, die die Aufsichtspflicht abdecken, sogar nachts.“ Bereits vor eineinhalb Jahren habe man vergeblich versucht, einen möglichen Träger zu finden, der mit Internaten schon Erfahrung hat. Auch die Kostenfrage sei ein Problem. „Für eine so geringe Schülerzahl wäre der Betrieb sehr teuer.“ Die Elternbeiträge und die Gelder, die über den Schullastenausgleich von den Wohnort-Kreisen der Internatskinder kämen, wären hoch. „Ein Luxus-Internat kann sich keiner leisten.“ Und blieben Plätze frei, würden die Fehlkosten den Greifswalder Haushalt belasten. „Sowas müsste von der Bürgerschaft beschlossen werden“. Wenn von dort der Auftrag käme, ein Internat einzurichten, würde das Amt aber einen neuen Versuch starten.

Ob auch Schüler von freien Schulen gern in dem Internat unterkämen, ist noch unklar. Laut Montessori-Leiter Nils Kleemann kommen zwar auch an seine Schule Kinder von weit her. „Aber sie kriegen nichtmal die Fahrtkosten vom Kreis erstattet.“ Ähnlich wäre es mit den Elternbeiträgen fürs Internat, meint er: Eltern seiner Schüler müssten weit mehr dafür bezahlen als die Eltern der Hochbegabten.

Test: Schüler auf Hiddensee soll per Skype teilnehmen

Uwe Röser testet derweil ungewöhnliche Lösungen für einzelne Schüler. „Eine Zeitlang hatten wir beim Vario-Hotel einen Wohnzweig, den bis zu sechs Schüler genutzt haben“, erzählt er. Doch eine pädagogische Betreuung gab es dort nicht, „die Kinder waren praktisch sich selbst überlassen.“

Mit einem Sechstklässler von Hiddensee startet die Schule nun ein neues Experiment: „Wir probieren aus, ob er dem Unterricht per Skype folgen kann“. Klappt das gut, soll der Junge an zwei Tagen pro Woche auf Hiddensee bleiben dürfen – und von dort aus lernen.

IQ von 130 nötig

Das Humboldt-Gymnasium in Greifswald ist neben dem Gymnasium Reutershagen Rostock, dem Einstein-Gymnasium Neubrandenburg und dem Fridericianum Schwerin eine von nur vier Schulen in MV, die Hochbegabten-Förderung anbieten. Schüler müssen einen Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 haben und ein Testverfahren bestehen, zu dem ihre Eltern sie anmelden müssen. Informationen sind erhältlich beim Staatlichen Schulamt Greifswald

unter Telefon 03834-595810 oder beim Schweriner Bildungsministerium unter der Telefonnummer 0385-588 7520.

Sybille Marx

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