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Greifswald Lesbische TV-Moderatorin hat Angst vor Greifswald
Vorpommern Greifswald Lesbische TV-Moderatorin hat Angst vor Greifswald
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00:00 03.09.2016

Können hier Lesben und Schwule mit ihren Liebsten Händchen haltend gefahrlos durch die Straßen spazieren? Die homosexuelle TV-Moderatorin Bettina Böttinger („Kölner Treff“) will es lieber nicht nicht ausprobieren. In der Talkshow „Markus Lanz“ am Donnerstag sagte sie wörtlich: „Ich möchte nicht mit meiner Frau Hand in Hand durch Greifswald rennen. Tut mir furchtbar leid. Möcht’ ich nicht. Ich glaube, da sind andere Ressentiments, als in großen, liberalen Städten.“

Bettina Böttinger posiert vor dem Kölner Dom. Quelle: Henning Kaiser/dpa

Die nächste Bunte-Beats-Party im Kontorkeller am Markt, organiseirt von „Queer in Greifswald“, steigt im Rahmen der Kulturnacht am 16. September. Beginn: 23 Uhr.

Ich glaube, dass die Menschen teilweise weiter sind, als wir ihnen unterstellen.“Markus Lanz

Weiß die Moderatorin, wovon sie spricht? Oder hat sie möglicherweise ihrerseits Ressentiments gegenüber der Stadt? Falls ja, speisen diese sich zumindest nicht aus persönlicher Erfahrung. Denn Gastgeber Lanz fragte nach: „Das heißt, Sie würden es auch nicht machen?“ Böttinger antwortete: „Nö. Möcht ja ankommen, heil.“ Lanz’ Fazit: „Ist eigentlich traurig. Ich kenn die Situation dort nicht, und will da auch niemandem was unterstellen, aber wenn das so wäre, wäre das traurig, find ich. Im Jahre 2016. Und ich glaube auch, dass die Menschen da teilweise weiter sind, als wir ihnen manchmal unterstellen.“

Genau das will Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) der TV-Moderatorin Bettina Böttinger auch vermitteln: Gestern lud er sie und ihre Frau Martina, die die 60-Jährige gerade heiratete, offiziell ein. „Ich möchte Ihnen zeigen, dass Greifswald eine liberale und weltoffene Stadt ist. Als Universitäts- und Wissenschaftsstadt sind wir tolerant und leben Vielfalt“, wirbt der OB. Frau Böttinger und ihre Frau könnten sich dann selbst ein Bild davon machen, dass Frau und Frau, Mann und Mann hier ganz selbstverständlich leben. Fassbinder: „Ich würde mich freuen, wenn Frau Böttinger meine Einladung annimmt.“

Die Macher des Greifswalder Sozialwissenschaftsmagazins „Katapult“ hatten Fassbinder via Facebook zu dieser Einladung aufgefordert. „Gibt es vielleicht bessere Ideen, wie wir die Stigmatisierung unserer Region verhindern können?“, heißt es dort. Weiter schreibt Chefredakteur Sebastian Fredrich: „Wie machen wir Frau Böttinger klar, dass ihre Sicht auf Greifswald 20 Jahre veraltet ist? Wie machen wir ihr und den Zuschauern der Sendung klar, dass die rechtsextreme Wählergruppe ,pro Köln’ zeitweise mehr Erfolg hatte als die NPD in MV?“

Wieso es Böttinger ausgerechnet in Greifswald schlimm findet – in der Sendung wirkte die Nennung des Stadtnamens etwas beliebig – und ob sie die Einladung annehmen wird, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen, da sie in den Vorbereitungen zu ihrer „Jubiläumsshow“ steckte. Eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma Encanto relativierte die Aufregung. „Frau Böttinger hat auch mal gesagt, dass es in Düsseldorf sauberer sei als in Köln. Da hat es dann einen Shitstorm von den Kölnern gegeben.“

Aber wie sieht es denn hier nun aus, von welchen Erfahrungen berichten Homosexuelle in der Hansestadt? „Ich gehe seit zwei Jahren mit meinem Freund durch die Stadt und habe noch nie etwas Negatives erlebt“, sagt Thomas Jager vom Aktionsbündnis Queer in Greifswald, das sich eigener Darstellung nach „für mehr Akzeptanz und Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuellen“

einsetzt. Durch die Arbeit der Beratungsstelle des Vereins sei ihm ebenfalls noch nichts zu Ohren gekommen. Auch Linnea Eckel, die das Bistro Bommelz in der Steinbeckerstraße betreibt, hat in Greifswald keine schlechten Erfahrungen gemacht. Jahrelang schlenderte sie mit einer Frau an ihrer Seite durch die Stadt. Sie seien so normal wie ein heterosexuelles Pärchen behandelt worden. „Wenn man offen damit umgeht, sind die Leute auch offen“, findet sie. Allerdings werde sie seit einiger Zeit manchmal seltsam beäugt. Der Grund der Verwunderung: Sie ist nun mit einem Mann zusammen.

Kai Lachmann

Dei Dicken geiht dat bi dei Hitt mihrstendeils leger as dei Schlankeren. Ik denk noch an den Veihhändler, den ik in miene Jugendtiet erläwt heff. Dei harr an dei 150/160 Kilo up dei Rippen.

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