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„Lieber schwul als gar nicht geil“

Greifswald „Lieber schwul als gar nicht geil“

Ausverkaufte Travestie-Shows heizen Publikum in der Stathalle ein und sorgen für magische Momente

Greifswald. Sind Männer in Frauenkleidern heutzutage noch etwas Besonderes? Spätestens seitdem der Österreicher Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst 2014 im gülden glitzernden Abendkleid und mit Vollbart den Eurovision Song Contest gewonnen hat, dürfte der optische Geschlechterswitch selbst durchs allerletzte Wohnzimmer geflimmert sein. Auch auf Karnevalsveranstaltungen treten immer wieder enthusiastische Herrengruppen auf, um in Bierbauch betonenden Kostümen ungelenke Hoch-das-Bein-Tänze vorzutragen. So gesehen versprach allein der Titel der Freitag- und Samstagabend-Shows in der Stadthalle — „Magie der Travestie“ — ein Wagnis. Ist das Magische nicht längst verblasst? Findet der Auftritt womöglich vor nur halb vollen Reihen statt?

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Ausverkaufte Travestie-Shows heizen Publikum in der Stathalle ein und sorgen für magische Momente

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Nicht in diesem Fall. Und erst recht nicht bei Daisy Ray, Moderatorin der Travestie-Show, und den fünf anderen Künstlerinnen. Vor ausverkauften Reihen führten die Verwandlungskünstler am Freitag- und Samstagabend im Kaisersaal der Stadthalle eine witzig-freche, temporeiche Revue auf. „Vorhang auf für die Welt der Magie!“, trällerte Daisy Ray aus Halle an der Saale, als „Quoten-Ossi im Ensemble“

in pompöser roter Glitzerrobe. Und magisch war der Abend schon allein deshalb, weil die Zuschauer wohl selten so atemberaubende Kostüme mit Federn und Leo-Gewand, Glitzer, Glamour und extravagantem Make-Up zu Tanz, Gesang, Parodie und Striptease gesehen haben, dass sich jeder genormten Geschlechtlichkeit entzog. Schlag auf Schlag folgten Angriffe auf die Lachmuskeln und berühmt-berüchtigte Schlager wie „Du kannst nicht immer 17 sein“ oder „Jetzt geht die Party richtig los“, gesungen von der charmanten Baby Bubble. Ein Mann namens Peter in der ersten Reihe hatte es an diesem Abend gar nicht leicht: Ständig war er Opfer der Slapsticks und Frivolitäten von Daisy Ray. Zudem musste er auch noch mit der drallen Lola La Luna in weitem Rock und Federschmuck auf der Bühne Can Can tanzen!

„Lieber schwul als gar nicht geil“, schreit da schon Daisy Ray, die sich selbst als „von McDonald‘s geformt, 90 Kilo Lebendgewicht ohne Knochen“ beschreibt. Ob die Männer im Publikum, Ossis, Lesben oder Bundeskanzlerin Angela Merkel — der Bühnenklamauk machte vor gar nichts Halt und streifte dabei schon einmal die Zone unterhalb der Gürtellinie. Zwischendurch folgte immer mal wieder eine Starparodie: Neben Sally O'Neil als Rihanna und Conchita Wurst trat Lola La Luna in einem verrückten, roten Schwimmanzug mit Riesenkragen auf und hopste als Helene Fischer mit „Atemlos“ über die Bühne. Nein, am Freitagabend blieb kein Auge trocken. Gelacht, geklatscht und mitgesungen wurde, was das Zeug hält. Die schöne Brasilianerin Danielle Marques legte bei der einschließlich Pause gut drei Stunden dauernden Show mehrere Entkleidungsnummern hin: Wenn sie mit Grazie zu mitreißenden Popklängen ihren Körper entblätterte, wusste man gar nicht mehr so recht, ob Mann oder Frau

Seit 2006 schon tourt Veranstalterin Maria Sibylle Kunath aus Leipzig mit ihren Paradiesvögeln, die unter anderem aus München, Düsseldorf, Amsterdam und Brasilien stammen, durch Deutschland. Die neuen Bundesländer, allen voran Greifswald, stellten dabei ihr liebstes Publikum dar, verrät Kunath. „Wir sind glücklich, dass die Greifswalder so mitmachen. Das ist ein schönes Publikum, das mitklatscht und Spaß hat. Wir würden gerne nächstes Jahr wiederkommen“, erklärt die Veranstalterin. In Greifswald wurde die Travestieshow nun schon zum dritten Mal aufgeführt.

Von Annemarie Bierstedt und Kai Lachmann

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