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Greifswald Ein Hafen mit Energie
Vorpommern Greifswald Ein Hafen mit Energie
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11:07 08.11.2018
Im Hafen Lubmin liegen viele Schiffe der Energieunternehmen 50 Hertz und Nordstream. Im Hintergrund ein Nordstream-Arbeitsschiff. Quelle: Anne Ziebarth
Lubmin

Der Lubminer Hafen ist gut belegt. Rund 10 kleinere und größere Schiffe haben an der Kaikante festgemacht, die stürmische Wetterlage hat die Fahrzeuge an der Ausfahrt in ihre Arbeitsgebiete vor der Küste gehindert. „Auf der einen Seite liegen die Schiffe des Energieversorgers 50 Hertz, auf der anderen die von Nordstream“, erklärt Axel Vogt vom Zweckverband Energie und Technologiestandort Freesendorf die Anordnung. „Etwas weiter hinten werden gerade Schiffe beladen, von Liebherr oder der Krebs-Gruppe.“

Lubminer Hafen geht es wirtschaftlich gut

Dem kleinen Hafen, der unmittelbar an das Industriegebiet Lubminer Heide angrenzt, geht es wirtschaftlich gut. Im Gegensatz zum Industriehafen Ladebow zum Beispiel schreibt der Hafen schwarze Zahlen, jüngst wurde sogar Gewinnausschüttung in Höhe von je 10 000 Euro an die drei Gemeinden möglich, die den Hafen über einen gemeinsamen Zweckverband betreiben. Doch Axel Vogt pocht strikt auf neue Investitionen, um den Hafen auch zukünftig wettbewerbsfähig zu machen. „Im Moment profitieren wir sehr von den Energiegroßprojekten. Sowohl 50 Hertz als auch Nordstream 2 haben bei uns Liegeflächen für ihre Subunternehmer und Versorger gemietet, wir sind ein so genannter Flachwasserbasishafen.“ Von den rund einer Million Umsatz, die der Hafen im Jahr macht, entfallen derzeit 20 bis 30 Prozent auf den Güterumschlag, der Rest auf die Energieprojekte, von denen Lubmin unmittelbar profitiert.

Das deutsche Energieunternehmen 50 Hertz verlegt drei Stromtrassen vom Offshore-Windenergiegebiet „westlich Adlergrund“ nordöstlich Rügen. Nordstream 2 ist die zweite große Gasleitung des Konsortiums Nordstream AG, die hier in der Anlandesation „Lubmin 2“ auf Land treffen soll. Es müsse aber klar sein, dass diese Energieprojekte endlich seien, betont Vogt. „Deshalb ist es uns so wichtig, den Hafen breiter aufzustellen und auf mehr Umschlag zu setzen. Wir haben mit Liebherr, EWN, der Krebs-Gruppe, Lubmin Oils und den Deutschen Ölwerken gute Unternehmen hier. Aber es ist noch Platz“, so Vogt. „Unser Ziel soll langfristig sein, rund 90 Prozent unseres Umsatzes über den Umschlag zu erwirtschaften und 10 Prozent über die Serviceleistungen für die Energieversorger.“ Dafür hat sich der Zweckverband einen ambitionierten Zeitplan gesetzt. Bis 2021 sollen sich neue Firmen im Hafen ansiedeln und die rund 40 Hektar freie Fläche nutzen, die zur Verfügung stehen. „Wir sind nicht nur auf internationalen Messen unterwegs, zum Beispiel der Transrussia, sondern haben auch das Fachunternehmen CPL beauftragt, mit uns neue Unternehmen für den Standort zu suchen“, berichtet Vogt. „Ich denke, um dort erfolgreich zu sein, braucht es externes know-how.“ Platz genug ist in Lubmin: Vor Kurzem erwarb der Zweckverband 14000 Quadratmeter Hafenhinterland von EWN, weitere Flächen sollen dazukommen.

Kein Staub, bitte.

Der Hafen Lubmin würde sich für viele Unternehmen gut eignen und zudem über eine exzellente Anbindung per Straße und Schiene verfügen. „Prädestiniert sind wir sicherlich in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung, da haben wir bereits viel Erfahrung, etwa durch die Verschiffung von Energieholz nach Dänemark“, so Vogt. „Lediglich staubintensiven Umschlag möchten wir hier in Lubmin nicht haben. Zum einen wegen der sensiblen Anlandestationen der Nordstream-Pipelines, zum anderen auch wegen der ansässigen Krebs-Gruppe, die hier Teile mit Korrosionsschutz versieht. Das wäre keine gute Kombination.“

Auch die Binnenanbindung soll stärker in die Vermarktung eingebunden werden. „Wir haben über Haff und Oder eine gute Anbindung an das Binnennetz, das wird häufig gar nicht so wahrgenommen“, so Vogt. „Wenn es um den Transport von sperrigen Gütern geht, kann das aber wesentlich günstiger sein, als der Transport über Schiene oder Straße.“ Vor Kurzem sei ein Transformator aus Linz (Österreich) innerhalb von 21 Tagen nach Lubmin gekommen - per Schiff! „Mit den nötigen Straßensperrungen für den Schwertransport hätte das Unsummen gekostet“, so Vogt.

Neues Rangiergleis in Greifswald gefordert.

Vogt wünscht sich ein rangierfähiges Gleis in Greifswald, was die Häfen nutzen können. „Derzeit können die Züge so nicht auseinandernehmen und umstellen“, so Vogt. „Im Rahmen des Hinterland-Anbindungsprojektes sollte das bereits umgesetzt werden, bisher ist aber nichts passiert. So ein Rangiergleis würde allen Häfen helfen.“ Mit Blick auf die Zukunft der anderen kleinen Hafenstandorte fordert Vogt ein Umdenken. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die kleinen Häfen Vorpommerns alle wirtschaftlich arbeiten können“, so Vogt. „Eine Mischnutzung könnte sinnvoller sein, beispielsweise durch eine touristische Erschließung wie in Wolgast oder durch Bebauung mit Wohnhäusern oder Feriendomizilen.“ Lubmin sei dafür allerdings vom Zuschnitt nicht geeignet, die Nordstream-Stationen seien nicht das attraktivste Wohnumfeld. Man setze mehr auf Ansiedlungen.

Anne Ziebarth

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