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Machtspiel zwischen Frau und Mann

Greifswald Machtspiel zwischen Frau und Mann

Das Stück „Oleanna“ sorgte bei seiner Uraufführung für einen Skandal. Morgen hat es in Greifswald Premiere.

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Susanne Kreckel und Markus Voigt in „Oleanna“.

Quelle: MuTphoto

Greifswald. „Ehepaare gehen als Liebespaar hinein und kommen geschieden wieder raus“, erklärt Dramaturg Franz Burkhard mit einem Augenzwinkern die Wirkung des Stückes „Oleanna — Ein Machtspiel“ von David Mamet. Das polarisierende Schauspiel feiert morgen im Rubenowsaal des Theaters Vorpommern Premiere. „Schon bei seiner Uraufführung, 1992 in New York, war es ein Skandal: Feministinnen wollten das Stück niederklatschen, während viele Männer begeistert applaudierten“, konkretisiert Burkhard seinen Scherz.

Der Ausgangspunkt der Inszenierung lässt noch nichts von diesem hohen Konfliktpotential erahnen: Carol — gespielt von Susanne Kreckel — hat eine schlechte Hausarbeit geschrieben und wendet sich Hilfe suchend an ihren Professor John, verkörpert von Markus Voigt. Der befindet sich in gesicherter Position, steht kurz vor der Berufung zum Professor auf Lebenszeit und ist gerade dabei, ein Haus zu kaufen. John geht auf sie ein. Aber all sein Kümmern hat etwas Belehrendes, Eitles. Beide reden aneinander vorbei, verstehen den anderen und dessen Standpunkt nicht.

Im zweiten Akt verändert sich die Position Carols. Sie zeigt ihren Professor bei der Berufungskommission an, wirft ihm elitäres Verhalten und Sexismus vor. Die Berufung liegt auf Eis. Das gefährdet Johns berufliche und private Zukunft. Die Lösung des Konflikts soll hier offen bleiben, aber das oszillierende Spiel des Gebrauchs beziehungsweise des Missbrauchs von Macht ist an dieser Stelle noch nicht beendet.

„Dabei geht es in dem Stück nicht vordergründig um die Frage des Feminismus oder Antifeminismus. Es werden allerdings Aspekte aus diesem Diskurs verwendet“, so Burkhard. „Es geht auch um politische Korrektheit und die These, dass sie zu einem Dogmatismus führen kann“, erklärt Regisseur Sascha Löschner. Da ist von Aufklärung die Rede und vom Wahrheitsanspruch. Am Ende wirft das Schauspiel viele Fragen auf, überlässt deren Beantwortung jedoch dem Zuschauer.

Neben der schauspielerischen Herausforderung wird auch der Lernleistung der beiden Akteure einiges abverlangt: 64 Seiten Text in sechs Wochen seien eine Menge, meint John-Darsteller Markus Voigt.

Zudem sei den Mamet-Stücken eine besondere Dialogform eigen, dem nach ihm benannten „Mamet Speak“: „Sachen werden permanent wiederholt und die Sprecher fallen sich ins Wort. Er benutzt auch viele böse Worte bis hin zu Fäkalausdrücken“, verdeutlicht Burkhard. Die wichtige Rolle der Sprache schlägt sich in der Bühnenausstattung nieder: Die beiden Schauspieler werden kaum Requisiten nutzen.

Am Schluss soll eine Frage doch noch beantwortet werden: Wer ist Oleanna? Den Titel hat David Mamet einer norwegisch-satirischen Ballade entlehnt, deren englische Übersetzung auch in den USA lange bekannt war. Sie bezieht sich auf den norwegischen Geigenvirtuosen Ole Bull, der 1852 eine 3000 Hektar große Kolonie in den USA erwarb. Beflügelt von der Vorstellung des freiheitsliebenden Landes und den Ideen des Kommunalsozialismus wollte er dort einen utopischen Ort gründen: Oleanna — eine Verbindung aus seinem Namen und dem seiner Mutter, einem Ort der Gleichheit also. Nach nur zwei Jahren scheiterte das Ideal Bulls an der Praxis.

Es geht nicht vordergründig um Feminismus oder Antifeminismus.“Franz Burkhard,
Dramaturg

 



Tim Ehlers

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