Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald „Man merkt, dass lange nichts passierte“
Vorpommern Greifswald „Man merkt, dass lange nichts passierte“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 30.08.2018
Greifswald

Die Hochschulsportgemeinschaft Uni Greifswald ist mit rund 2500 Mitgliedern der größte Sportverein in Greifswald. Zur Wahl stehen für die Aktiven nicht nur Sportarten wie Leichtathletik, Fußball, Kanu oder Schwimmen, sondern auch nicht alltägliche Sportarten wie Baseball oder Ultimate Frisbee bietet der Verein an. Über die Situation des Sports in Greifswald sprach die OZ mit Jürgen Baumann (63), selbst ehemaliger erfolgreicher Leistungssportler und seit 2017 Vorsitzender der HSG.

Jürgen Baumann ist seit 2001 im Vorstand der HSG, seit 2017 ist er erster Vorsitzender. Quelle: Foto: Anne Ziebarth

HSG Uni Greifswald

2500 Mitglieder zählt der Sportverein in knapp 30 Abteilungen. Zu den mitgliederstärksten Abteilungen zählen die Kanuten und die Schwimmer, aber auch Sportarten wie Jugger oder Taekwondo, Lacrosse und Rollschuh-Hockey werden angeboten.

Sie suchen gerade einen neuen hauptamtlichen Geschäftsführer für die HSG. Wie läuft es?

Baumann: Gut, wir haben bislang bereits 19 Bewerber, die Ausschreibung läuft noch bis zum 31. August. Sicherlich sind die Gehaltsvorstellungen mancher Bewerber aber nicht mit dem zu vereinbaren, was wir als Sportverein bieten können. Wir sind auf Förderung durch den Landessportbund und die Hansestadt angewiesen, um die Stelle zu finanzieren. Trotzdem muss der oder die Bewerberin anspruchsvolle Aufgaben erfüllen können. Das schafft bei unserer Mitgliederzahl niemand ehrenamtlich.

Was für Aufgaben erwarten denn den neuen Geschäftsführer?

Das Spektrum reicht von Verhandlungen um Fördermittel auf unterschiedlichen Ebenen bis zu Gesprächen mit den einzelnen Abteilungen der HSG bis zur Organisation von Veranstaltungen und dem Betreuen unserer Liegenschaften. Die Anlage in der Hainstraße in Eldena zum Beispiel haben wir seit 2012 von der Stadt gepachtet. Der Zustand war schlimm, als wir die Anlage übernommen haben. Jetzt läuft dort gerade der zweite von fünf Bauabschnitten der Sanierung.

Wäre das nicht eigentlich Aufgabe der Stadt?

Wir haben das Glück, dass wir als Pächter eine Förderung vom Landessportbund für die Sanierung bekommen. Den Eigenanteil von aktuell 7000 Euro, den wir zahlen müssten, übernimmt die Stadt. So haben beide Seiten gewonnen, die Stadt hätte nämlich die Förderung so nicht bekommen. Natürlich wäre es sinnvoller, das Gebäude an der Hainstraße in einem Rutsch zu sanieren, aber das ist aufgrund der Förderkonditionen nicht möglich. So haben wir das Projekt in fünf Bauabschnitte aufgeteilt, das geht auch.

In welchem Zustand sind Greifswalds Sportstätten allgemein?

Das ist ganz unterschiedlich, aber man merkt an vielen Stellen schon, dass lange nichts passiert ist und kaum in die kommunalen Sportstätten investiert wurde. Wir haben das ja selbst in der Hainstraße gesehen. Dort haben wir im ersten Bauabschnitt die Umkleiden saniert, mussten neue Elektro- und Wasserleitungen legen. Das Dach wurde soweit wiederhergestellt, ist aber leider nicht neu.

Als nächstes nehmen wir uns die Außenhaut vor. Der Bau der neuen Zweifelderhalle der Caspar-David-Friedrich-Schule ist ein guter Schritt, auch die Sporthalle II am Puschkinring soll ja saniert werden. Trotzdem ist der Zustand anderer Hallen schlecht, zum Beispiel in der Halle IV, dem „Blauen Wunder“ in der Stettiner Straße. Die Hallenzeiten sind für Vereine knapp bemessen, Greifswald als Sportstadt könnte mehr Sporthallen vertragen.

Die Greifswalder sind sportverrückt?

Greifswald ist eine Stadt, in der unglaublich viel Sport getrieben wird. Allein wir haben 2500 Mitglieder, dazu kommen noch die großen Fußballvereine, Reha Sport und die kommerziellen Anbieter.

Nicht zu vergessen die Individualsportler, die in keinem Verein organisiert sind. Wie sportverrückt die Greifswalder sind, kann man immer gut an den Veranstaltungen sehen. Das Drachenbootfest ist das zweitgrößte Fest Greifswalds, beim Citylauf und anderen Läufen wie bei den Stundenläufen oder beim Dorflauf in Neuenkirchen machen Tausende Menschen mit. Das ist besonders.

Was wäre denn in Ihren Augen für eine Sportstadt noch notwendig?

Wenn ich nach einer Vision für den Sport in der Stadt gefragt werden, dann würde ich sagen: eine Sportschwimmhalle. Das Freizeitbad müsste in etwa zehn Jahren abgeschrieben sein, dann wird es für die Stadt finanziell nicht mehr so attraktiv, vielleicht findet sich ein Käufer. Für ein Sportschwimmbad könnte ich mir den Standort an den Bäckerwiesen vorstellen. Dort befindet sich das Fernwärmewerk, man könnte bei der Heizung des Beckens davon profitieren. Eine 50-Meter-Bahn wäre natürlich ein Traum, aber man muss ja realistisch sein. Das wäre finanziell wohl nicht umsetzbar. Was ich mir noch von der Stadt wünsche, ist die finanzielle Sicherung der Hauptamtlichkeit der Geschäftsführerstellen für die großen Vereine, so ab 600 Mitglieder aufwärts. Es bringt meiner Meinung nach mehr, die Geschäftsführerstellen qualitativ gut besetzen zu können, als mit der Gießkanne zu fördern.

Interview von Anne Ziebarth

Sportler enttäuscht vom Entwurf der neuen Sportfördersatzung und Hafengebührensatzung

30.08.2018

Flohmärkte in Neuenkirchen und Greifswald - Tanz in der Eldenaer Klosterschenke

30.08.2018

Neuenkirchener richteten eine Tauschstelle ein

30.08.2018