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Greifswald Mauern halten Flüchtlinge nicht auf
Vorpommern Greifswald Mauern halten Flüchtlinge nicht auf
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00:01 21.11.2016

Mauern oder Zäune halten Flüchtlinge nicht auf. Davon ist der Migrationshistoriker Harald Kleinschmidt überzeugt.

Er war 26 Jahre lang als Professor für Geschichte der internationalen Beziehungen in Japan tätig, ist also selbst Migrant. Derzeit ist Kleinschmidt für ein Jahr Gastwissenschaftler am Krupp-Kolleg.

Hier forscht er über „Naturrecht, Völkerrecht, Gastrecht und warum Migration zum politischen Problem geworden ist“. 2018 kehrt er nach Japan zurück.

Man könne Migration nicht wirklich regeln, meint Kleinschmidt. Regeln seien oftmals nicht praktikabel. Auch Einwanderungsgesetze würden nur kurz und mittelfristig Wirkung zeigen, meint er.

Und: „Migranten lernen schnell, Regeln zu umgehen“, sagt Kleinschmidt. Deshalb würde er dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump auch raten, seine Mauer an der Grenze zu Mexiko mindestens fünf Meter tief in den Boden zu bauen, da sonst sofort Tunnel entstehen würden. Trotz des jetzt schon vorhandenen Zaunes würden derzeit sehr viele Menschen zwischen Mexiko und den USA „pendeln“, erinnert er. Prinzipiell halte er den Bau von Mauern aber „nicht unbedingt für hilfreich“. Und was hält er von der Obergrenze, die die CSU vorschlägt? „Das könnte eine Warnung nach außen sein und die Zahl der Flüchtlinge verringern“, meint Kleinschmidt. „Angela Merkels Entscheidung zur Aufnahme der Flüchtlinge 2015 war richtig und unabwendbar. Aber sie hätte sie wie sonst nüchtern und sachlich durch den Regierungssprecher verkünden lassen müssen“, setzt der Professor hinzu. „Ihre Selfies mit Migranten wurden in kürzester Zeit weltweit verbreitet.“ Das habe den Zuzug verstärkt. Nun seien viele Syrer enttäuscht, dass sie gar keine Häuser bekämen, wie sie geglaubt hätten.

Auch in der Geschichte habe die Kommunikation eine große Rolle gespielt. „Es gibt 300 Millionen Briefe, die zwischen Amerika und Europa hin und her gingen.“ Ihre Lektüre habe viele bestärkt, in die Neue Welt auszuwandern. Eine Begrenzung der Einwanderung sei übrigens erst seit etwa 200 Jahren Thema. Früher hätten die Staaten um Migranten geworben. „Es gibt kein Recht auf Niederlassung“, setzt Kleinschmidt hinzu. Das sei auch in der Vergangenheit so gewesen. Insofern sei die Besiedlung Amerikas und Australiens durch Europäer rechtswidrig. Schon Immanuel Kant meinte 1795, dass ein Siedlungs- und Eroberungsrecht den ewigen Frieden gefährde.

Aber es gebe von alters her das Gastrecht. Dazu gehörten Dinge wie die Verpflegung der Menschen, solange diese es wollen und das möglich ist, Krankenversorgung und so weiter. Die Anerkennung des allgemeinen Gastrechts sei eine Voraussetzung für den ewigen Frieden, zitiert der Migrationshistoriker noch einmal Kant.

Kleinschmidt rät den Deutschen, gelassener mit der Migrationsthematik umzugehen. Und auch Meinungen, die man nicht teile, solle man ernst nehmen. eob/kl

OZ

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