Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Maximale Isolation zur Seuchenbekämpfung
Vorpommern Greifswald Maximale Isolation zur Seuchenbekämpfung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 14.11.2016

Dr. Gustav Seils hat zu DDR-Zeiten etwa 100 Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche (MKS) bekämpft. „Mehr als jeder andere Tierarzt auf der Welt“, schätzt er ein.

Dr. Gustav Seils verwahrt eines der Seuchenschilder. Quelle: eob

Dadurch hatte Seils große Erfahrungen, als sich 1982 der spektakulärste MKS-Fall der DDR-Zeit ereignete. Er war damals amtierender Kreistierarzt des bis 1994 bestehenden Kreises Greifswald.

Zwei Bullen erkrankten in einer Anlage bei Kemnitz. Sie wurde gesperrt. Seils fragte die Mitarbeiter, wer Kinder zu Hause habe. Diese sollten die Anlage verlassen, bevor die Sperrung des Bereichs wirksam wurde. Hinter dem Stall goss man ihnen ein mildes Desinfektionsmittel über den Kopf, und sie konnten nach Hause. Die Straße wurde gesperrt. Die gut funktionierende Kreisseuchenkommission schaffte drei Wohnwagen, Desinfektionsmittel, eine Raupe und weiteres Material heran, erzählt Seils. In diesen Wohnwagen lebten dann bis zum Ende der Gefahr die Mitarbeiter der Anlage. Um eine Ausbreitung zu verhindern, bat Seils beim Bezirk in Rostock um 20 Kollegen für eine sogenannte Ringimpfung, die eine Immunisierung der Tiere im Umfeld durchführten. „Es klappte alles, wir waren ein eingespieltes Team“, sagt der Tierarzt.

Weil der MKS-Ausbruch für großes Aufsehen sorgte und immer weitere folgten, zog die DDR-Regierung den Fall an sich. Der Arbeiter- und Bauernstaat exportierte in Größenordnungen Tiere und landwirtschaftliche Produkte in den Westen. Das war nun gefährdet.

Orte wurden gesperrt, Züge fuhren durch. Mit maximaler Isolation sollte eine Ausbreitung der Seuche verhindert werden. Für Dr. Seils waren das Übertreibungen, die nichts für eine Seuchenbekämpfung brachten, aber Stress und Probleme für die Verantwortlichen verursachten. Denn die Behörden mussten sich nun mit allen befassen, die aus mehr oder weniger triftigen Gründen den Ort verlassen wollten.

„Die Absperrung muss so groß wie nötig und so klein wie möglich sein“, nennt Seils die einfache Maxime. Aber man hatte ihm die Verantwortung aus der Hand genommen. Weil darum viele Menschen nicht zur Arbeit kamen, versammelten sich etwa 500 Leute vor dem Landratsamt in der Kaserne am Nexöplatz (wird fortgesetzt).

eob

Mehr zum Thema

Das aktuelle Kalenderblatt für den 9. November 2016

09.11.2016

Die Kripo ermittelt wegen Nazi-Parolen / Bergens Altstadtverein erwartet Aufklärung / Antrag auf Fördermittel des Leader-Programms zur Denkmalsanierung wurde abgelehnt

10.11.2016

Das aktuelle Kalenderblatt für den 10. November 2016

10.11.2016

Mehrfachen Grund zur Freude hatten die Tanzsportler des TSV 09 Greifswald in Finowfurt.

14.11.2016

Innenminister: Täter zeigen „Menschenverachtung und Geschichtslosigkeit“

14.11.2016

Dabei ist das Virus für die Tiere ungefährlich / Championspreis geht nach Osnabrück

14.11.2016
Anzeige