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Greifswald Mediation spart Partnern Geld und Zeit
Vorpommern Greifswald Mediation spart Partnern Geld und Zeit
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00:00 14.03.2013
Maja Mai und Anne Arlt sind seit 2005 in und um Greifswald als Mediatorinnen tätig, auch gemeinsam schlichten sie Konflikte. Quelle: Peter Binder
Greifswald

In den Aufbau ihrer mittelständischen Firma haben Paul Vogt und Theodor Berg* aus dem Greifswalder Umland nicht nur viel Zeit und Geld investiert. Auch jede Menge Herzblut steckt in der Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die sie vor 20 Jahren gründeten. Es kam der Tag, an dem Vogt sich in den Ruhestand verabschieden wollte. „Zwar gab es Verträge, aber die waren damals eher halbherzig gestrickt worden“, urteilt Rechtsanwältin Maja Mai, die das Problem auf den Tisch bekam.

Und so kam, was kommen musste: Die zwei Geschäftspartner aus Vorpommern lagen wegen des Geldes im Clinch. „Sie redeten nicht mal mehr miteinander“, sagt Mai, für die das kein Einzelfall ist. Gerade in der Unternehmensnachfolge hätten viele Betroffene aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bislang nur in einer Klage einen Ausweg gesehen. „Doch es gibt einen neuen Trend: Weg vom Zoff vor Gericht hin zur neuen Streitkultur, zur Kommunikation“, beschreibt Mai eine sinnvolle Alternative — die Mediation. Grundlage für dieses außergerichtliche Schlichtungsverfahren bildet das im Juli 2012 neu von der Bundesregierung erlassene Mediationsgesetz. Ein Meilenstein in der Gesetzgebung. Denn es fördere mündige, zufriedene Bürger, statt Sieger und Verlierer aus einem Prozess zu entlassen.

„Wer sich auf Mediation einlässt, ist erstaunt, was alles geht. Er erlebt, dass der Umgang ein anderer wird“, berichtet die Lühmannsdorferin Anne Arlt. Seit 2005 arbeitet sie, die aus der ambulanten Sozialarbeit kommt, in unterschiedlichen Lebensbereichen als Mediatorin. Dem ging eine entsprechende Ausbildung voraus, die sie zeitgleich mit Maja Mai aus Neubrandenburg absolvierte. Gemeinsam helfen die beiden Frauen in und um Greifswald Streithähnen, einen anderen Weg zu gehen als den der gerichtlichen Klage. Dabei schlagen sie selbst keine Lösungen vor, fungieren stattdessen als neutrale Vermittler. Denn die Resultate sollen die Streitenden selbst erarbeiten. „Nur dann taugen sie etwas und werden von beiden Seiten angenommen“, versichert Anne Arlt.

Dabei gehe es nicht darum, erklärt Maja Mai, die Justiz zu entlasten. Vielmehr sollen Konflikte für alle Beteiligten gewinnbringend gelöst werden. „Denn was nützt es, sich vor Gericht zu zoffen“, fragt die Rechtsanwältin. In den meisten Fällen würden Beziehungen in die Brüche und Geld verloren gehen. Vom Imageschaden für eine Firma und dem Zeitfaktor ganz zu schweigen. Das hätten in jüngster Vergangenheit auch immer mehr Unternehmer in unserer Region erkannt, die bereits Erfahrungen vor Gericht sammelten.

Im Falle von Vogt und Berg rechnete Maja Mai mit einer Verfahrensdauer von etwa drei Jahren. Kosten: an die 15 000 Euro. Für eine Mediation in dieser Angelegenheit benötigten die Frauen etwa 30 Stunden in einem Zeitfenster von einem bis drei Monaten. Einen einheitlichen Honorarsatz gebe es für Mediatoren nicht. Doch der Richtwert liege laut JuraWiki zwischen 80 und 350 Euro pro Stunde.

Darüber hinaus, so Anne Arlt, gebe es einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Das Mediationsverfahren bleibt vertraulich. Die Öffentlichkeit ist — anders als bei Gericht — ausgeschlossen.

Maja Mai weiß aus ihrem Job, wie sehr gerade dieser Aspekt Betroffene in einem Prozess belasten kann. Zudem könne der Beschluss des Richters nicht beeinflusst werden. „Er fällt seine Entscheidung nach Beweislage“, sagt Mai. Während die Streitenden in einer Mediation auch ihre Bedürfnisse darlegen können und am Ende zu einer eigenen Entscheidung gelangen. Immerhin: Fachblätter berichten davon, dass 80 Prozent aller Mediationen erfolgreich verlaufen.

Deshalb begrüßt auch Kai Jaspersen, Präsident am Landgericht Stralsund, diese Art Streitschlichtung: „Sie ist zwar kein Allheilmittel und kann die Justiz nicht ersetzen“, sagt er , der selbst eine Mediatorenausbildung durchlief. „Aber sie ist eine gute Alternative, bei der die Konfliktparteien auch ihre Interessen und Wünsche einbringen können“, so Jaspersen.

Übrigens: Auch Paul Vogt und Theodor Berg zogen nicht vor Gericht — sie lösten ihren Konflikt mittels Kooperation statt Konfrontation. * Namen von der Red. geändert.

Streitschlichtung
Wenn Unternehmen mit Kunden oder Geschäftspartnern streiten oder zwischen Kollegen Differenzen bestehen, kann ein Mediator weiterhelfen. Als neutraler Dritter erkundet er Interessen und Bedürfnisse der Konfliktparteien und versucht, Verständnis für die Sichtweise der Gegenseite zu wecken.

Gemeinsam werden in einem strukturierten Verfahren eigenverantwortlich Wege zur Konfliktlösung gefunden. Am Ende steht eine Vereinbarung, die notariell beglaubigt werden kann.

Infos/Kontakt: annecarlt@aol.com oder www.ra-maja-mai.de

Petra Hase

Redaktion: 03 834/793 687

Leserservice: 01802/381 365 Anzeigenannahme: 01802/381 366

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