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Greifswald Menschenleeres Vorpommern: Über 100 Jahre unbesiedelt
Vorpommern Greifswald Menschenleeres Vorpommern: Über 100 Jahre unbesiedelt
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04:46 02.03.2013
Slawische Keramik war in Skandinavien sehr begehrt.“Prof. Felix Biermann Quelle: privat

Seine Forschungsergebnisse stellte Biermann diese Woche im Landesmuseum vor. Er arbeitet in Göttingen, 2001 bis 2007 lebte er in der Universitäts- und Hansestadt, wo er sich auch habilitierte.

Damit widerlegt der Experte die früheren Erkenntnisse von Joachim Hermann, dem „Papst“ der DDR-Archäologen. Er hatte angenommen, dass Slawen bereits im 6. Jahrhundert nach Vorpommern einwanderten.

Schriftquellen verraten so gut wie nichts über das 6. und 7. Jahrhundert, erinnert Biermann. Die Wissenschaftler sind auf archäologische Zeugnisse angewiesen. Dank neuer Verfahren wie der Dendrochronologie (Zeitbestimmung über die Jahresringe von Bäumen) lassen sich heute Ausgrabungsfunde viel genauer als früher datieren. Die Erkenntnisse beziehen sich vor allem auf die gefundene Keramik, die zunächst einfacher und später aufwändiger gestaltet wurde.

„Die letzten Germanen, die um 600 unseren Raum verließen, sind den ersten Slawen höchstwahrscheinlich nicht begegnet“, sagt der Historiker. Bis diese im Zuge ihrer immer stärkeren Ausbreitung — im Westen bis an die Elbe und Saale, im Süden bis nach Griechenland — auch in den unwirtlichen Norden kamen, verging viel Zeit. So richtig los ging es mit der slawischen Besiedlung erst im 8.

Jahrhundert. Zu den Fundorten gehören beispielsweise Menzlin an der Peene bei Anklam (721) und Göslow bei Görmin (771). Letzterer Fund gehört schon in eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, die laut Biermann im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts begann. Sie ist untrennbar mit den großen Seehandelsplätzen wie Wollin, Ralswiek, Menzlin, Rostock-Dierkow und Groß Strömkendorf verbunden. Hier waren auch Skandinavier präsent, wie beispielsweise die erhaltenen „Wikingergräber“ von Menzlin belegen. Slawische Keramik war ein begehrtes Gut im Norden. Den Pelzen aus dem heutigen Vorpommern ging es ebenso.

„Dass es Slawen als Kommunikationsgemeinschaft, als Sprachgruppe gibt, wissen wir sicher erst aus dem 6. Jahrhundert“, so Biermann. Seiner Ansicht nach war deren Heimat ein Gebiet, das heute zur Westukraine und zu Weißrussland gehört. Die auch heute noch von polnischen Wissenschaftlern vertretene Ansicht, dass sich die Urheimat der Slawen auf dem Territorium des heutigen Polen befindet, hält der Professor für falsch.

Warum die Germanen und Slawen damals überhaupt ihre Heimat verließen, das sei nicht vollständig klar. Wahrscheinlich habe der „Druck“ anderer Gruppen eine Rolle gespielt. Das waren vor allem Reiternomaden wie Hunnen und Awaren.

„Im 9. Jahrhundert bildeten sich große Stämme wie die Wilzen und Obodriten heraus“, so Biermann. Die Slawen bauten mächtige Burgen. Die von Rothemühl (Vorpommern-Greifswald) ist mit fast 400 Metern Durchmesser eine der größten. Auch Ukranen und Pomoranen „entstanden“ nun. Wer sehen will, wie sie damals lebten, denen empfiehlt Felix Biermann das Freilichtmuseum „Ukranenland“ bei Torgelow.

Eckhard Oberdörfer

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