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Millionen für die Medizin — woanders herrscht Stau am Bau

Greifswald Millionen für die Medizin — woanders herrscht Stau am Bau

Nur noch Kleinigkeiten fehlen: Laut Prof. Reiner Biffar, Dekan der Medizinischen Fakultät, ist sein Fachbereich gut aufgestellt. Jetzt muss Geld in andere Teile der Uni fließen.

Greifswald. Dreistellige Millionenbeträge wurden seit der Wende in die Greifswalder Universitätsmedizin investiert. Kürzlich wurde mit dem neuen Diagnostikzentrum das Herzstück des neuen Klinikums eingeweiht. Aber die Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten ist immer noch am alten Standort und die Büros der Zahnärzte befinden sich darum immer noch in der Rotgerberstraße.

Der Bau neuer Räumlichkeiten für die Forschung müsse noch abgeschlossen werden, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät und Wissenschaftliche Vorstand der Hochschulmedizin, Prof. Reiner Biffar.

„Insgesamt gesehen sind die Voraussetzungen für Forschung, Lehre und Behandlung der Kranken in Greifswald dank der Investitionen des Landes heute aber sehr gut.“ Was fehle, das seien eher Kleinigkeiten.

„Für eine moderne Ausbildung benötigen wir auch dringend ein Lern- und Lehrzentrum“, stellt Biffar fest. „Das wollen wir in der früheren Klinik für Urologie einrichten. So ein Zentrum ist heute Standard.“ Aber Landesgeld für diese Investitionen ist nicht in Sicht. „Wir müssen nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten suchen“, kommentiert Biffar. Eines ist für ihn klar: Es gibt andere Bereiche der Universität, die jetzt erst einmal bedacht werden müssen.

Der „Stau am Bau“ ist nach wie vor lang. Ein krasses Beispiel baulicher Missstände sei das Institut für Psychologie in der Mehringstraße. So stehen das Gebäude des Historischen Instituts und das frühere Physikalische Institut im historischen Zentrum leer. Dass die Medizin Verantwortung für die gesamte Uni wahrnehme, belege der Bau der neuen Mensa am Beitzplatz, den das Klinikum finanzierte, ergänzt Biffar. Das akademische Speisehaus hätte es ohne die 17-Millionen-Euro-Investition auf absehbare Zeit nicht gegeben.

Der Dekan verweist auf die Erfolge bei der Drittmitteleinwerbung. Ihre Summe 2012: über 21,3 Millionen Euro. Die Zeichen stehen weiter auf Anstieg. „Wir stehen im Land sehr gut da“, sagt der Wissenschaftliche Vorstand. Bewährt habe sich die Konzentration auf Bereiche wie Community Medicine, experimentelle und molekulare Medizin. „Unser Schwerpunkt ist die integrierte, individualisierte Medizin“, so Biffar.

Drittmittel seien aber nicht der einzige Maßstab erfolgreicher Forschung. Das belege beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Rechtswissenschaften, die sehr gut laufe, ohne dass es dafür großer Drittmittelprojekte bedürfe. Gute Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften müsse auch nach anderen Indikatoren als der Einwerbung von Geldern beurteilt werden, betont der Dekan.

Probleme? „Eine Schwäche ist das Fehlen von genug Partnern für eine anwendungsorientierte Forschung in der Region, beispielsweise von Medizingeräteherstellern“, sagt Biffar. „Da könnten wir mehr leisten.“ Die Entwicklung und Produktion von Monitoringgeräten für die Prävention wäre ein erfolgversprechendes Projekt, an dem Biffar selbst gern mitwirken würde. Bio- und Plasmamedizin könnten für Greifswald künftig ebenfalls anwendungsorientierte Akzente setzen, meint der Dekan. Darum befürworte die Hochschulmedizin die geplante Einrichtung eines Plasmatechnikums an der Hausdorffstraße. Ideal wäre die Ansiedlung eines Fraunhofer-Institutes, schätzt Biffar ein, sie würde eine Lücke schließen. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa.

Die Ansiedlung eines Fraunhofer- Institutes wäre ideal.“Prof. Reiner Biffar

 

Eckhard Oberdörfer

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