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Missbrauch: Gericht folgt Staatsanwalt

Greifswald Missbrauch: Gericht folgt Staatsanwalt

Zu einem Jahr und zwei Monaten Haft wurde ein 53-jähriger Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Amtsgericht Greifswald verurteilt (die OZ berichtete).

Greifswald. Zu einem Jahr und zwei Monaten Haft wurde ein 53-jähriger Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Amtsgericht Greifswald verurteilt (die OZ berichtete). Viele Leser der OSTSEE–ZEITUNG können das nicht verstehen, zumal die Strafe für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das wird auch in Kommentaren auf der Facebook-Seite deutlich.

OZ hat sich darum vom Pressesprecher des Amtsgerichts, Richter Andreas Hennig, die Gründe für dieses Urteil näher erläutern lassen. „Das Gericht ist dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt“, sagt Hennig. „Ein sexueller Missbrauch ist keine Vergewaltigung.“ Dieser Begriff sei sehr weit gefasst.

Der Mann war angeklagt worden, sich im September und im Dezember 2005 als Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas im Königreichsaal in Greifswald an zwei minderjährigeren Jungen während religiöser Zusammenkünfte vergangen zu haben. Dabei ging es um Handlungen, die der Mann im Beisein der Kinder an sich selbst beziehungsweise direkt an den Kindern vorgenommen hatte, so die Staatanwaltschaft. Einer der Jungen war zum Tatzeitpunkt zwölf Jahre alt. Erst 2014 wurden die Vorfälle angezeigt.

„Der Angeklagte war in vollem Umfang geständig“, betont Richter Hennig. Damit habe er es den Opfern erspart, als Zeugen über die Vorfälle noch einmal vor Gericht zu berichten. „Das wird in solchen Fällen sehr strafmindernd berücksichtigt“, betont der Richter.

Drittens war der 53-Jährige nicht vorbestraft. Der Richter verurteilte ihn für die beiden Taten zu jeweils acht Monaten Haft, üblicherweise werde das dann beim Gesamtstrafmaß zu einer geringereren Zeit „addiert“.

Außerdem muss der Greifswalder 900 Euro Geldstrafe an den Kinderschutzbund zahlen. Die Höhe der Geldstrafe entspricht einem derzeitigen Monatsgehalt des Mannes. Das Urteil des Amtsgerichts ist rechtskräftig.

eob

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