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Mit Aufhebung des Zolls kam das Ende des zweiten Mühlentores

Greifswald Mit Aufhebung des Zolls kam das Ende des zweiten Mühlentores

Bei den Arbeiten für die Sanierung der Fußgängerzone wurden Reste der einstigen Befestigungsanlagen Richtung Schuhhagen entdeckt.

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Das Fleischertor mit Wache und Torschreiberhaus in Greifswald.

Quelle: Bildsammlung des Caspar-David-Friedrich-Institutes

Greifswald. Die mittelalterlichen Feldsteinfundamente des Mühlentores haben über 700 Jahre überdauert. 1264 erhielt Greifswald das Recht, eine Stadtmauer zu errichten. Das Mühlentor wird 1301 erstmals erwähnt.

„Als 2009 der Schuhhagen erneuert wurde, haben wir noch Feldsteinfundamente des mittelalterlichen Tores gefunden“, erzählt Gianina Schindler. Sie leitet die Ausgrabungen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Straße Am Mühlentor. Dabei wurden jetzt erneut Reste der früheren Befestigungsanlage der Stadt entdeckt.

Es handelte sich aber bis auf ein kleines Stück der mittelalterlichen Befestigung im Wesentlichen um Anbauten des Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten zweiten Mühlentores. Zu erkennen waren hier Teile der Torwache und des Torschreiberhauses. Die Gebäude waren Richtung Loefflerstraße sogar unterkellert. Die freigelegten Mauern sind inzwischen beseitigt worden. „Unsere Vorfahren rissen nur ab, was unbedingt nötig war“, kommentiert die Archäologin. „Jetzt erfolgt ein Straßenaufbau für die Ewigkeit.“ In zwei bis drei Monaten werde man wahrscheinlich auf der anderen Seite weitere Reste des Mühlentores und der Anbauten sehen, blickt Schindler voraus.

Der mittelalterliche Bau wurde als erstes altes Stadttor in Greifswald überhaupt bereits 1800 abgerissen. „Schon 1801 legte der akademische Zeichenlehrer Johann Gottfried Quistorp Pläne für einen Neubau vor“, berichtet Schindler. Quistorp ist nicht nur der erste Lehrer von Caspar David Friedrich. Er war auch der wohl wichtigste Architekt der Stadt in dieser Zeit. Daran erinnert bis heute eine Reihe von Häusern.

Allerdings dauerte es noch fünf Jahre, bis der Grundstein für den Neubau des Mühlentores gelegt wurde. Fertig wurde es erst fast ein Jahrzehnt später. Denn die Kriege Napoleons erreichten damals auch Schwedisch-Pommern, Greifswald wurde erstmals 1807 französisch besetzt. 1811 erfolgte die Belegung des Gesimses des Mühlentores mit Kupfer, und die Schmuckvasen folgten erst ganz am Ende der Schwedenzeit, nämlich 1814.

„Eine Wehrfunktion hatte das Tor nicht mehr“, betont Schindler. Es war ein Repräsentationsbau, ein Schmuck der Stadt. Es gab darüber hinaus einen praktischen Grund für den Neubau. Menschen und Fahrzeuge sollten nicht ohne Kontrolle Greifswald betreten dürfen. Außerdem kassierte man Wegegelder und für eingeführte Waren war ein Zoll zu entrichten. Die zuständigen Mitarbeiter benötigten Räume, im Fall des Mühlentores waren das neue Anbauten. „In den 1860er Jahren erfolgte eine Neuordnung der Zölle“, so Schindler. „Die Tore verloren ihre Funktion und wurden ab 1867 abgebrochen.“ Im Falle des Mühlentores war das 1872 der Fall. In einer knappen Woche erledigte Maurermeister Gaede im April jenes Jahres diesen Auftrag. Dafür zahlte Greifswald 121 Reichstaler.

Für die Stadt war das kein Verlustgeschäft. Kupferabdeckung und Ziervasen brachten bei einer Versteigerung 430 Taler.

Eine Wehr-
funktion hatte das Tor nicht mehr.“Gianina Schindler, Archäologie

 



Eckhard Oberdörfer

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