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Mit Plasma gegen offene Beine

Greifswald Mit Plasma gegen offene Beine

Wissenschaftler des Greifswalder Leibniz-Instituts wollen mit einem besonderen Plasma die Märkte erobern.

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René Bussiahn, Stephan Krafczyk und Carsten Mahrenholz im Labor bei der Erzeugung von Plasma.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Chronische Wunden von Diabetikern und älteren Leuten, offene Beine oder durch Wundliegen entstandene Geschwüre schneller und besser zu heilen. Das ist das Ziel von Coldplasmatech (die Abkürzung steht für Kaltplasmatechnik). So heißt die Firma, deren Ausgründung aus dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) im nächsten Jahr geplant ist.

Der Biologe und Chemiker Dr. Carsten Mahrenholz (34), der Plasmaphysiker Dr. René Bussiahn (40), der Ingenieur Stephan Krafczyk (31) und der Medizinökonom Tobias Güra (27) arbeiten an einer neuartigen „Plasmawundauflage“, einem Spezialpflaster auf Silikonbasis. Das Spezialsilikon ist eine Entwicklung des deutschen Chemiekonzerns Wacker. Plasma, ein ionisiertes Gas, wird aus der Umgebungsluft direkt auf der Wunde erzeugt.

Plasma kommt in der Natur in Blitzen oder Polarlichtern vor. Die Sonne besteht wie die meisten Sterne aus sehr heißem Plasma. Vor Hitze müssen sich die Patienten nicht fürchten. Das Plasma der Silikonauflage ist kalt. Die Raumtemperatur wird nur geringfügig überschritten. Plasma tötet Mikroorganismen und unterstützt die Wundheilung. „Das beruht auf einer Kombination der verschiedenen Bestandteile“, sagt Mahrenholz. „Wie die Komponenten, wie freie Radikale, UV-Licht oder elektromagnetische Felder, bei der Wundheilung wirken, daran wird intensiv geforscht“, erklärt Mahrenholz. „Es ist eine ganz junge Technologie für den Einsatz in der Medizin, mit der ganz erstaunliche Wirkungen bei Mensch und Tier in den letzten zehn Jahren erreicht wurden.“ Ein großer Vorteil: Plasma tötet Keime und Pilze, ohne dass bisher Resistenzen beobachtet wurden. Das eröffnet große Chancen beim Kampf gegen die multiresistenten Keime, einem zentralen Problem moderner Krankenhaushygiene. Was bereits möglich ist, hat das Team gerade in Aachen erfahren. Dort war Greifswalder Know-how gefragt, um einer Patientin mit schwersten Verbrennungen zu helfen — man hatte es ihr als letzten Ausweg empfohlen. „Die Frau hatte eine Hauttransplantation mit eigenen Zellen erhalten“, berichtet Mahrenholz. Aber die gesamte Oberfläche war mit Bakterien besiedelt, die der medikamentösen Standardbehandlung widerstanden. Das Plasma half.

„Unser Institut ist bei der Anwendung kalter Plasmen in Europa führend“, sagt der Ingenieur des Teams selbstbewusst. Mit einem Plasmastift wurde am INP in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité und der Universitätsmedizin Greifswald ein Gerät entwickelt, das bereits zur Wundheilung eingesetzt wird (die OZ berichtete). Das neue „Plasmapatch“ macht die großflächige Behandlung noch leichter und besser. Es sei noch einiges zu tun, jedoch wäre zukünftig die Anwendung durch den Betroffenen zu Hause denkbar, blickt Mahrenholz voraus.

Denn das Team Coldplasmatech hat beim diesjährigen Unique-Wettbewerb um die besten Ideen im Land den ersten Preis geholt. Er ist mit 2000 Euro dotiert. Erst einmal gelte es, die Anwender, also Ärzte und Patienten, zu erreichen. Denn die beste Technik nütze nichts, wenn sie keiner kennt. „Als innovative Technologie mit großem Potenzial für die Gesellschaft werden wir vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt“, berichtet Güra. „Unser Produkt muss nach der Ausgründung 2015 zertifiziert und den Patienten zugänglich gemacht werden“, erläutert Mahrenholz. Greifswald sei auf lange Sicht Entwicklungsstandort der Wahl. „Hier gibt es das meiste Wissen auf diesem Gebiet“, begründet Bussiahn.

Eine andere Sache sei der Vertrieb des Spezialpflasters. Dafür benötige man Standorte nahe den großen Klinikverbünden.

Ideenwettbewerb
Unique, ein Ideenwettbewerb der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zur Förderung von Unternehmensgründungen, fand jetzt zum achten Mal statt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Produktions- und Dienstleistungssektor genutzt werden.
In diesem Jahr fand Unique zum zweiten Mal in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie statt.
Im Herbst gibt es als Fortsetzung den „Unique + Businessplanwettbewerb“. Auftraggeber ist das Bildungsministerium, das Geld gibt die EU.

 



Eckhard Oberdörfer

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