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Mobil auf dem Land: Ruf „Ilse“

Greifswald Mobil auf dem Land: Ruf „Ilse“

Berlin fördert Projekt des Landkreises / Integrierte Leitstelle bekommt weitere Aufgaben

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Dr. Volkmar Lang, Leiter der Integrierten Leitstelle des Kreises (3.v.r.) , erläuterte den Besuchern aus Berlin das „Ilse“-Projekt. FOTOS (2): C. MEERKATZ

Greifswald. Mit „ILSE“ kommen Einwohner vom Land künftig schnell und preisgünstig zum Arzt. Davon jedenfalls ist nicht nur Kreissozialdezernent Dirk Scheer (parteilos) überzeugt, sondern auch das Bundesverkehrsministerium. Der Kreis Vorpommern-Greifswald wurde vom Ministerium als eine von 18 Modellregionen für das Projekt „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ ausgewählt, weil hier viele alte Menschen auf weiter Fläche in den Dörfern leben. „Und dort wollen sie auch nicht weg, wenn ihnen vor allem garantiert wird, dass sie problemlos zum Arzt kommen“, weiß Dirk Scheer.

 

OZ-Bild

Unsere ’Ilse’ ist sehr innovativ. Ich bin begeistert davon.Dirk Scheer Kreissozialdezernent

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„ILSE“ ist die Abkürzung für „Integrierte Leitstelle für Notfallversorgung, Medizinverkehr und ÖPNV“. Die Zentrale für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Greifswald soll Koordinierungszentrale werden. „Damit lässt sich die medizinische Daseinsvorsorge und die Mobilität älterer Menschen auf dem Dorf gewaltig verbessern“, ist Dr. Timm Laslo, Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst im Kreis, überzeugt. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sei man gewillt, Kranken- und Rufbusfahrten zu bündeln, um von den Krankenkassen bezahlte Patientenfahrten für Jedermann zu öffnen, erklären er und Scheer den Vertretern des Ministeriums. „Wenn das Taxi oder der Krankentransport noch freie Plätze hat, können auch andere mitfahren“, beschreibt Laslo.

Der Leiter der Arbeitsgruppe Demografischer Wandel des Ministeriums, Dr. Bernd Rittmeier, überzeugte sich gestern in der Integrierten Leitstelle des Landkreises in Greifswald von den Ideen, die der Eigenbetrieb Rettungswesen zusammen mit der Uni Greifswald, dem Wissenschafts- und Technologiepark Nordost und der Berliner Beraterfirma KCW entwickelt hat.

In vielen, vor allem abgelegenen oder sehr kleinen Orten, ist die Mobilität oft nicht mehr gegeben. „Manchmal fährt nur einmal am Tag ein Schulbus und in den Ferien gar nichts“, erinnert Prof.

Steffen Fleßa von der Universität Greifswald. Aber für 50 Euro und mehr ein Taxi zu ordern, könnten sich viele nicht leisten. Andererseits gebe es Krankenfahrten, bei denen nur ein Patient zu transportieren sei und Rufbusse, die nicht im Einsatz seien, weil niemand von ihnen wisse. Die Krankenkassen vom Projekt zu überzeugen, sei nicht leicht gewesen, „aber sie machen mit“, freut sich Dirk Scheer. Und nicht nur er: In Berlin ist man von der Idee, die sich später auch auf andere Bereiche ausdehnen lässt, so angetan, dass Rittmeier und weitere Verantwortliche drei Tage lang im Landkreis unterwegs sind und sich vor Ort umschauen.

Zudem hat Rittmeier die Vertreter der anderen 17 ländlichen Modellregionen, die ebenfalls gefördert werden, gleich noch zu einem Workshop nach Greifswald eingeladen. „Hier ist man einfach am weitesten und nimmt eine Vorreiterrolle ein“, betont er.

Über ein zentrales Dispositionssystem und eine einheitliche Telefonnummer sollen Patienten und Fahrgäste im Kreis künftig über die Leitstelle, das Internet oder eine App ihre Fahrtwünsche anmelden, die dann automatisch zu Touren kombiniert werden. Auch der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald, Dirk Zabel, findet das Vorhaben praktikabel. Rufbusse könnten so viel öfter fahren.

Nachdem für die Greifswalder Leitstelle ein Betreibermodell entwickelt wurde, erfolgt nun die Umsetzung in die Praxis. Dafür wurde das Amt Peenetal/Loitz ausgewählt. Dort rührt man schon kräftig die Werbetrommel für das bislang in Deutschland einzigartige Vorhaben. Neben dem Medbus, der kostenlose Krankenfahrten mit der Beförderung von Patienten gegen kleines Entgelt koppelt, und dem Medkurier (Transport medizinischer Kleingüter wie Medikamente durch Sanitätshäuser) soll es in diesem Bereich auch Rufbusse des öffentlichen Personennahverkehrs und Mitfahrgelegenheiten von Pflegediensten geben. Ab November soll „ILSE“ richtig Fahrt aufnehmen und in aller Munde sein.

Einprägsamer Name für großes Vorhaben

ILSE ist die Abkürzung für „Integrierte Leitstelle für Notfallversorgung, Medizinverkehr und ÖPNV“. Der kurze, bekannte Name soll eine ähnliche Popularität erlangen wie seinerzeit Schwester Agnes.

Eine einheitliche Telefonnummer: Damit sollen künftig vor allem ältere Menschen, die auf dem Land leben, die Möglichkeit haben, die Fahrt zum Arzt, zur Fußpflege oder zu Behörden anzumelden.

Das Modellprojekt wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert und startet im Amt Peenetal-Loitz. Nach der erfolgreichen Erprobung soll es auch in anderen Ämtern des Kreises umgesetzt werden.

Cornelia Meerkatz

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