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Greifswald Grober Umgang mit steinernem Erbe
Vorpommern Greifswald Grober Umgang mit steinernem Erbe
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17:03 14.01.2019
Insgesamt etwa 150 Bodendenkmale, darunter etliche Trogmühlen, wurden in Haufenform auf dem Gelände der Tierparkverwaltung abgeladen. Quelle: Tom Schröter
Wolgast

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht: Mitstreiter des Tierparks im Tannenkamp wollten dem Schattendasein des Mühlensteinparks in Wolgast-Nord ein Ende bereiten. Die weit über 200 Ausstellungsstücke sollten nicht länger von Gras überwuchert, sondern stattdessen künftig im Tierpark möglichst öffentlichkeitswirksam präsentiert werden.

Doch die Umsetzung des Vorhabens ging bisher gründlich schief. Denn: Längst nicht alle vom Gelände an der Dr.-Theodor-Neubauer-Straße abtransportierten Objekte kamen im Tierpark an. Und jene Artefakte, die ihren Weg in den Tannenkamp fanden, wurden so abgekippt, dass hier und da große und kleine Teile abplatzten. Ein anderer gehöriger Anteil der Exponate wurde aussortiert und lagert nun als Haufen auf dem Gelände des städtischen Baubetriebshofs am Ziesaberg. Auch mehrere dieser Fundobjekte haben durch den groben, unsachgemäßen Umgang Schaden genommen.

Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin ist auf die Art und Weise aufmerksam geworden, wie man in Wolgast mit dem wertvollen archäologischen Fundmaterial umgeht. „Es ist sehr bedauerlich, was hier passiert ist“, meint Dr. Michael Schirren, Dezernent im Bereich Archäologie und Denkmalpflege. Er kennt den Mühlensteinpark in Wolgast-Nord laut eigener Aussage. „Es handelt sich hier um bewegliche Bodendenkmale.“

Schirren will nicht spekulieren, sondern genau klären lassen, was in Wolgast abgelaufen ist. „Ich habe den Sachverhalt dem Landkreis als Ordnungsbehörde übergeben“, sagt er. Dort solle festgestellt werden, warum der Park geräumt wurde, wer dies veranlasst hat und auf welcher Grundlage Fundstücke aussortiert wurden. „Wer hatte die fachliche Kompetenz zu sagen: Das ist erhaltenswert und das kann weg?“, fragt Schirren. Offenbar habe bei dieser Entscheidung Sachkenntnis keine Rolle gespielt.

Zusammengetragen wurde das Kulturgut einst vom ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Peter Wussow. „Die Fundstücke stammen unter anderem aus dem Raum Swinemünde, Anklam und Greifswald“, berichtet der 81-jährige Wolgaster. Ab den 1960-er Jahren, als die LPG’n die Steine von ihren Nutzflächen sammelten und zum Beispiel in Sölle entsorgten, hätten er, seine Familie und Freunde so manchen seltenen Fund gemacht. Die Sammlung war auch das Ergebnis von Flurbegehungen im Raum Wolgast und Usedom.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1991: Bodendenkmalpfleger Peter Wussow platziert einen Mühlenstein im Wolgaster Mühlenpark an der Dr.-Theodor-Neubauer-Straße. Quelle: Peter Machule

Nach und nach hielt eine Vielzahl steinzeitlicher Mühlen, Trogmühlen, Reibplatten, Quernen (Hand- oder Drehmühlen) sowie einige Mühlensteine der Neuzeit im hiesigen Mühlensteinpark Einzug, wo sie unter Bäumen lagerten. In eindrucksvoller Weise dokumentierten sie, dass der Stein seit Jahrtausenden Hauptwerkzeug der Menschen war und bisweilen noch heute ist. Das Freilichtmuseum barg darüber hinaus Fossilien von Korallen, Schwämmen, Mollusken, Muscheln, Ammoniten, Belemniten, Seeigel, Trilobiten, Sternberger Kuchen und Nautiliden. Dies ging aus Informationen hervor, die bis vor Kurzem auf der Internetseite der Stadt zu finden waren, jetzt aber gelöscht sind. Der Mühlensteinpark, so ist dort nun zu erfahren, sei „im Umbau“.

Tierparkleiter Mirko Daus ist ebenfalls alles andere als glücklich darüber, wie bei der Umlagerung der steinernen Zeugnisse der Vergangenheit verfahren wurde. „Wie das Abladen erfolgt ist, ist katastrophal. Mehrere Objekte sind kaputt gegangen“, schimpft er. Die Idee, die Exponate im Tierpark auszustellen, stammt von Lars Bergemann, Vorstandsmitglied des Tierparkvereins. Auch Bergemann räumt ein, dass man im Vorfeld und während der Aktion mehr Sorgfalt hätte walten lassen müssen.

Auch diese beiden Mühlsteine aus jüngerer Zeit gehörten zum Fundus des Mühlsteinparks in Wolgast-Nord, der Ende 2018 geräumt wurde. Quelle: Tom Schröter

Vereinsvorsitzender Andreas Pantermehl guckt nach vorn. „Wir werden den Mühlensteinpark wieder in eine würdige Form bringen und in Kooperation mit der Bodendenkmalpflege ein Projekt daraus entwickeln“, verkündet er. Zunächst jedoch müssten die im Tierpark geplanten umfangreichen Erdarbeiten abgewartet werden. Möglicherweise können auch Dokumentationen über die einzelnen Fundstücke in das Projekt einfließen. Wie Peter Wussow sagt, habe er betreffendes Material seinerzeit dem Landratsamt übergeben. Pantermehl will sich auch um die als „Reste“ am Ziesaberg abgeladenen Objekte kümmern. „Wir lassen das dort nicht liegen, denn das kriegen wir nie wieder“, betont er. Peter Wussow kann das nur begrüßen: „Die Steine müssen alle zum Tierpark gebracht werden.“

Tom Schröter

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