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Museum als Identitätsstifter: Jubiläum in Pasewalk

Pasewalk Museum als Identitätsstifter: Jubiläum in Pasewalk

Die Stadt Pasewalk wollte schon seit fast 100 Jahren ein Museum einrichten / Es wurde aber erst 1996 etwas / Nun wird mit zwei Festwochen das Jubiläum gefeiert

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Anke Holstein, die Leiterin des Pasewalker Museums, zeigt ein Original des Zeichners Paul Holz.

Pasewalk. Museumsleiterin Anke Holstein in Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) ist etwas gelungen, worauf viele Museen stolz wären. „Wir haben unsere Besucherzahlen seit 2012 mehr als verdoppelt“, sagt die Kunsthistorikerin. Rund 3400 Gäste wurde 2015 gezählt. „Das wäre ein Drittel der Einwohner und das ist sehr gut“, erklärt auch Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (SPD).

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Die Stadt Pasewalk wollte schon seit fast 100 Jahren ein Museum einrichten / Es wurde aber erst 1996 etwas / Nun wird mit zwei Festwochen das Jubiläum gefeiert

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Von diesem Sonntag an feiern die Pasewalker das 20-jährige Bestehen ihres Museums, das sich zu einer Kulturzentrale entwickelt hat, die den Menschen unweit der Grenze zu Polen Identität stiften soll.

Die Gründe sind vielschichtig. Die Stadt lag als Handelszentrum an der Uecker immer zwischen den Fronten. Ob Slawen, Pommern, Mecklenburger, Schweden oder Preußen: Mehrfach wurde das im 13.

Jahrhundert gegründete Pasewalk erobert, zerstört und wieder aufgebaut, sagt Holstein. So war es auch 1945. „In den letzten Kriegstagen wurde die Stadt angezündet, von den großen Häusern blieben fast nur die Denkmäler stehen“, erläutert die Museumsleiterin.

Weil das Zentrum Stettin durch Stalins Entscheidung 1945 doch noch an Polen fiel, kamen viele deutsche Flüchtlinge, die sich in und um Pasewalk niederließen. „Die Leute sagen auf Geburtstagen von Senioren immer: Wir stammen nicht von hier“, weiß die Bürgermeisterin. Das Thema „Identität“ sei in Pasewalk ein ganz schwieriges Unterfangen.

Auch daran sollen die „Jubiläumswochen“ vom 8. Mai an erinnern. Geplant sind unter anderem die Buchpremiere „Neubeginn in Trümmern“, Führungen, Konzerte und eine Heimatstubentour. Der Neubrandenburger Hochschulprofessor Peter Dehne plant einen Vortrag über „Pampaparadiese“. Es gehe darum, warum Kunst und Kultur im ländlichen Raum so wichtig sind, erklärt Dehne im Programm.

So sehen Nachtweih und Holstein in dem erst 1996 gegründeten Museum einen wichtigen Standortfaktor für die nach 1990 wirtschaftlich arg gebeutelte Region. So verlor Pasewalk einen großen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb, die Bahn als größten Arbeitgeber sowie viele Militärangehörige durch den Abbau der Nationalen Volksarmee. „Wir hatten 16 000 Einwohner, jetzt sind es noch 10 500“, sagt Nachtweih.

Inzwischen sind Krankenhaus, Callcenter, Kreis- und Stadtverwaltung die größten Arbeitgeber. „Wir wollen mehr Touristen anlocken“, sagt die Museumsleiterin, was mit dem Radweg Berlin-Usedom und einigen Wasserwanderern auf der Uecker auch langsam klappe. Auch Berliner stoppten auf dem Weg ans Stettiner Haff oder an die Ostsee manchmal.

Im mittelalterlichen Prenzlauer Tor finden Gäste Uniformen, die an die damals wichtige Kürassierzeit erinnern. Alte Karten zeigen interessante Stadtansichten und im obersten Geschoss befindet sich die Gedenkstätte für den bekanntesten Künstler der Region — Paul Holz (1883-1938). Kunstexperten reihen den pommerschen Maler in die Riege großer Zeichner des 20. Jahrhunderts ein, wie Käthe Kollwitz oder Ernst Barlach. „Wir haben gerade ein weiteres Original von ihm geschenkt bekommen“, freut sich die Museumsleiterin.

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit trägt ebenfalls Früchte. So haben sich rund 180 polnische Bürger niedergelassen und tragen 71 Jahre nach Kriegsende zum Zusammenwachsen bei. Vor zwei Jahren war Pasewalk noch in die Schlagzeilen geraten, weil ein NPD-Mann Nachtweih den Bürgermeistersessel streitig machen wollte. Er bekam nur 7,9 Prozent Stimmen, seither ist es ruhig geworden um den Rechtsextremen.

„Pasewalk hat nicht viel alte Bausubstanz, aber was wir haben, können wir vorzeigen“, erklärt Holstein, die im Ausland und in Hamburg berufliche Erfahrungen gesammelt hat. Zwei große Kirchen, Stadttore, der Turm „Kiek in de Mark“ sowie die restaurierte Stadtmauer erinnern an früher. Und dabei hatten die Pasewalker auch Glück. Vor fast 100 Jahren sorgte ein pommerscher Konservator dafür, dass das Prenzlauer Tor — das damals schon Museum werden sollte — nicht abgerissen wurde.

Von Winfried Wagner

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