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Musik als Sprache: Albert Schweitzer und Bach

Greifswald Musik als Sprache: Albert Schweitzer und Bach

Wenn von Johann Sebastian Bach, seiner Musik, ihrem ästhetischen Wesen und den Spezifika einer Wiedergabe die Rede ist, dann fällt der Name Albert Schweitzers mittlerweile eher selten.

Greifswald. Dabei sind diesem weltweit verehrten Theologen, Philosophen, Arzt, Musikwissenschaftler und Organisten hinsichtlich Bachs wichtige Denkanstöße zu danken. Darauf aufmerksam zu machen, hatte Prof. Matthias Schneider im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Bestehen des Urwaldhospitals Lambarene zu einem kommentierten Benefiz-Orgelkonzert in den Greifswalder Dom eingeladen und das Bild des Bachenthusiasten Schweitzer mit informativen Kurzbeiträgen zum Theologen (Prof. Christfried Böttrich) und Arzt (Prof. Otto-Andreas Festge) abgerundet.

Sein eigenes Statement konzentrierte sich auf Schweitzers These von der im Wortsinne bildhaft konkreten „Sprache“ Bachs. Und das auch in der nicht wortgebundenen Musik, etwa in der Choralvorspielsammlung des sogenannten „Orgelbüchlein“. Dort sah Schweitzer den Schlüssel zum richtigen Bachverständnis, indem er die Musik als Auslegung des Textes deutete. Bach war ihm ohnehin der „musicien poète“ — so in der französischen Biographie von 1905. Damit war eine Bach-Sichtweise in der Welt, die dichterische Ideen und „Bilder“ in den Vordergrund stellte und schon mal zu direkten Vergleichen mit Wagners Wort-Ton- Beziehungen führte. Man muss Schweitzers Gedanken vom „Orgelbüchlein“ als einem „Wörterbuch der Bachschen Tonsprache“ oder „dem größten Ereignis in der Musik überhaupt“ nicht im Detail folgen, aber es ist schon ein Vorteil, um solchen ja nicht aus der Luft gegriffenen Zugang überhaupt zu wissen. Und so dürfte man vorgestern den Schneiderschen Orgelvorträgen mit besonderer Aufmerksamkeit gefolgt sein: sechs sehr „griffigen“ Beispielen aus dem „Orgelbüchlein“ (BWV 614, 615, 637, 628, 618, 616), der kühnen, höchst individualisierten Fantasie g-Moll (BVW 542), dem f-Moll-Präludium und Fuge (BWV 534) und der mit überraschender, fast umstürzlerischer Rasanz musizierten Toccata d-Moll (BWV 565). Ein erhellender Abend.

Ekkehard Ochs

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