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Mutmaßliche Affendiebe gestellt – Tier ist tot

Greifswald Mutmaßliche Affendiebe gestellt – Tier ist tot

Affe hatte schwere Verletzungen / Tierparkmitarbeiter sind sehr traurig

Greifswald. Trauer im Tierpark Greifswald: Der kleine Lisztaffe, der Anfang März aus seinem Käfig gestohlen wurde und eine Woche später wieder im Tierpark war, ist tot. Er hat seine schweren Verletzungen, die ihm beim Einfangen und dem Transport an den Beinen sowie durch falsche beziehungsweise schlechte Ernährung am Kiefer zugefügt worden waren, nicht überlebt. Zudem sei das Tier trotz aufopfernder Pflege schwer vom Stress gezeichnet gewesen.

Nach Aussage des Sprechers der Polizeiinspektion Anklam, Axel Falkenberg, gibt es zwei Tatverdächtige. Einer der beiden, ein vorbestrafter 26-Jähriger aus Schönwalde I, hat zugegeben, den Affen aus dem Tierpark gestohlen zu haben, um damit einen Teil seiner Schulden abzutragen. 500 Euro Fangprämie sollte er von seinem Auftraggeber für ein Tier erhalten. Er belastete zugleich einen 30-jährigen Mittäter schwer. Dieser schweigt allerdings. Nur weil die Affen nach dem gewaltsamen Aufbruch ihres Käfigs in völlige Panik und lautes Geschrei ausgebrochen seien, habe er vom Einfangen eines weiteren Affen abgelassen.

Die mutmaßlichen Täter haben nach Polizeiangaben das völlig verängstigte und gestresste Tier im Sack in eine Wohnung in Schönwalde I gebracht, wo ein Käfig bereitstand. Zuvor waren sie am späten Nachmittag unbemerkt in den geschlossenen Tierpark geklettert und hatten die Einzäunung des Tiergeheges durchtrennt. Da die Polizei den Tätern schnell auf die Schliche kam, zog man es vor, den Affen aus der Wohnung zu bringen und mehrere hundert Meter weiter in einem Hausflur in Schönwalde II abzustellen und den Tierpark anzurufen. Der Auftraggeber für den Diebstahl ist weiterhin unbekannt. Die Mieterin der Wohnung, in welcher der Käfig bereitstand, will sich nicht bzw. nur über ihren Anwalt äußern, wie die Polizei mitteilt.

Der Cheftierpfleger des Tierparks, Frank Tetzlaff, ist traurig und wütend zugleich: „Nur weil ein Krimineller glaubt, mit so einem Tier seine Schulden begleichen zu können und keine Ahnung von der Tierhaltung hat, musste der Affe sterben“, sagt er. Denn Lisztaffen benötigen spezielles Futter, um zu überleben. „Die Vorstellung, dass man Affen mit Bananen durchbringen kann, ist völlig abwegig.

Bei uns im Tierpark bekommen die Lisztaffen, die etwa 20 Jahre alt werden können, einen besonderen Brei, dazu eiweißreiche Kost – Heuschrecken etwa.“

Außerdem seien Lisztaffen Herdentiere, die in der Einsamkeit eingehen. In Greifswald gehörten sein Vater und mehrere Geschwister zur Herde. Tetzlaff erläutert, was den besonderen Reiz der kleinen Tiere ausmacht: „Es ist eine Primatenart aus der Familie der Krallenaffen. An den Fingern und Zehen – mit Ausnahme der Großzehe – befinden sich Krallen statt Nägel. Lisztaffen werden 20 bis 30 Zentimeter groß. Der Schwanz ist länger als der Körper und hat eine rötlich-braune Färbung, an der Spitze ist er schwarz. Herausragendes Kennzeichen der Lisztaffen sind die langen weißen Haare, die vom Kopf über die Schultern hängen.“

Derzeit leben noch vier Lisztaffen im Greifswalder Tierpark. „Es ist eine reine Männergruppe“, so Tetzlaff. Für den Kauf eines neuen Affen müsste die beliebte Familieneinrichtung bis zu 800 Euro aufbringen. „Vorerst werden wir davon Abstand nehmen. Unsere vier verbliebenen Lisztäffchen erfreuen sich bester Gesundheit und sind bei allen Besuchern wegen ihrer Kletterkünste sehr beliebt“, sagt der Cheftierpfleger.

Video auf www.ostsee-zeitung.de

Cornelia Meerkatz

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