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06:00 22.01.2019
Greifswald-Wieck bei Nacht – aufgenommen mit 360-Grad-Kamera. Quelle: Oliver Reimer
Greifswald

Gerade einmal zwei Grad zeigt das Thermometer, als Oliver Reimer am Abend aus seinem Auto steigt. Über seine Mütze zieht er eine Stirnlampe. Ansonsten gibt es keinerlei Lichtquelle, die den schmalen, mit Pfützen übersäten Plattenweg zum Holzsteg in Ludwigsburg erleuchtet. Und das muss auch so sein: Um die Sterne zu fotografieren, braucht Oliver Reimer einen möglichst dunklen Ort. Ein ungutes Gefühl oder gar Angst hat der 40-Jährige dabei nicht. „Ich kenne keinen größeren Optimisten als mich“, sagt er. „Ich habe immer nur das fertige Bild im Kopf.“

Und das muss er jetzt nur noch machen. Das Stativ hat auf dem rutschigen Holzboden einigermaßen Halt gefunden, die Kamera ist scharf gestellt. „Jetzt bin ich bereit“, sagt Oliver Reimer. Doch der Himmel ist völlig dicht – kein Stern zu sehen. „Wir müssen nur noch warten, bis das hier ein bisschen wolkenloser wird.“ Oliver Reimer ist eben Optimist.

Erste Kamera verkauft

Beigebracht hat sich der Projektleiter im Greifswalder Callcenter sein Hobby selbst. Schon als Kind und Jugendlicher experimentierte er mit Kameras herum. Mit 19 bekam er dann seine erste Spiegelreflexkamera geschenkt. Aber dann kam das Studium. „Ich hatte keine Kohle und hab' meine Kamera verkauft.“ Seine Freunde haben damals sehr mit ihm geschimpft und ihm vorgeworfen, er hätte seine Seele verkauft. „Erst später habe ich gemerkt, dass das wirklich so war.“

Leuchtende Sterne, die ISS oder die Milchstraße zu fotografieren – das reizt viele. Oliver Reimer will diese Motive immer in den Kontext seiner Heimatstadt bringen.

Dann endlich drückt sich der Sternenhimmel durch die Wolkendecke durch. Oliver Reimer beginnt zu fotografieren. Immer mit Selbstauslöser und Spiegelvorauslösung, um jede Erschütterung zu vermeiden. Mit Blick in alle vier Himmelsrichtungen macht Oliver Reimer ein Foto. Und schließlich noch eins vom Boden. Denn: Am Ende will er aus den Aufnahmen ein 360-Grad-Panorama zusammenbasteln. Knackpunkt für diese Vorliebe war ein Besuch im Yadegar-Asisi-Panometer in Dresden, wo Fotografien ausgestellt sind, die bis zu 31 Meter hoch und 110 Meter breit sind. „Da bin ich vor Begeisterung nach hinten umgefallen und wollte das unbedingt auch machen.“

„Es ist hier gerade megaschön“

Durch die lange Belichtungszeit während der Aufnahmen heißt es immer wieder warten. „Der Vorteil dabei ist, du stehst manchmal einfach hier und machst einfach nichts“, sagt Oliver Reimer. In solchen Momenten denkt er über alles Mögliche nach und ist ganz bei sich – eigentlich. „Wenn du das jetzt so schreiben würdest, würd' das viel zu romantisch klingen. Die Leute, die mich kennen, die können sich einen Oli gar nicht vorstellen, der hier einfach steht und nichts macht, weil ich sonst vieles mit einer sehr hohen Geschwindigkeit mache.“ Oliver Reimer braucht immer eine Aufgabe, Couchfreizeit ist nicht sein Ding. „Hektiker bin ich aber nicht.“

Das erste Bild ist fertig. Oliver Reimer dreht die Kamera um 90 Grad und macht das nächste. Und dann fällt ihm doch ein, was ihn in solchen Momenten bewegt. „Jetzt denk' ich darüber nach, wie die Leute zu Hause im Bett liegen und davon gerade nichts mitbekommen. Es ist hier gerade megaschön.“

Doch die Arbeit eines Fotografen beschränkt sich längst nicht mehr nur aufs Fotografieren. Am Computer arbeitet Oliver Reimer Details aus seinen Bildern heraus. „Viele Leute sind allergisch darauf, wenn etwas bearbeitet ist“, sagt er. „Aber die verstehen einfach nicht, dass unser Auge einen unheimlichen Dynamikbereich hat und in der Nachbearbeitung versuche ich, da möglichst dicht ranzukommen.“ Wer im Automatikmodus fotografiert oder ein Bild mit dem Handy aufnimmt, der hat am Ende auch ein bearbeitetes Bild. „Das Handy hat Kontrastwerte und Farben bereits nach oben gesetzt.“

18 Bilder für den Kalender

Im Laufe der Zeit sind schon tausende Bilder zusammengekommen. Einige davon kommen in den „Mein Greifswald-Kalender“, den der 40-Jährige selbst zusammenstellt. Die Auswahl fällt ihm unheimlich schwer, am Ende waren 18 Fotos in der Endauswahl. „Na, super, welcher Kalender hat denn 18 Fotos? Für die Entscheidung hab’ ich Wochen gebraucht.“

Und weil er immer nur das fertige Bild im Kopf hat, geht er oft auch hohe Risiken ein und begibt sich an Orte, die baulich vielleicht nicht mehr so ganz sicher sind. Einfach, weil er Lust darauf hat. „Um mich selbst habe ich dabei nie Schiss“, sagt er. „Dafür um meine Kamera.“ Was ihn beim Fotografieren aber am meisten reizt, ist nicht unbedingt die Herausforderung. „Man kann sich 1000 Fotos angucken, von der Milchstraße, von der ISS, vom Mond. Aber das in den Kontext zu bringen mit deiner Heimatstadt, das ist etwas, was mich sehr fasziniert.“

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