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Greifswald Nachwuchs für den Schafberg
Vorpommern Greifswald Nachwuchs für den Schafberg
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06:15 23.03.2019
Dörte Wolfgramm-Stühmeyer umsorgt die Osterlämmer auf ihrem Hof in Jarmshagen Quelle: Martina Rathke
Jarmshagen

Zehn Monate im Jahr genießen die Bio-Schafe von Dörte Wolfgramm-Stühmeyer die beste Aussicht: Auf der ehemaligen Deponie im Norden Greifswalds halten die Tiere die Grasnarbe flach. Zusätzlich dazu gibt es Heu und Kraftfutter aus Öko-Anbau. Am 1. Februar stallt die 38-jährige Ökolandwirtin die Herde allerdings auf ihrem Hof in Jarmshagen ein, obwohl sie die Schafe auch gern während der Ablamm-Saison auf dem Berg, den sie den Schafberg nennt, weiden lassen würde. Der Grund für den Umzug ist nicht der Wolf, der landesweit den Schäfern Sorgenfalten auf die Stirn treibt, sondern ein gefiederter Räuber. „Wir haben über viele Jahre in der Ablamm-Saison schlechte Erfahrungen mit dem Kolkraben gemacht“, sagt die Schafhalterin. Die Rabenvögel hätten bei Zwillingsgeburten dem nicht von der Mutter beschützten Lamm die Augen ausgehackt und dann die Eingeweide herausgerissen. „Der Kolkrabe geht nicht nur auf Aas, wie viele Tierschützer sagen. Ich habe etwas anderes erlebt“, berichtet die Landwirtin von ihren Erfahrungen.

Um den Tieren einen solch qualvollen Tod zu ersparen, lammt die Herde mit 86 Mutterschafen seit 2010 im geschützten Stall in Jarmshagen ab. Dort haben in diesem Jahr bereits 69 Muttertiere kleine Lämmchen geboren, darunter sind auch mehrere Zwillingsgeburten. 105 Lämmer hopsen putzmunter meckernd in kleineren und mit frischem Stroh ausgekleideten Gruppenställen herum. Ein Neugeborenes wird mit der Flasche großgezogen, weil die Mutter es nach einer schweren Geburt verstoßen hatte. „Wir sind nicht nur Landwirte, sondern auch Geburtshelfer“, sagt die studierte Agrarökologin. In einer abgetrennten Box liegt ein Muttertier mit seinem Nachwuchs, dem die Landwirtin in der Vornacht bei einer schwierigen Steißgeburt helfen musste. Während der Ablammung kontrolliert die Schafhalterin zweimal pro Nacht die Herde. „Das ist eine Zeit, die sehr anstrengend und mit hohem Schlafmangel verbunden ist.“

Die Tiere, die jetzt auf dem Hof groß werden, landen nicht als Osterbraten auf dem Tisch –zumindest nicht in diesem Jahr. „Die Lämmer kommen Anfang April mit der Herde wieder auf den Schafberg“. Erst im November werden sie in einer zertifizierten Bio-Schlachterei in Rebelow bei Spantekow geschlachtet. Neben den Bio-Lämmern hält die junge Frau auch 60 Weidekühe auf Flächen um Greifswald. Der Betrieb ist über den ökologischen Anbauverband Biopark zertifiziert. Das Fleisch vermarktet sie über eine Verkaufsstelle in Levenhagen.

Dass die kleinen, kuschligen Lämmchen groß gezogen werden, um gegessen zu werden, will die Agrarökologin auch Kindern vermitteln. Auf der Mela, der großen Landwirtschaftsausstellung in Mühlengeez, moderierte sie bereits die Kinder-Mela. Kindergartengruppen können sich bei Dörte Wolfgramm-Stühmeyer auch für einen Hofbesuch anmelden. „Es ist schon traurig, dass viele Kinder nicht mehr wissen, woher die Milch oder das Fleisch kommen. Wir leben hier eigentlich in einem ländlichen Raum, aber auch hier fehlt Kindern der Bezug.“ Dabei könne genau dieses Wissen auch das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln schärfen.

Ehemalige Deponie und Bio-Weidelämmer, geht das? „Das hört sich für Verbraucher verrückt an“, sagt auch die Landwirtin. Aber die Untersuchungszyklen seien auf der 12 Hektar großen früheren Deponiefläche wesentlich dichter als auf Grünflächen. Nach Angaben der Stadt Greifswald wurde bei der Sanierung der ehemaligen Müllhalde eine Abdichtung aufgetragen, die aus mehreren Komponenten besteht und zu 100 Prozent verhindert, dass Regenwasser in den Deponiekörper einsickert oder Deponiegas über die Deponieoberfläche entweicht. Dies werde durch regelmäßige Untersuchungen, so genannte FID-Messungen, kontrolliert, sagte Stadtsprecherin Andrea Reimann. Für Stadt und Schäferin, deren Vater im Jahr 2001 die ersten Schafe auf den Berg brachte, ist die Zusammenarbeit eine Win-Win-Situation. Die Stadt spare sich das aufwändige Mähen, um die Anlagen wie die Setzungspegel und Gasbrunnen vom Bewuchs freizuhalten, so Reimann weiter. Dörte Wolfgramm-Stühmeyer könne ihre Schafe auf einem umzäunten Gelände weiden lassen.

Martina Rathke

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