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Naturmensch mit Hang zur Wissenschaft

Greifswald Naturmensch mit Hang zur Wissenschaft

Joachim von der Wense leitete von 1993 bis 2001 die Geschicke der Stadt als Oberbürgermeister. Dann kehrte der Jurist der Politik den Rücken. Wie geht es ihm heute? Die OSTSEE-ZEITUNG besuchte den 68-Jährigen.

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Joachim von der Wense mit seiner H�ndin Ira im Kaminzimmer. Dort sitzt er oft und liest. Fotos (2): Peter Binder

Greifswald. Vor acht Jahren ist Joachim von der Wense (CDU) — oder kurz vdW, wie ihn Freunde nennen — auf den Hund gekommen. Ira, ein Irish Terrier mit braunen Knopfaugen begleitet ihn seitdem überall hin.

Vormittags geht es ins Büro. Als Vorstandsmitglied der Krupp-Kolleg-Stiftung koordiniert er die Aufgaben der wissenschaftlichen Einrichtung. Ehrenamtlich, versteht sich. Als er 2001 den Chefposten im Rathaus an den Nagel hängte, fragte ihn Berthold Beitz persönlich, ob er in der Stiftung mitarbeiten würde. „Ich habe sofort zugesagt“, erinnert er sich.

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Joachim von der Wense und Berthold Beitz 1993 vor der bauf�lligen Uniapotheke.

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Sein Blick schweift hinüber zum Rathaus. Im Sommer 1992 hatte ihn die Bürgerschaft zum Oberbürgermeister gewählt. Neun Jahre lang war er ab 1993 täglich durch die schwere Eichentür gegangen. Im Kopf tausend Ideen, wie er seine neue Heimat Greifswald in eine moderne Stadt verwandeln kann. „Anfangs wusste ich nicht, wo ich zuerst beginnen soll“, sagt er. Vor seinem Amtsantritt als OB war er nur einmal quer durch Vorpommern gereist. „Meine Mutter stammte von hier und hat uns die Orte ihrer Jugend gezeigt“, berichtet er. Beim Anblick des desolaten Bauzustandes vieler Häuser habe er immer gedacht: „Dafür braucht es drei Leben, um alles wieder aufzubauen.“

Nach der Jahrtausendwende stellte von der Wense bei sich eine Entfremdung zur Politik fest. Plötzlich zählten in der Bürgerschaft keine Sachargumente mehr. „Vieles lief auf persönliche Beleidigung hinaus. Das wollte ich mir nicht antun und bin 2001 zur OB-Wahl nicht mehr angetreten“, sagt er. Das Ehrenamt habe die neu gewonnene Freiheit schnell ausgefüllt. Neben dem Rotary Club arbeitet er im Förderverein des Uniklinikums, wo er stellvertretender Vorsitzender ist, und in der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft mit.

Doch tausend Mal mehr als sein Büro in der alten Uni-Apotheke und „die dazu gehörende Berufsbekleidung mit Schlips und Kragen“ reizt den Mann die Natur. Fast täglich ist er mit seiner Ira im Wald unterwegs. Das Forstrevier Jägerhof liebt er über alles. Durch den Stadtforst streift er regelmäßig. Stundenlang kann er Hirschen zuschauen. Ja, er habe einen Jagdschein, aber seine Ambition, selbst abzudrücken, sei gering. „Ich freue mich am Erfolg anderer. Mir sind Tiere lebendig lieber“, meint er. Die Liebe zur Natur hat er seinen beiden Kindern und den vier Enkeln zwischen drei und elf Jahren vererbt. „Wenn sie bei mir sind, geht es in den Wald und in den Tierpark.“

Joachim von der Wense pflegt seine Hobbys. So verdiene nach seinen Worten der Buchhandel gutes Geld mit ihm. Er sammelt Münzen. Und liebt richtige Männerarbeit: Holzhacken! „Da kann ich mich austoben“, sagt er. Das Holz prasselt dann im Kamin, an dem er gern mit Freunden sitzt. Doch er kann auch Hausmann sein und mit dem Staubsauger durchs idyllisch an der Stadtmauer gelegene Haus flitzen. „Meine Frau ist schließlich berufstätig, arbeitet als Ärztin. Da muss ich schon mit zur Hand gehen“, meint er.

Von der Wense ist ein freundlicher Mensch, der große innere Gelassenheit ausstrahlt. Wenn er durch die Stadt geht, wird er oft angesprochen und zur Stadtentwicklung befragt. „Ich freue mich, dass auf meine Meinung Wert gelegt wird. An städtebaulichen Themen habe ich großes Interesse“, erklärt das einstige Stadtoberhaupt und bedauert, sich bei diesen Fragen nicht mehr eingemischt zu haben.

Der bekennende Christdemokrat freut sich auch, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Wahlkreis auf Greifswald ausgedehnt hat. Mit ihr saß er oft im Jägerhofer Forst, als sie noch Bundesumweltministerin war. Aber er hat auch manchen Kampf ausgefochten, „denn ich bin zwar CDU-Mitglied, habe aber stets meine eigene Meinung klar vertreten“, bestätigt er. Nun hofft vdW, dass sich die Kanzlerin an die Gespräche im Wald erinnert, will ihr Geld für die Vermarktung von Caspar David Friedrich entlocken.

 Gibt es etwas, was dem Mann überhaupt nicht gefällt? „Ich würde die Sommerzeit abschaffen. Und dröhnende Motorräder verbieten. Das Geknatter nervt total.“ Joachim von der Wense blickt verträumt in die Nachmittagssonne in seinem Garten. Zu Ostern tobt hier das Leben, dann kommen die Enkel. „Das sind die richtig schönen Momente im Leben, wenn die Familie um einen ist. Ich hoffe, dass ich das noch ganz lange erleben darf“, sagt er.

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Was macht

eigentlich . . .

Projekte, die in seiner Amtszeit realisiert wurden:
Bau der Greifswalder Umgehungsstraße

Bau des Krupp Kollegs Mit Berthold Beitz arbeitet er auch heute noch ganz eng zusammen. Auf seinen Wunsch hin wechselte der Anwalt Joachim von der Wense in den Vorstand des Krupp Kollegs und führte die Einrichtung in ruhiges Fahrwasser.

Sanierung des historischen Greifswalder Marktplatzes

Sanierung und Umbau der Langen Straße zur Fußgängerzone Bau des Freizeitbades Bau des Pommerschen Landesmuseums Bau des Biotechnikums Bau des Technologiezentrums Vorpommern Sanierung des Amtsgerichtes und des Verwaltungsgerichtes

Bau einer neuen Kläranlage für die Hansestadt

Stilllegung der alten Mülldeponie Salinenstraße

Unterstützung der Bürgerinitiative für den Bau einer Tiefgarage am Pommerschen Landesmuseum

An städtebaulichen Themen habe ich noch immer großes Interesse.“Joachim von der Wense

Cornelia Meerkatz

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