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Greifswald Neubau: Gesetzliche Vorgaben treiben Mieten in die Höhe
Vorpommern Greifswald Neubau: Gesetzliche Vorgaben treiben Mieten in die Höhe
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07:02 26.07.2016
In der Peter-Warschow-Straße in Greifswald baut die WGG derzeit 31 neue Wohnungen. Im Bild Daniel Hermann und Harry Schultz. Quelle: Peter Binder

Ist das Preistreiberei oder pure Notwendigkeit? Die Mieten für neue Wohnungen steigen, auch in den Häusern der Wohnungsgenossenschaft Greifswald (WGG). Ein Beispiel: Der WGG-Wohnpark in der Feldstraße, 2015 gebaut, wurde noch für knapp acht Euro pro Quadratmeter vermietet. In den Häusern, die derzeit im Fritz-Curschmann-Weg entstehen und 2017 fertig sein sollen, sollen es dagegen 8,50 Euro sein. Das macht 50 Cent Preissteigerung innerhalb von zwei Jahren. Und der Trend geht weiter, prognostiziert Jörn Roth, technischer Vorstand der WGG. „Künftig lassen sich Neubauten nur noch mit Kaltmieten von zehn Euro pro Quadratmeter refinanzieren.“

2000 Euro pro Quadratmeter muss ein Bauherr für einen Neubau kalkulieren / Ökologie- und Energieeffizienzstandards sind Preistreiber / Steigerung um 40 Prozent

Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) aus, dem zweiten großen Wohnungsanbieter in Greifswald. Die Miete in den 20 neuen Wohnungen in der Einsteinstraße, die Ende 2017 fertig sein sollen, beträgt durchschnittlich acht Euro je Quadratmeter kalt. 8,68 Euro sind es in der Rigaer Straße 29/30. Und die 100 neuen Wohnungen, die am Hansering entstehen sollen, kalkuliert die WVG mit einer Nettokaltmiete von zehn Euro.

Muss das sein? Greifswalds Bausenator Jörg Hochheim (CDU) sagt: „Bauen wird immer teurer. Für die Kosten von zehn Wohnungseinheiten im Jahr 2000 kann ein Investor jetzt nur noch 7,8 Einheiten bauen.“

Eine Studie des Forschungsinstituts Eduard Pestel belege das. Demnach lasse sich ein typisches Mehrfamilienhaus in der Stadt, mit zwölf Wohnungen und insgesamt 876 Quadratmetern Wohnfläche, nur noch mit einer Kaltmiete von zehn Euro refinanzieren. Als Gründe nennt Hochheim die gestiegenen gesetzlichen Ansprüche an die Energieeffizienz (Energieeinsparverordnung EnEV, siehe Beitrag unten), das barrierefreie Bauen, den Lärmschutz und die bestehenden Auflagen zur Schaffung von Parkplätzen.

WVG-Geschäftsführer Klaus-Peter Adomeit führt die hohen Preise für Baumaterial an. „Zum Teil sind Steigerungen von 30 Prozent in den Haupt- und Nebengewerken zu verzeichnen“, sagt er. Daraus folgt, dass die Baukosten der WVG mittlerweile 2100 Euro pro Quadratmeter betragen. „Vom Jahr 2007 bis zum Jahr 2015 haben wir bei unseren Projekten fast eine Verdopplung der Baukosten.“

Jörn Roth spricht bei der WGG von einer Steigerung der Baukosten um 40 Prozent seit dem Jahr 2000. „Die Verbraucherpreise sind im gleichen Zeitraum nur um 25 Prozent gewachsen“, sagt er. Insgesamt lägen die Baupreise in der Region aber immer noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Während der Neubau eines Quadratmeters Wohnfläche im Schnitt in Deutschland nach einer Studie des Mieterbundes 3080 Euro koste, fallen in Vorpommern hierfür 2100 Euro an.

Mit den „exorbitanten Preissteigerungen“ hat auch Unternehmer Sergio Achilles zu kämpfen, Geschäftsführer des Instituts Leben und Lernen (ILL). Dass ILL betreibt in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Kindertagesstätten und Horte, unter anderem die Kita „Sieben Raben“ in Greifswald. „Im Jahr 2009 konnten wir einen Neubau noch für fünf Euro kalt den Quadratmeter stemmen“, sagt Achilles. „Heute sind wir bei 7,50 Euro bis acht Euro.“ Seine Erklärung dafür: „Wenn die Zinsen fallen, steigen die Baupreise.“ Weil die Zinsen derzeit so niedrig sind, bauen sehr viele Menschen. Das treibe die Baupreise in die Höhe. „Einfach, weil die Nachfrage so groß ist.“

Neubauten der WGG

8,50 Euro pro Quadratmeter wird die durchschnittliche Nettokaltmiete in den neuen Wohnungen im Fritz-Curschmann-Weg 2 und 3 betragen. Die Wohnungsbaugenossenschaft Greifswald baut dort 60 Wohnungen mit zwei, drei und vier Zimmern in der Größe von 55 bis 104 Quadrametern. Jede Wohnung hat einen eigenen Stellplatz. Die Vermietung beginnt im Juli 2017. Die durchschnittlichen Baukosten liegen bei 2000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Die Häuser sind mit Aufzügen, Fußbodenheizung und Fernwärme ausgestattet. 7,92 Millionen Euro investiert die WGG.

31 neue Wohnungen baut die WGG derzeit in der Peter-Warschow-Straße 12/13. Auf vier Etagen werden barrierefreie Wohnungen mit zwei und drei Zimmern (55 bis 75 Quadratmetern) gebaut. Im Erdgeschoss entsteht ein 50 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum mit offener Küche für Treffen der Hausgemeinschaft oder familiäre Anlässe. 32 Stellplätze gehören zum Neubauprojekt. Die Vermietung ist für das vierte Quartal 2017 geplant. Die WGG investiert insgesamt 4,52 Millionen Euro. Die Baukosten liegen durchschnittlich bei 2112 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Katharina Degrassi

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