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Greifswald Neubau einer Grundschule innerhalb von zehn Wochen?
Vorpommern Greifswald Neubau einer Grundschule innerhalb von zehn Wochen?
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00:01 14.11.2016
Dieser Schulbau in Schöppingen entstand in sechs Wochen. Quelle: Alho

Illusion oder realistisches Vorhaben? Eine grüne Wiese – etwa die an der Verlängerten Scharnhorststraße – verwandelt sich innerhalb von zehn Wochen in einen neuen Grundschulstandort für Greifswalder Kinder.

Was wie ein Witz klingt, haben andere Städte schon mehrfach realisiert: Modulbauten machen es möglich. Es gibt sie als Bürogebäude, Pflegeheim, Flüchtlingsunterkunft, Kindertagesstätte, sogar als Krankenhaus und eben auch als Schule. Die Gebäude aus Stahl, Dämmmaterial und Gipskartonplatten gehören heutzutage in vielen Kommunen zum Stadtbild. In der Vergangenheit nicht selten als Provisorium verschmäht, mausern sich die Containerlösungen weltweit zu Vorzeigeobjekten.

„Vielleicht wäre das auch für unseren Schulneubau eine Option, um ihn schneller fertigzustellen“, sagt Greifswalds Baudezernent Jörg Hochheim (CDU), der sich kürzlich mit einem Systembauunternehmen traf. Hintergrund: Die Hansestadt muss dringend ihre Grundschulkapazitäten ausbauen, da vorhandene Einrichtungen an ihre Grenzen stoßen. Die Bürgerschaft sprach sich bereits für einen Neubau aus.

Doch mit einer Fertigstellung ist nach jetzigem Stand nicht vor 2020/21 zu rechnen (die OZ berichtete).

Die Ursache: Für den geplanten Standort an der Verlängerten Scharnhorststraße muss ein Bebauungsplan erstellt werden. Solch ein Verfahren erstreckt sich erfahrungsgemäß mindestens über zwei Jahre, dem sich eine Bauzeit von ein bis zwei Jahren anschließt. „Diese Bauphase könnten wir mit der Fertigbauweise erheblich verkürzen“, sagt Hochheim. Laut der europaweit agierenden Systembaufirma Alho aus Nordrhein-Westfalen, die in Greifswald zu Gast war, würde eine Grundschule innerhalb von zehn bis zwölf Wochen stehen. Wie viele Schulen dieser Art das Unternehmen bereits gebaut hat, konnte Marketingchefin Juliane Brendebach auf OZ-Anfrage nicht beziffern: „Unsere Firma besteht im nächsten Jahr immerhin 50 Jahre“, sagt sie entschuldigend. „Aber in den letzten drei Jahren haben wir etwa 40 Schulen gebaut.“

Die größte Herausforderung bei einem solchen Vorhaben liege nach Ansicht von Jörg Hochheim in der genauen Aufgabenbeschreibung. „Da im Nachhinein nichts mehr zu ändern ist, müssten Raumgrößen und andere Parameter vorher genau festgeschrieben werden“, betont er. Zudem müsste die Stadt das Projekt zweiteilen: Die neue Turnhalle, für die sich die Bürgerschaft auch ausgesprochen hat, könne nicht in Containerbauweise errichtet werden. Und: Einheimische Firmen, die bislang immer von städtischen Aufträgen profitierten, würden lediglich bei der Gründung des Baus und der Dachabdeckung zum Zuge kommen. „Die Module an sich werden immer vorgefertigt und dann mit einem Schwerlaster zum Zielort transportiert“, sagt Hochheim. Als Nachteil eines solchen Projekts werte das städtische Immobilienverwaltungsamt die wesentlich kürzere Abschreibungsfrist. „Ein herkömmlicher Bau kann über 80 Jahre abgeschrieben werden, ein Modulbau nur über 40 Jahre“, sagt der Baudezernent. Heißt: Die Stadt müsste über einen relativ kurzen Zeitraum einen hohen Abschreibungsbetrag erwirtschaften.

Ob die Bürgerschaft als Entscheidungsträgerin dies will, wird sich zeigen. SPD-Fraktionschef Andreas Kerath findet die Idee des Modulbaus „auf jeden Fall interessant“. Da das Zeitfenster sehr eng sei, um die Schule zu errichten, spreche er sich für eine Prüfung aus. „Vielleicht käme uns diese Variante auch finanziell entgegen“, hofft Kerath als Finanzausschussmitglied. Bislang ging die Stadtverwaltung davon aus, dass das Schulprojekt zehn bis zwölf Millionen Euro verschlingt. Eine Grundschule im hessischen Wörsdorf, von Alho im Sommer 2014 für 150 Kinder fertiggestellt, kostete laut Medienberichten 2,54 Millionen Euro.

Modulbau auch für Kitabetrieb interessant

Der Modulbau rückt jetzt auch in das Blickfeld des Kita- betriebes „Hanse-Kinder“. Aufgrund der maroden Bausubstanz mehrerer Einrichtungen plant der Betrieb den Neubau beziehungsweise die Sanierung von Gebäuden (die OZ berichtete). Nach letztem Stand avisiert Betriebsleiter Achim Lerm für 2017 den Neubau der Kita „Samuil Marschak“. Kosten: etwa 3,1 Millionen Euro.

Nachdem Lerm an der Gesprächsrunde mit dem Systembauunternehmen aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen hatte, erklärte er auf OZ-Anfrage: „Ich hatte mich schon früher mit dieser Möglichkeit befasst.

Allerdings hatte ich Bauchschmerzen, da ja Containerlösungen nicht gerade das beste Image haben.“ Die Erläuterungen des Firmenvertreters seien jedoch sehr spannend gewesen. Alho baute in den vergangenen drei Jahren etwa 50 neue Kitas. „Baukosten können wir damit wahrscheinlich nicht sparen, aber die Bauzeit könnten wir erheblich verkürzen“, so Lerm. Ihn habe besonders überzeugt, dass die Modulbauten zum einen hochwertige Materialien enthielten und zum anderen voll zertifiziert seien. „Damit würden wir den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen entsprechen und das Zertifikat Silber erhalten.“ Zudem gebe es eine hundertprozentige Kostensicherheit. Lerm plant deshalb weitere Gespräche zum Thema. ph

Petra Hase

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