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Greifswald Neue Bio-Fabrik: Kampf um den Apfel-Thron
Vorpommern Greifswald Neue Bio-Fabrik: Kampf um den Apfel-Thron
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00:05 22.11.2016

. Innovation oder Kopie? Der frühere Biosanica- Manager und Stralsunder Unternehmer Martin Nätscher plant, in Greifswald eine Fabrik für Trockenfrüchte mit Bio-Qualität zu eröffnen. Hier sollen Äpfel zu etlichen Produkten verarbeitet werden: Apfelchips, Apfelringe und vor allem Apfelwürfel für Müslihersteller. Manch’ einem dürfte das bekannt vorkommen. Nur 25 Kilometer entfernt, am Pommerndreieck bei Grimmen, produziert die Biosanica Manufaktur ebenfalls Äpfel zu Trockenfrüchten. Der damalige Geschäftsführer Martin Nätscher hatte das von ihm mitgegründete Unternehmen vor einem Jahr im Streit mit dem Greifswalder Gesellschafter Norbert Braun verlassen. Nun will der 45-Jährige mit seiner neuen Firma „Bio am Sund“ und einem ähnlichen Konzept wieder durchstarten.

Martin Nätscher in seinem Stralsunder Unternehmenssitz im historischen Kniepertor. FOTO: ALEXANDER MÜLLER

„Wir sind keine Biosanica-Kopie“, betont Martin Nätscher. Dennoch gebe es viele Parallelen. „Das gesamte Wissen bei Biosanica stammt von mir, und ich kann meinen Kopf ja nicht löschen.“ Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Stralsund.

Was er in Greifswald plane, sagt Nätscher, sei alles eine Nummer kleiner als bei seinem früheren Arbeitgeber. Täglich sollen fünf bis zehn Tonnen Äpfel verarbeitet werden – nur ein Bruchteil dessen, was am Pommerndreieck möglich sei. Das Konzept sei eher auf kleinere Abnehmer, dafür aber auf besonders hohe Qualität ausgerichtet. Die Produkte sollen weiter veredelt werden, beispielsweise mit einer Schoko-Ummantelung. Die eingesetzten Rohstoffe kommen überwiegend aus Norddeutschland, aber auch vom Bodensee oder Südtirol. Zu den Kunden zählen neben Einzelhändlern auch Industriepartner, die die Früchte im Müsli verarbeiten.

Außerdem setzt „Bio am Sund“ einen Schwerpunkt auf den Direktvertrieb. Neben einem Onlineshop ist ein Werksverkauf in Greifswald und ein Geschäft in der Stralsunder Innenstadt geplant. Um all das umzusetzen, wird derzeit eine frühere Großküche im Greifswalder Gewerbegebiet „Am Koppelberg“ umgebaut. Die Kosten für Umbau und Technik betragen 1,66 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen im Januar abgeschlossen sein, so dass im Februar mit der Produktion begonnen werden kann. Zehn Arbeitsplätze sollen entstehen. Einen Teil der Stellen will Nätscher mit behinderten Menschen besetzen. Derzeit befindet er sich deswegen in Gesprächen mit dem Pommerschen Diakonieverein.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Betrieb eine gläserne Manufaktur werden soll. Die Produktionsstrecke soll verglast werden, so dass Besuchergruppen jederzeit hindurch geführt werden können.

Martin Nätscher nennt als Vorbild Karls Erdbeerhof: „Was die mit Erdbeeren geschafft haben, wollen wir in kleinerem Maßstab mit Äpfeln machen.“

Der Greifswalder Unternehmer und Biosanica-Chef Norbert Braun beobachtet die Aktivitäten seines früheren Geschäftspartners mit Skepsis. „Die Produkte, die ich bisher gesehen habe, sind identisch mit dem, was wir machen“, sagt er. Braun befürchtet zudem, dass Nätscher versuchen könnte, Kunden abzuwerben. Die Konkurrenz sei aber legitim und es gebe auch keine Patente, um die man sich streiten könnte. „Ob es nun aber geschickt ist, dass das Land zweimal Fördergelder vergibt, müssen andere entscheiden.“

Beide Firmen werden vom Wirtschaftsministerium kräftig unterstützt. Biosanica bekam nach Ministeriumsangaben bislang rund 2,9 Millionen Euro. „Bio am Sund“ wird nun mit etwas mehr als 500000 Euro gefördert. Ein Sprecher teilt dazu mit, dass das Markt- und Branchenumfeld bei der Vergabe von Fördermitteln berücksichtigt werde.

Alexander Müller

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