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Greifswald Neue Partei aus Greifswald will Politik umkrempeln
Vorpommern Greifswald Neue Partei aus Greifswald will Politik umkrempeln
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11:41 04.11.2018
Jung und dynamisch: Mahmut Marik (22), Kim Steve Tkocz (19), Tristan Bania (20) und Luca Piwodda (19, v.li) bilden den Vorstand der neugegründeten Partei FPA. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Selbst Politik machen, statt nur zusehen. Unter diesem Motto schlossen sich mehrere Studenten aus Greifswald zusammen und wagten den großen Wurf: Sie gründeten im Juni ihre eigene Partei. „Freiparlamentarische Allianz (FPA)“ nennt sich die links vom Zentrum einzuordnende politische Gruppierung. Ein Name, der durchaus erklärungsbedürftig ist, wie Vorstandsmitglied Luca Piwodda zugibt. „Wir wollen im Gegensatz zu den etablierten Parteien eben auch außerhalb des Parlamentes für die Menschen da sein“, sagt der 19-Jährige. „Viel soll über Arbeitsgemeinschaften und direkte Beteiligung funktionieren. Das wollten wir mit dem Namen zum Ausdruck bringen.“

Die vier Vorstandsmitglieder Mahmut Marik , Kim Steve Tkocz, Luca Piwodda und Tristan Bania sind zwar alle erst um die zwanzig, halten sich in ihren Parteizielen aber nicht mit Kleinigkeiten aus. Bedingungsloses Grundeinkommen, kostenlose Kitas, erleichterte Integration von Flüchtlingen, regelmäßige Volksabstimmungen oder Ausstieg aus der Kohleförderung sind einige der Themen, die sich die Studenten auf ihre Fahne geschrieben haben. „Natürlich fragen alle Leute, deren wir unsere Ideen vorstellen, wer denn das bezahlen soll“, so Luca Piwodda. „Dabei hanelt es sich hier eigentlich um ein Kulturproblem. Wenn man möchte, findet man Wege, das bedingungslose Grundeinkommen umzusetzen. Über eine Finanztransaktionssteuer auf Börsengeschäfte zum Beispiel ließen sich entsprechende Summen aufbringen.“ Auch Bürgerbefragungen sind für die Partei ein wichtiges Mittel. „Ich weiß nicht, warum man so eine Angst davor hat, dass die Menschen ihre Meinung sagen und Entscheidungen treffen“, so Piwodda. „Das funktioniert in der Schweiz doch auch.“

Zu den Greifswalder Kommunalwahlen im Mai will die FPA vermutlich noch nicht antreten. „Wir sind noch in der Anlaufphase, so ein Schritt will gut überlegt sein“, erklärt Kim Steve Tkocz. Zunächst wolle man sich vor allem in Studentenkreisen bekannt machen und die Mitgliedszahlen weiter erhöhen. „Bisher haben wir 16 Mitglieder, weitere 28 arbeiten mit. Wenn sich die Mitgliederzahlen gut entwickeln, treten wir vielleicht doch mit Kandidaten an. In Brandenburg ist das auch vorstellbar.“ Man wolle sich in den Parteizielen auch ehr an bundesweiten Themen orientieren. „Greifswald schien uns aber ein guter Ort, um die Partei zu gründen“, erzählt Tristan Bania. „Es gibt dank der Uni viele junge Leute, die sich auch für Politik interessieren.“ Rückendeckung bekommen die Politiker auch von einem prominenten Urgestein: Mecklenburg-Vorpommerns erstem Kultusminister nach der Wende, Oswald Wutzke (CDU). Der 82-jährige Politiker und Theologe sei „zwar nicht Mitglied, aber unterstützt uns mit Rat und Tat beim Aufbau der Partei“, so Luca Piwodda.

„Wir haben uns nie von den etablierten Parteien angesprochen gefühlt“, beschreibt Kim Steve Tkocz. „Das liegt nicht nur an den Programmen, sondern vor allem an der Distanz. Selbst in den jungen Abteilungen der Parteien ist es doch so, dass die Stimme eines Einzelnen kaum Gewicht findet. Das ist bei uns anders.“ Ein Scheitern an zu viel Basisdemokratie oder eine Unterwanderung durch Interessengruppen befürchten die Nachwuchspolitiker nicht. „Es ist natürlich ein schmaler Grat zwischen Basisdemokratie und Anarchie“, so Luca Piwodda. „Aber wir haben über mehrere Gremien eine Organisationsstruktur geschaffen, die funktionieren sollte.“ Sein Vorstandskollege Mahmut Marik nickt mit dem Kopf. „Die Gefahr einer Unterwanderung ist gering, aber bei viel Demokratie immer gegeben. Wir haben allerdings ein Manifest aufgesetzt, welches unsere Ziele klar umreißt“, sagt Marik. „Ich denke aber auch nicht, dass sich zum Beispiel AfD-nahe Leute bei uns wohlfühlen würden. Im Bereich der Migration setzen wir auf menschenwürdige Lösungen, Miteinander und eine Stärkung der Integration.“

Internetseite der FPA

Anne Ziebarth

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