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Greifswald Neue Immuntherapie: Hoffnung für kleine Patienten in aller Welt
Vorpommern Greifswald Neue Immuntherapie: Hoffnung für kleine Patienten in aller Welt
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17:59 28.11.2018
Steven mit Papa Alexander und Mama Ljukov Karri am 12. November beim Pressetermin in der Kinderonkologie der Unimedizin Greifswald. Der Junge wird von Prof. Holger Lode wegen eines Neuroblastoms behandelt. Die Immuntherapie hat gut angeschlagen. Quelle: Manuela Janke/UMG
Greifswald

Sie kämpfen täglich bei Kindern und Jugendlichen gegen den Krebs und damit gegen eine der schrecklichsten Erkrankungen: Die Greifswalder Kinderonkologen. Das Team um den renommierten Kinderonkologen und Klinikchef Prof. Holger Lode (51) hat sich dabei auf eine der aggressivsten Krebsformen spezialisiert – Neuroblastome. Sie verursachen die höchste Sterblichkeitsrate. In Greifswald entwickelte Lode eine spezielle Antikörpertherapie gegen diese Neuroblastome, er seit Jahren erfolgreich einsetzt. „Wir sind überglücklich über jedes Kind, dass wir retten können“, sagt Lode.

Patienten kommen aus Welt nach Greifswald

Der Erfolg seiner Immuntherapie hat sich weltweit herumgesprochen. Im Kinderonkologischen Zentrum der Universitätsmedizin werden junge Patienten aus aller Welt behandelt. Der Kinderonkologe verweist darauf, dass sich die Heilungschancen bei Kindern und Jugendlichen mit Neuroblastom stetig verbessern. „Insbesondere durch neue Formen der Immuntherapie gibt es große Fortschritte zu verzeichnen“, so Lode. Dennoch macht er kein Hehl daraus, dass nicht allen erkrankten Kindern geholfen werden kann. Nach seinen Worten wird ein Drittel komplett gesund, ein Drittel hat eine deutlich längere Lebenschance und ein Drittel der an dieser Krebsform erkrankten Kinder stirbt. „Ich bin sehr froh, dass die Zahl der kleinen Patienten, denen wir helfen können, stetig wächst“, so der erfahrene Onkologe.

Neuroblastome sind bösartige Tumore. Sie entstehen im sympathischen Nervensystem, welches die unwillkürlichen Funktionen wie Herz- und Kreislauf, Darm- und Blasentätigkeit steuert. Neuroblastome entstehen am häufigsten im Nebennierenmark‎ und im Bereich der Nervengeflechte beidseits der Wirbelsäule, im sogenannten Grenzstrang‎. Sie kommen dann im Bauch-, Becken-, Brust- und Halsbereich vor. Dem Forscherteam um Prof. Holger Lode gelang es in Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft für Kinderonkologie - Neuroblastom in einer klinischen Studie zum ersten Mal nachzuweisen, dass der Antikörper alleine genauso gut wirkt wie die Kombination aus Antikörpern und Zusatzstoffen mit ihren vielen Nebenwirkungen.

Forschung an einem Impfstoff gegen das Neuroblastom

„Mit diesem klaren Ergebnis wird die Immuntherapie beim Neuroblastom für Betroffene deutlich verträglicher“, sagt Lode, der auch Geschäftsführender Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin ist. Die Ergebnisse des Greifswalder Kinderonkologen wurden jetzt international veröffentlicht. In den letzten Jahren hat sich Greifswald als eines der weltweit führenden Zentren im Bereich der Neuroblastom-Behandlung etabliert. Mehr als 100 Kinder aus aller Welt mit Neuroblastom wurden hier als letzte Chance mit Lodes Immuntherapie behandelt. Einer davon ist siebenjährige Steven Karri aus Ulm. Der kleine Junge war am 12. November zur Untersuchung wieder in Greifswald und Prof. Holge Lode ist sehr hoffnungsfroh. „Die Immuntherapie hat hervorragend angeschlagen“, sagt er. Die inzwischen zugelassene Behandlung beruht auf einem Antikörper, der die Krebszellen als körperfremd markiert und so für das Immunsystem zur Bekämpfung sichtbar macht. Aktuell forschen die Greifswalder Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen das Neuroblastom, welcher das Immunsystem dauerhaft auf die Tumorzellen aufmerksam macht und so die natürliche Abwehr der Kinder gegen den Krebs ermöglicht.

Zertifikat von Deutscher Krebsgesellschaft

Zudem wurde das Kinderonkologische Zentrum der Greifswalder Unimedizin erstmals von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Insgesamt gibt es in Deutschland 80 Kliniken, die Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen behandeln. Davon sind 19 im Besitz dieses Gütesiegels, das hohe Qualitätsmaßstäbe voraussetzt und für zwei Jahre gilt. „Wir sind sehr stolz auf die Zertifizierung. Wir bündeln in der Krankenbetreuung und Forschung Kompetenz und Know How, um allen Krebspatienten bestmögliche Behandlung zu garantieren“, betont der Ärztliche Vorstand, Prof. Claus-Dieter Heidecke.

In Greifswald werden jährlich rund 500 krebskranke Kinder betreut. Die Greifswalder Kinderonkologie ist die einzige Klinik in MV, die auch Stammzelltransplantationen bei Kindern mit Blutkrebs durchführt. Zur Kinderonkologie gehören eine Station, eine Tagesklinik sowie eine Ambulanz mit zwei Oberärzten, drei Assistenzärzten, 15 Pflegefachkräften, einer Sozialarbeiterin und einem Erzieher. Für die Eltern der jungen Langzeitpatienten stehen zwei Dolmetscher sowie moderne Unterkünfte im neu errichteten Eltern-Kind-Zentrum zur Verfügung.

Cornelia Meerkatz

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