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Greifswald Neue Wege zu mehr Selbstständigkeit
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00:00 17.10.2017
Unser Konzept des gemeinsamen Lernens ist in der Intensität einzigartig.Benjamin Skladny, Schulleiter

Kindergärtnerin, Musiker, Polizistin, Friseurin... Fast alle Jugendlichen der Abschlussstufe des Evangelischen Schulzentrums Martinschule haben bereits klare Vorstellungen von ihrer Zukunft. Erfreulich und ganz im Gegensatz zu vielen Abiturienten. Wobei schon jetzt klar ist: Nicht alle Blütenträume werden reifen. Zu stark sind die Beeinträchtigungen mancher Schüler, um auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Doch auch das ist möglich: „Lars Kassube zum Beispiel hat gute Chancen“, kommentiert Lehrerin Petra Witt den Wunsch des 17-Jährigen, eine Ausbildung beim Hoch- und Tiefbau zu beginnen.

Martinschule schafft für Jugendliche mit Beeinträchtigungen in der Hertzstraße neuen Lernort

Um ihn und die anderen Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung noch besser auf die Zukunft vorzubereiten, geht die Martinschule jetzt neue Wege. „Dazu wurde mit der früheren Kaufhalle in der Heinrich-Hertz- Straße ein weiterer, außerschulischer Lernort geschaffen“, sagt Petra Witt. Auf über 230 Quadratmetern festigen die Schüler der Jahrgänge zehn bis zwölf nicht nur ihr Wissen in Mathe, Deutsch und Englisch oder diskutieren über Demokratie. Hier geht es in erster Linie um die Berufsvorbereitung, aber auch um ganz lebenspraktische Tätigkeiten wie Tisch decken und Geschirrspüler einräumen.

„Mit diesem neuen Lernzentrum haben wir jetzt drei verschiedene Standorte, zwischen denen unsere 24 Schüler alle halbe Jahre wechseln“, sagt Petra Witt, Koordinatorin der Abschlussstufe. Seit Jahren bewährt habe sich die Trainingswohnung. Eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Dostojewskistraße, in der die Jugendlichen tagsüber lernen, das ganz normale Leben zu bewältigen: Vom Einkaufen übers Kochen, Waschen, Putzen bis hin zum Mobilitätstraining, um auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurecht zu kommen.

Bei all dem würden auch Kenntnisse aus dem regulären Unterricht angewandt, betont Bereichsleiterin Cornelia Flach und nennt ein Beispiel: „Wenn die Schüler fürs Frühstück oder Mittagessen einkaufen, müssen sie rechnen, ob es ins jeweilige Budget passt und wie viel noch übrig bleibt für die Woche und den Monat.“ Während der eine bereits beim Abzählen der Teller und Löffel für den Mittagstisch vor einer Herausforderung stehe, schaffe der andere es durchaus, mit den Summen von Miete, Energiekosten und Wassergeld für die Wohnung zurechtzukommen. Die Bandbreite der Fähigkeiten und Fertigkeiten sei breit gefächert. „Deshalb ist es auch so wichtig, jeden Schüler individuell auf seine Zukunft vorzubereiten“, betont Schulleiter Benjamin Skladny. Dabei helfe seit langem auch die Schülerfirma als zweiter Bereich der Abschlussstufe, wobei das Unternehmen mit Beginn des Schuljahres neu aufgestellt wurde: „Für die Arbeit gibt es jetzt erstmals auch eine Bezahlung“, sagt Skladny. Die Zubereitung des Frühstücks für Grundschüler oder das Catering für die Schulparty zahlen sich damit in der Kasse aus.

Die Einrichtung des neuen Lernzentrums unterstützt die Bemühungen, die Heranwachsenden auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten. „Hier haben wir Informationsveranstaltungen für kommende Praktika, laden uns Experten ein, schreiben mit den Schülern Bewerbungen, sprechen mit ihnen über ihre Interessen“, sagt Petra Witt, die sich auf ein Team von zehn Kollegen stützen kann. Die Wohlfühlatmosphäre in den neuen Räumen ist dafür wie geschaffen: Die knallrote Küche und grasgrünen Stühle schaffen in Verbindung mit den hellen Schränken und Wänden Gemütlichkeit. „Ich mag auch das rote Sofa in der Ecke“, verrät Kay- Uwe Nakosky in der Demokratiestunde, in der es nicht zuletzt um die Mitbestimmungsrechte der Schüler geht. Und mal ganz konkret: Wohin führt die nächste Klassenfahrt? Darüber wird noch entschieden. Vielleicht am kommenden Mittwoch, wenn sich wieder alle 24 Schüler in der Hertzstraße zur offiziellen Einweihungsfeier treffen und Gästen das Haus zeigen.

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule

553 Schüler besuchen die Martinschule – von der 1. bis zur 12. Klasse, unter ihnen auch 107 Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Sie lernen mit allen anderen Schülern bis Ende der 9. Klasse. Während andere dann die mittlere Reife oder das Abitur anstreben, bereiten sie sich drei Jahre auf ihre Zukunft vor. Einige werden selbstständig leben, andere im betreuten Bereich. Alle haben Anspruch auf einen Platz in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigungen. Manche schaffen es auf den ersten Arbeitsmarkt.

Petra Hase

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