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Greifswald Neuenkirchens digitales Gedächtnis
Vorpommern Greifswald Neuenkirchens digitales Gedächtnis
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00:25 26.04.2018
Auch diese alte Aufnahme der früheren Gaststätte Block in Neuenkirchen soll Bestandteil des digitalen Archivs werden. REPRO: CORNELIA MEERKATZ
Neuenkirchen

Maidemonstration in den 1950er-Jahren, Feldbestellung, Freude über eine staatliche Auszeichnung, Neubaublock – auf dem Rechner von Kirsten Schielke finden sich neuerdings viele alte Fotos. Die Bilder dokumentieren das Dorfleben in Neuenkirchen in vergangener Zeit. „Sehr spannend, zu sehen, wie früher das Leben hier war. Viele Flächen, die heute bebaut sind, waren damals noch leer oder Ackerwege“, schildert Kirsten Schielke.

Der Verein Pommersche Heimat unterstützt Internet-Projekt finanziell.

Die Bilder gehören zu einem ganz besonderen Projekt: In der Gemeinde soll ein digitales Gedächtnis entstehen und daraus in zwei Jahren eine Internetseite werden, auf der diese alten Fotos zu sehen sind. „Die Idee dazu entstand während der Weihnachtsfeier im Dezember, als ich mit Renate Damm, Renate Braatz und Irmgard Steinfurth ins Gespräch kam, was früher hier los war“, schildert die Wampenerin. Irgendwann war dann die Rede von alten Fotos und dass da im obligatorischen Schuhkarton noch was rumliegen müsse.

Doch die Internetseite soll von Profis erstellt werden. Dazu bedarf es entsprechender Technik, um die Bilder zu scannen, entsprechend aufzubereiten und zu digitalisieren. „Das können wir allein finanziell nicht stemmen, deshalb haben wir uns nach Partnern umgeschaut, die helfen können“, sagt Kirsten Schielke. Im Verein „Pommersche Heimat“ wurde der Partner gefunden. „Das Projekt ist auch ein Stück pommersche Identität, deshalb beteiligen wir uns mit 1200 Euro daran. Von dem Geld kann die erforderliche Technik gekauft und externe Hilfe für die Erstellung der Internetseite in Anspruch genommen werden“, erläutert Roswitha Loschke vom Vorstand.

Mit im Boot ist auch Ruth Bördlein, die seit 18 Jahren in Neuenkirchen lebt und für die Dorfzeitung verantwortlich ist. „Ich möchte gern wissen, wo ich gelandet bin. Die alten Fotos erzählen dazu spannende Geschichten und sind gleichzeitig ein Stück Chronik“, findet sie. Gemeinsam mit Kirsten Schielke ist sie nun auf Suche nach weiteren Zeitdokumenten. Die beiden Frauen wollen bei älteren Bürgern nachfragen, ebenso auch bei Vereinen und der Kirchgemeinde. „Wir hoffen sehr, dass unser Anliegen Unterstützung findet. Die privaten Fotos gehen so nicht verloren und werden gleichzeitig der Allgemeinheit zugänglich gemacht“, sagt Schielke.

Auf diese Weise könne das Gedächtnis der Gemeinde am Leben erhalten werden. Ruth Bördlein nennt ein Beispiel: Die Kneipen Neuenkirchens. In der Dorfzeitung wurde gefragt, wer sich noch erinnern kann.

Vier Standorte seien zugetragen worden. „Mittlerweile wissen wir genau, dass es in Neuenkirchen mal fünf Gaststätten gab“, so Bördlein. Ihre Mitstreiterin zählt auf: Das heutige Café Blohm hieß

früher „Zur Linde“, war eine urige Kneipe und verfügte über einen großen Saal. Nach der Wende wurde ein griechisches Restaurant, nun also Café. Das Tanzlokal der Geschwister Ketz war sehr beliebt, die „Waldhalle“ war der Treffpunkt der Jäger, in der Gaststätte Block wurde wegen eines ebenfalls großen Saales Sport getrieben und die Gaststätte Kutter war eine zünftige Bierkneipe. „Viele Einwohner, die erst nach der Wende hierher gezogen sind, wissen davon nichts und staunen angesichts der Fülle von Kneipen“, sagt auch Renate Damm. Sie findet es prima, dass Zeitdokumente jetzt eine ganz neue Verwendung finden.

Auf dem Dorffest im Oktober, das verspricht Kirsten Schielke, sollen drei oder vier der alten Fotos aufbereitet und vergrößert auf A 3 zu sehen sein. „So können die Neuenkirchner mit eigenen Augen sehen, was wir mit den Fotos vorhaben. Vielleicht erinnert sich dann der eine oder andere auch noch an einen Pappkarton mit alten Aufnahmen im hintersten Winkel des Schrankes. Uns würde das sehr freuen“, sagt sie.

Cornelia Meerkatz

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