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Greifswald Neuer Deich in Wieck: Stalu und Stadt streiten sich
Vorpommern Greifswald Neuer Deich in Wieck: Stalu und Stadt streiten sich
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00:05 02.06.2017
Kurz vor der Fingerpier des Hafens endet der Deich. Die Spundwand müsste erneuert werden, sagt das Stalu. FOTOS (2): PETER BINDER

Eigentlich sollte die Deichkrone von Wieck nach Ladebow schon seit 2016 begehbar sein. Doch immer noch versperren Zäune den Weg. „Ich gehe aber von einer Abnahme vor dem Sommer aus“, sagte Frank Mikkat, der zuständige Abteilungsleiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Landwirtschaft (Stalu), auf der Sitzung des Ortsrates Wieck/Ladebow in dieser Woche. „Erzwingen kann ich das aber nicht.“

Ordnungsamt soll Betretungsverbot durchsetzen / Erste Reparatur nötig

Wie danach mit dem Deich umgegangen wird, wer wofür verantwortlich ist, darüber streiten Stadt und Stalu heftig. Auf dem Weg auf der Deichkrone dürften die Bürger künftig spazieren gehen, aber nicht fahren, sagte Mikkat. „Er ist kein Radweg. Die Stadt ist die Ordnungsbehörde, die das durchsetzen muss. Das ist nicht Aufgabe des Stalu“, betonte er. „Im Extremfall lasse ich den Deich einzäunen, dann kann der Weg nicht mehr begangen werden.“

Der Deich sei auch kein Rodelberg, so Mikkat weiter. Jede Beschädigung des Rasens müsse verhindert werden. „Das beeinträchtigt die Schutzfunktion.“ Denn: Der Deich dient dem Sturmflutschutz, nicht mehr und nicht weniger. Darum sei es nicht gestattet, ihn als Liegewiese zu nutzen, wie das bereits beobachtet wurde. Auch das müsse die Stadt durchsetzen.

Eine Liegewiese Richtung Wasser gebe es im Strandbad. „Wir haben dort extra eine dicke Lehmschicht unter dem Deich eingebracht, damit er dafür stabil genug ist“, informierte Mikkat. Die Debatte um einen etwaigen freien Eintritt ins Strandbad sei unsäglich (die OZ berichtete). „Wer geht jetzt noch ins Strandbad?“, fragt er. Die Leute legten sich stattdessen an den kostenlosen Strand daneben.

Marode Spundwand am Hafen

Ob es einmal Bänke für Fußgänger auf dem Deich gibt, steht in den Sternen. „Dafür müssen Nischen angelegt werden, damit der Rettungsweg nicht verstellt wird“, sagte Mikkat auf Nachfrage des Wieckers Eckart Eich. „Die hätten wir bei Anlage des Deichs bauen können. Aber das hätte die Stadt bezahlen müssen.“ Der Nischenbau sei weiter möglich, werde aber teurer. „Darüber habe ich den Oberbürgermeister schon vor Monaten informiert.“

Mikkat kritisierte die Stadt ein weiteres Mal, als Eich das fehlende Stück Deich vor der Fingerpier des Hafens Ladebow ansprach (siehe Foto unten). Der neue Deich schließt nicht direkt an. „Wir hätten ihn gern bis hierher geführt. Aber die Spundwand in diesem Bereich ist nicht mehr standsicher“, sagte Mikkat. Leider sei im Einverständnis mit der Stadt die Wasserfläche an der Fingerpier verpachtet worden.

Folge: Der Deich musste anders gestaltet werden, Mehrkosten in Höhe von 150 000 Euro entstanden. Aus Sicht von Mikkat müsste die Stadt das bezahlen, stattdessen trägt das Land die Kosten. Er bekam viel Zustimmung im Ortsrat. Alle Fragen beantwortet, hieß es einhellig.

Deich in Eldena wird repariert

Im Rathaus ist man wortkarg, sagt auch nichts zur geforderten Kontrolle des Betretungsverbots auf dem neuen Deich. „Wir haben zu den Vorwürfen eine andere Auffassung“, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Alle angesprochenen Punkte seien bekannt und würden bei den vierteljährlichen Treffen mit dem Stalu besprochen. „Wir sind überrascht, dass in der Ortsteilvertretung Dinge durch das Stalu kritisiert werden, die sowieso schon Thema der Gespräche sind.“

Unabhängig von den Querelen sollen aber auf der Eldenaer Seite die Deichschäden beseitigt werden, die durch die letzte Sturmflut im November 2016 entstanden, kündigte Mikkat an. Damals brach ein großes Stück des Küstenschutzwalls heraus (Foto oben). „Wir müssen dort das Deckwerk des Deiches verstärken und verlängern“, sagte er. „Während des Bade- und Strandbetriebs wollen wir nicht bauen.“

Er geht davon aus, dass die Reparaturarbeiten zur Saison 2018 abgeschlossen sind.

Der Küstenschutz

32 Millionen Euro kostete das Sperrwerk in Wieck, das im April 2016 nach sechs Jahren Bauzeit und zahlreichen Verzögerungen eingeweiht wurde. Ursprünglich sollten es 20 Millionen Euro sein. Das Sperrwerk schützt gegen Sturmfluten bis maximal 3,10 Meter über Normalnullhöhe.

Die gesamte Küstenschutzmaßnahme inklusive Deiche in Eldena, Wieck und Ladebow sowie Höhenanpassungen in Neuenkirchen und Jager kostet über 42 Millionen Euro. 2014 hieß es noch, der Deich sei 2015 fertig.

Eckhard Oberdörfer

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