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Nichts für schwache Nerven

Greifswald Nichts für schwache Nerven

Mit Dennis Kellys „Nach dem Ende“ will das Theater Vorpommern ein Stück über Angst und Macht ins Gespräch bringen. Am Sonntag ist Premiere.

Greifswald. Eine Frau, ein Mann, ein Bunker. Und die Frage: Was passiert da drin? Das Stück von Dennis Kelly, das am Sonntag im Rubenowsaal des Theaters Vorpommern auf die Bühne kommt, heißt „Nach dem Ende“ — und ist laut Dramaturg Sascha Löschner die ultimative Parabel auf den 11. September und seine Folgen. „Die Frage des Stücks ist: Wie reagieren wir auf eine existentielle Bedrohung?“, erklärt Löschner. „Verbarrikadieren wir uns? Oder behaupten wir weiter unseren Anspruch auf Freiheit? Und wie schlägt Macht in Machtmissbrauch um?“

Als Kammerspiel hat Kelly sein Werk von 2005 angelegt: Louise, gespielt von Frederike Duggen, wacht aus einer Bewusstlosigkeit im Bunker ihres Arbeitskollegen Mark (Sören Ergang) auf. Vor einem terroristischen Atomschlag habe er sie gerettet, erklärt ihr Mark, oben sei alles im Atomwind verstrahlt. Doch bei Louise wachsen Zweifel: Nutzt ihr Retter die Gefahr vielleicht nur, um sie einzusperren und gefügig zu machen?

„Für mich ist dieses Stück auch die Antwort auf die Frage: Warum Theater?“, sagt Regisseurin Julia Heinrichs, die „Nach dem Ende“ bereits an Löschners früherem Schaffensort Stendal in der Altmark inszenierte. „Wir wollen nicht banal unterhalten, sondern die Leute herausfordern, sich mit einem Thema auseinander zu setzen“, sagt sie. Das sei ja die zentrale Funktion von Theater. Viele Fernsehkrimis schauten sich die Leute chipsessend an, fast unberührt von der Gewalt darin. „‘Nach dem Ende‘ ist keine leichte Kost.“

Was genau im Bunker zwischen Louise und Mark passiert, wollen Löschner und die Regisseurin nicht verraten. Nur so viel: Mark wird seine Machtsituation ausnutzen, und zwar brutal. Für Schauspieler Sören Ergang keine einfache Rolle. „Die Psychologie dieser Figur hat mit mir nichts zu tun“, meint er. „Trotzdem habe ich angefangen, Marks Taten nachzuvollziehen, ja, irgendwie auch zu verstehen.“

Eine Herausforderung sei für ihn aber auch, in dem Stück im wahrsten Sinne des Wortes alle Hüllen fallen zu lassen, schutzlos zu sein. „Als Schauspieler keine Scheu zu haben, alles zuzulassen — das musste ich so radikal vorher noch nie.“

Auch den Zuschauern werde nichts erspart, meint Sascha Löschner. Erste Inszenierungen des Stücks in der Schweiz und Deutschland hätten versucht, sich um die Gewaltszenen herumzudrücken, „In dem Glauben: Der Zuschauer versteht das ja auch so“, sagt Löschner. „Aber es geht hier nicht darum, etwas zu verstehen, sondern es zu erleben!“ In Stendal hätten manche Zuschauer die Vorstellung verlassen, weil sie das nicht aushielten. Das Stück habe auch nicht die Massen angezogen. „Aber es hat uns Respekt eingebracht. Weil wir damit Theater machen, das herausfordert.“ Um die Zuschauer in Greifswald mit ihren Fragen nicht allein zu lassen, soll es mindestens einmal im Monat ein Nachgespräch zur Aufführung geben — das erste am 15. März. „Da wird es dann sicher um den Inhalt gehen, aber auch um die Frage, wieso wir alles so explizit zeigen“, sagt Sascha Löschner. Er hofft, dass das Greifswalder Publikum den Anspruch hinter der Inszenierung zu schätzen weiß. Die Premiere ist noch nicht ausverkauft.

Premiere: 10. März, 18 Uhr, Stadthalle, Karten unter ☎ 03831 26 46 6

Sybille Marx

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